1000. Platzverweis naht: WM-Held Rahn der Erste
Ein «farbiges Jubiläum» steht der Fußball-Bundesliga vielleicht schon an diesem Spieltag bevor: Der 1000. Platzverweis seit Einführung der Eliteklasse 1963.

Bis jetzt mussten 997 Spieler vorzeitig vom Feld, nicht eingerechnet sind die Gelb-Roten Karten, die erst mit der Saison 1991/92 eingeführt wurden. Der erste Bannstrahl eines Unparteiischen traf ausgerechnet einen «WM-Helden von Bern». Am 14. September 1963 wurde Helmut Rahn des Feldes verwiesen. Der «Boss» hatte im Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC Berlin (1:3) nach einem Foul seines Gegenspielers Harald Beyer die angebotene Hand zur Versöhnung ausgeschlagen und seinen Kontrahenten mit einer unwirschen Kopfbewegung ins Gesicht getroffen.
Rahn, Schütze des entscheidenden dritten Treffers im 54er-WM-Finale gegen Ungarn (3:2), konnte es nicht glauben. Doch Schiedsrichter Edgar Deuschel ließ sich nicht erbarmen und schickte den Weltmeister in die Kabine. Der unerschrockene Referee aus Ludwigshafen sprach die Strafe gegen Rahn übrigens noch mündlich aus - erst bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko und im Anschluss daran auch in der Bundesliga wurde die Rote Karte als Zeichen des Feldverweises eingeführt. Erster Übeltäter: Der Oberhausener Lothar Kobluhn am 10. Oktober 1970 beim Gastspiel in Kaiserslautern (1:4).
Der Pfälzer Deuschel schrieb auch mit einem weiteren Feldverweis Fußball-Geschichte. Vier Jahre nach Einführung der Bundesliga war er für die erste Höchststrafe gegen einen Torhüter verantwortlich. Am 11. März 1967 schickte der Beamte bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen Nürnbergs Keeper Roland Wabra vom Rasen, weil dieser nach 28. Spielminuten den Düsseldorfer Stürmer Waldemar Gerhardt umgestoßen hatte. Weil es damals noch keine Auswechslungen gab, musste für Wabra der Feldspieler Reinhold Adelmann ins Tor.
Deuschel erlangte durch sein konsequentes und ruhiges Auftreten auf dem Platz eine gewisse Popularität. Wie das Beispiel Rahn zeigt, schreckte der Unparteiische auch vor großen Namen nicht zurück. Dies bekam auch das Hamburger Fußball-Idol Charly Dörfel zu spüren. Nach einem Foulspiel antwortete der Nationalspieler dem Ludwigshafener Schiedsrichter auf die Frage nach seinem Namen ironisch und wohl auch etwas eitel «Neumann». Deuschel blieb gelassen und entgegnete: «Neumann steht nicht auf dem Spielberichtsbogen. Dann gehen Sie mal zum Duschen, Herr Neumann.»
Deuschel war vor seiner Zeit als Schiedsrichter auch selbst aktiv. Bei der Spvgg Mundenheim (heute MSV Ludwigshafen) agierte er als Torhüter und trug den Spitznamen «Lass ihn», weil er oft mit diesem Zuruf seine Verteidigerkollegen vom Ball scheuchte. Der Pfälzer leitete zwischen 1963 und 1969 insgesamt 53 Bundesligaspiele und verhängte fünf Platzverweise. Auch international kam der 2002 gestorbene Referee wegen seiner guten Leistungen zum Einsatz.
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