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Chaos mit viel «Herzblut»: Bayern auf Kurs zum Uralt-Rekord

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Dreimal Luis Díaz, zweimal Harry Kane: Der FC Bayern rückt die Verhältnisse in der Bundesliga torreich zurecht. Ein Rekord aus Gerd-Müller-Tagen ist für Trainer Vincent Kompany kein Thema. Noch nicht.

Von Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa
Luis Diaz ragte heraus.
Luis Diaz ragte heraus.  Foto: Sven Hoppe/dpa

Mit dem Spielball als Trophäe unter dem linken Arm und der Kapuze tief ins Gesicht gezogen eilte Luis Díaz nach seinem Gala-Auftritt gewohnt wortlos aus der Arena. Nach seinem ersten Dreierpack für den FC Bayern und zwei herausgeholten Elfmetern überließ der Mann des Abends die Lobeshymnen lieber Kollegen und Chefs.

«Lucho ist clever, aber er liebt dieses Chaos - und das macht ihn so gefährlich», sagte Trainer Vincent Kompany. «Er hat immer diese Chaos-Kreativität. Er spürt das einfach.» Durch die planmäßig von Harry Kane verwandelten Elfmeter und die drei Tore für Instinktfußballer Díaz reagierte der deutsche Fußball-Rekordmeister deutlich auf das zaghafte Dortmunder Aufbegehren im Meisterschaftsrennen. 

Kane & Co. jagen Rekord

«Ein toller Sieg», schwärmte Kane über den 5:1-Erfolg gegen den Tabellendritten TSG Hoffenheim nach langer Überzahl. Sechs Punkte beträgt der Münchner Vorsprung auf den BVB. Die Torausbeute von 79:19 Treffern nach 21 Spieltagen lässt den FC Bayern mehr denn je auf einen Uralt-Rekord hoffen.

Zu Zeiten von Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Gerd Müller trafen die Bayern in der Saison 1971/72 101 Mal. In der Spielzeit 2019/20 verpassten die Münchner diese als ewig eingestufte Bestmarke mit 100 Treffern nur ganz knapp. Fällt sie dieses Mal?

Nagelsmann sieht Neuer-Patzer

«Im Moment ist das noch keine Priorität für mich», sagte Kompany zur Rekordsteigerung. «Meine größte Priorität bis Saisonende ist, dass wir immer dieses Gefühl haben, wir können jedes Spiel, jeden Moment Tore machen.» Kane (24 Treffer), Díaz (13) und Olise (10) als drei der ersten vier Torschützen in der Bundesliga dokumentieren diese Stärke eindrucksvoll.

Dass die Münchner drei Tage vor dem Pokal-Viertelfinale am Mittwoch gegen RB Leipzig nicht noch mehr Treffer bejubelten, lag auch am tadellosen Auftritt von Nationaltorhüter Oliver Baumann vor den Augen von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus plauderte der 35 Jahre alte Hoffenheimer Torwart freundschaftlich mit Bayern-Keeper und Weltmeister-Torwart Manuel Neuer, der sich im Gegensatz zu ihm einen schweren Patzer erlaubte.

«Er war der Schlüsselspieler»

Doch der Treffer von Andrej Kramaric für die Hoffenheimer, die nach Rot für Kevin Akpoguma (17. Minute) lange in Unterzahl spielten, fiel am Ende nicht ins Gewicht. «Luis Díaz hat den Unterschied gemacht. Er war der Schlüsselspieler», nannte Sportvorstand Max Eberl den Münchner Siegfaktor.

Für rund 70 Millionen Euro war der kolumbianische Flügelstürmer im Sommer vom FC Liverpool zum deutschen Rekordmeister gewechselt. Kritik, wie man so viel Geld für den mittlerweile 29-Jährigen ausgeben könne, ist längst verstummt. «Wir haben sehr viel Spaß an Luis Díaz. Er ist ein echter Wirbelwind», frohlockte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.

Nach zwei Doppelpacks in der Bundesliga und in der Champions League traf der Flügelspieler nun erstmals dreifach für den Bundesliga-Tabellenführer. «Luis hat in Liverpool einen Riesenunterschied gemacht bei der Mannschaft damals, die schon sehr, sehr erfolgreich war», sagte Eberl. «Das setzt er nahtlos hier beim FC Bayern fort. Ein Spieler, der mit unglaublich viel Herz und Herzblut und Bereitschaft spielt.» Alle Aktionen führe Díaz «mit hundert Prozent» aus. Ein Mentalitätsfußballer wie es einst Club-Legende Franck Ribéry war.

«Was der Junge Spiel für Spiel abreißt bei uns, ist einfach nur Wahnsinn», sagte der deutsche Nationalspieler Aleksandar Pavlovic. «Er soll so weiter machen - und dafür lieben wir ihn.»

Boss-Ansage: «Jetzt geht's ums Ganze»

Die nächste Möglichkeit dazu hat Díaz im DFB-Pokal, wenn am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und ARD) Rekordpokalsieger FC Bayern und Leipzig als Gewinner von 2022 und 2023 im K.o.-Hit aufeinandertreffen. «Jetzt geht es gegen Leipzig ums Ganze», sagte Dreesen.

Dabei wird es zwangsweise auch wieder Zuschauer im Münchner Kader geben. Angesichts der Rarität einer komplett gesunden Mannschaft war für Minjae Kim gegen Hoffenheim kein Platz im Kader, Leon Goretzka lief sich vergeblich warm. 

«Ich muss mich immer entscheiden, am Mittwoch wird das wieder so sein», ordnete es Kompany ein. Aber man brauche jeden Spieler und er rede mit den Profis schon im Vorfeld darüber. «Ich möchte das nicht negativ sehen. Es ist für uns positiv: Alle sind da», sagte der Belgier.

Harry Kane war wieder sicher vom Punkt.
Harry Kane war wieder sicher vom Punkt.  Foto: Sven Hoppe/dpa
Seine Vertragsverlängerung ist beim FC Bayern fest eingeplant: Dayot Upamecano.
Seine Vertragsverlängerung ist beim FC Bayern fest eingeplant: Dayot Upamecano.  Foto: Sven Hoppe/dpa
Der FC Bayern um Joshua Kimmich jubelt über einen klaren Sieg.
Der FC Bayern um Joshua Kimmich jubelt über einen klaren Sieg.  Foto: Sven Hoppe/dpa
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