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Warum die Italienerin Annika Sieff die Sportart gewechselt hat

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Die Nordische Kombination der Frauen ist nicht olympisch. Deshalb sind Annika Sieff, Lisa Hirner, zwei junge Finninnen und ein Superstar neue Wege gegangen. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Da waren sie noch Nordische Kombiniererinnen: Annika Sieff (links) und Gyda Westvold Hansen (Mitte) jubeln mit der Deutschen Nathalie Armbruster.
Da waren sie noch Nordische Kombiniererinnen: Annika Sieff (links) und Gyda Westvold Hansen (Mitte) jubeln mit der Deutschen Nathalie Armbruster.  Foto: Barbara Gindl

Olympische Sehnsucht macht erfinderisch. Annika Sieff ist eine herausragende Sportlerin, holte Gold bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2022 und 2023 – und beschloss vor zwei Jahren einen Neuanfang zu wagen. Als Skispringerin. „Ich habe wegen der Olympischen Spiele gewechselt“, erklärt die Italienerin immer wieder. „Ich wohne zehn Minuten von Predazzo entfernt. Die Olympischen Spiele sind mein Traum.“

„Die Olympischen Spiele sind mein Traum.“

Annika Sieff

Der am Samstagabend mit der ersten Entscheidung auf den neuen Sprungschanzen im Fleimstal in Erfüllung geht, dem Einzel auf der Normalschanze. Die Nordischen Kombiniererinnen hingegen sind bei Olympia nicht dabei. Und da die Kombination ihren olympischen Status im Mai gar komplett verlieren könnte, war nicht nur der 22-jährigen Annika Sieff klar: Es gibt womöglich nur eine Chance, Olympia zu erleben.

Traum für Gyda Westvold Hansen geplatzt, vier andere sind bei Olympia dabei 

So sahen das auch die Kombiniererinnen Lisa Hirner (Österreich/22), Heta Hirvonen (17) und Minja Korhonen (beide Finnland/18). Während das Quartett einen der 50 Startplätze für die Spiele ergattern konnte, platzte der Olympia-Traum von Gyda Westvold Hansen.

„Ich nutze die einzige Möglichkeit, die ich habe, um bei den Spielen dabei zu sein.“

Gyda Westvold Hansen

Die 23-jährige Norwegerin, als fünfmalige Weltmeisterin mit 25 Weltcupsiegen Superstar der Nordischen Kombination, wechselte im Sommer mit den Worten: „Ich nutze die einzige Möglichkeit, die ich habe, um bei den Spielen dabei zu sein.“ Sie ist zwar 20. des Gesamtweltcups, aber nur fünftbeste Norwegerin. Traum zerplatzt.

Selina Freitag kann den Schritt nachvollziehen

„Ich kann es nachvollziehen, dass jemand für Olympia die Sportart wechselt. Aber es hat einen faden Beigeschmack, wenn man das machen muss“, findet Deutschlands beste Skispringerin Selina Freitag. „Gyda und Annika haben sich sprungtechnisch verbessert – sie sind schon vorher sehr gut gesprungen.“ Aber trotzdem hat man es nicht leicht, wenn man von der Kombi kommt.

„Wir sind ganz weit weg von den Langlaufprofis und den Spezialspringern, das sind andere Sportarten.“

Julian Schmid

Der Nordische Kombinierer Julian Schmid, seines Zeichens Weltmeister, erklärt: „Wir sind ganz weit weg von den Langlaufprofis und den Spezialspringern, das sind andere Sportarten.“ Und eben genau deshalb sei deren Kombination so faszinierend, sagt der 26-Jährige vom SC Oberstdorf: „Ein Wechsel, das funktioniert leider nicht.“ Denn die Zweikämpfer haben für das Spezialistentum auf der Schanze zu viele Muskeln. Und für die Loipe wiederum zu wenige.

Spezialisten sind einfach noch besser

Zwar wird in beiden Sparten von der Schanze ähnlich weit gesprungen. Aber das wird über die Anlaufluken gesteuert. Reine Luftikusse brauchen weniger Anlauf, Spezialisten halt. Und wie Selina Freitag sagt: „Wir haben eine ganz andere Anfahrtsgeschwindigkeit als in der Kombination.“

Ist reine Skispringerin, die nachvollziehen kann, dass man für den olympischen Traum die Sportart wechselt: Selina Freitag.
Ist reine Skispringerin, die nachvollziehen kann, dass man für den olympischen Traum die Sportart wechselt: Selina Freitag.  Foto: Swen Pförtner

Horst Hüttel, Sportdirektor für beide Disziplinen im Deutschen Skiverband, findet es „legitim, dass die Athletinnen die Chance auf Olympia nutzen wollen“. Die jungen Frauen haben sich dabei für verschiedene Wege entschieden: Lisa Hirner und die beiden jungen Finninnen sind zweigleisig unterwegs, starten in beiden Disziplinen im Weltcup. Was nur leidlich funktioniert, da die nur im März in Lahti und Oslo am selben Ort parallel stattfinden.

Horst Hüttel weiß, das Westvold Hansen nun wieder kombinieren wird

Während Annika Sieff fest zu den Springerinnen gewechselt ist, dürfte Gyda Westvold Hansen wieder zu ihren sportlichen Wurzeln zurückkehren. „Sie kombiniert weiter, hat sie mir beim Weltcup in Trondheim erzählt“, sagt Hüttel. „Sie wollte einfach zu Olympia.“ Dann eben 2030 in den französischen Alpen als Kombiniererin.

Doppelstart 2006

Starts in der Nordischen Kombination und im Skispringen bei denselben Olympischen Spielen, das hat es schon mal gegeben: Der Italiener Davide Bresadola hatte 2006 zu Hause in Turin einen Doppelstart. Mit vergleichsweise mäßigem Erfolg. In der Kombination kam der damals 17-Jährige auf Platz 44 im Sprint, im Spezialspringen mit der Mannschaft auf Platz elf.

Egal, ob das Internationale Olympische Komitee in ein paar Wochen mit Blick auf die Königinnen und Könige des nordischen Skisports den Daumen hebt oder senkt: „Ab Mai wird einiges überdacht werden“, ist sich Horst Hüttel sicher. Aber Annika Sieff kann dann niemand mehr den erlebten Traum von den Heimspielen nehmen.

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