Osnabrücks Kapitän beteuert im Stadion Unschuld
Die Faktenlage ist dünn, die Vorwürfe wiegen schwer: Der Fußball-Drittligist VfL Osnabrück sieht sich im Zentrum von Verdächtigungen und Anschuldigungen rund um den Wettskandal.
«Wir sind Opfer und keine Täter», sagte VfL-Präsident Dirk Rasch nach dem 4:1-Sieg gegen Borussia Dortmund, der fast zur Nebensache wurde - auch weil es vor der Partie zu einer äußerst ungewöhnlichen Aktion kam: VfL-Kapitän Thomas Reichenberger sah sich genötigt, öffentlich eine mögliche Beteiligung an Spielmanipulationen zu dementieren und seine Unschuld zu beteuern.
«Es ist viel auf mich eingeprasselt in den letzten Tagen. Aber ich kann Euch versichern: Ich hatte nie Kontakt mit der Wettmafia und habe mit dem Wettskandal nichts zu tun», sagte der Spieler vor den Fans. «Ich habe nie ein Spiel manipuliert oder Geld dafür genommen, schlecht zu spielen oder zu verlieren.» Nachher versicherte der 35 Jahre alte Kapitän noch: «Ich habe ein reines Gewissen.»
Die Fans des VfL glauben dem ehemaligen Bundesliga-Profi - und auch die Verantwortlichen des Clubs. «Wir sind davon überzeugt, dass Thomas Reichenberger damit nichts zu tun hat», sagte der Osnabrücker Clubchef. Rasch ist sich sicher: «Die aktuelle Mannschaft hat damit nichts zu tun.» Er selbst hat bisher nur durch Medienberichte davon erfahren, dass die Zweitliga-Spiele beim FC Augsburg (0:3) am 17. April und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai manipuliert sein könnten.
Von der Staatsanwaltschaft gibt es dafür keine Bestätigung, konkrete Partien wurden bisher nicht genannt. Als gesichert gilt nur, dass gegen den ehemaligen Osnabrücker Marcel Schuon ermittelt und dessen Wohnung durchsucht wurde. Das hatte Tobias Gebert erklärt, der Manager des Drittligisten SV Sandhausen, wo Schuon jetzt spielt. «Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat», sagte Gebert.
Weitere Namen von Osnabrücker Spielern aus dem Kader der Abstiegssaison wurden veröffentlicht, dabei war auch der von Reichenberger - nur deshalb entschied sich der Kapitän zu seinem Auftritt im Stadion. Sein Berater kündigte nun auch rechtliche Schritte an. Rasch wiederum drohte mit Strafanzeigen für den Fall, dass tatsächlich Spiele des VfL manipuliert und ehemalige Profis beteiligt gewesen sein sollten.
Der Clubchef bezeichnete es aber als «unerträglich» und «unverantwortlich», dass in verschiedenen Publikationen bereits «Namen von Spielern genannt worden sind». Rasch sagte: «Wir haben einen Manipulationsskandal, aber auch einen Medienskandal, zumindest was den VfL Osnabrück angeht.» Und VfL-Trainer Karsten Baumann klagte: «Ich finde das entsetzlich. Noch vor einer Woche haben wir uns aus ganz traurigem Anlass vorgenommen, etwas besser miteinander umzugehen - aber das hat nicht lange gehalten.»
Rasch bestätigte allerdings einen Vorfall der zurückliegenden Saison: «Ein Spieler hat sich geoutet, dass er spielsüchtig ist.» Der Profi habe eine Gehaltsvorauszahlung erhalten, um Schulden zu bezahlen, und sei zu einem Therapeuten geschickt worden.
Die VfL-Spiele gegen Nürnberg und Augsburg waren nach Ansicht der Osnabrücker Verantwortlichen unauffällig. «Wir haben einfach schlecht gespielt», sagte VfL-Manager Lothar Gans. Und auch Nürnbergs Manager Martin Bader erklärte: «Das Spiel war unspektakulär, ein nüchternes 2:0.» Weder die Polizei noch Staatsanwaltschaft seien an den Club bisher herangetreten: «Wir haben es nur aus den Medien erfahren.»
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