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Timmendorfer Strand (dpa)

Brink/Reckermann: Nun Olympia-Gold im Kopf

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Weltmeister, Welttour-Gesamtsieger - und nun auch deutsche Meister: In ihrer ersten Saison erfüllen sich Julius Brink und Jonas Reckermann weiter alle Träume in Rekordtempo.

Von Britta Körber, dpa
Reckermann (l) und Brink feiern ihren Sieg bei der Beachvolleyball-DM .
Reckermann (l) und Brink feiern ihren Sieg bei der Beachvolleyball-DM .

«Das ist immer noch schwierig zu fassen, so richtig ist es noch nicht gesackt», erzählte der 30 Jahre alte Blockspieler Reckermann bei den deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften in Timmendorfer Strand. Dort feierte das Erfolgsduo auch seinen ersten nationalen Titel: Im Finale bezwangen sie nach harten Kampf Hallen-Nationalspieler Björn Andrae und dessen Partner Marcus Popp mit 2:1 (18:21, 21:13, 16:14). Bei den Frauen siegten Katrin Holtwick und Ilka Semmler.

Geduldig stehen die Weltenbummler beim Interview-Marathon an der Ostsee und haben bei der Autogramm-Stunde im strömenden Regen noch lockere Sprüche drauf. Brink und Reckermann sind nicht oft in Deutschland, die Aufregung in der Beach-Szene um ihre Erfolge tut ihnen sichtlich gut.

«Julius und Jonas haben für den Sport in Deutschland und auch in Europa so eine herausragende Leistung vollbracht, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann», sagt Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Sein Vorzeigeteam aus Leverkusen und Köln bringt dem Verband in der Beach/Sparte zum 1. Januar eine Aufstockung vom Bundesinnenministerium in Förderstufe 1 ein. «Wir müssen jetzt zeigen, dass das keine Eintagsfliege war», fordert der ehemalige Zehnkämpfer und verweist auf sechs Titel bei EM und WM im Nachwuchsbereich, «wir sind stolz auf unseren fairen und sauberen Sport». Allerdings fehlt dem Verband für den Sandbereich und für die Halle ein Hauptsponsor, der schon mit 500 000 Euro willkommen wäre.

Da passen Negativschlagzeilen, wie die um den des Dopings verdächtigen Stefan Uhmann nicht in die Landschaft. Der 23 Jahre alte Erfurter wurde vor Turnierbeginn an der Ostsee vom Verband suspendiert und durfte wegen einer positiven A-Probe nicht mit seinem Leverkusener Partner Maarten Lammens antreten. «Wir sind ein sauberer Sport, gerade in der Weltspitze», sagt Brink, «das ist ein Einzelfall von jemandem, der sich über die Tragweite seiner Handlung nicht im Klaren war.»

Das kleine Unternehmen Brink/Reckermann hat eine klare Einstellung zu Dopingfragen, gehört wie alle Volleyballer zu den meistkontrollierten Sportlern und nimmt manche Mühsal für eine saubere Weste auf sich. «Ich bin schon nachts aufgeschreckt, weil ich vergessen hatte, für den nächsten Tag die Verlegung des Trainings vom Strand in die Halle anzugeben», erzählt Reckermann, der wenig dem Zufall überlässt. Der Analytiker in der Zweierbeziehung mit dem inzwischen gereiften, aber impulsiven Brink spielt die Saison seines Lebens. Nach dem WM-Titel gewannen die Zwei immer weiter, hatten plötzlich den Weltrekord von 25 Welttour-Siegen in Serie zu Buche stehen und konnten allein ein Preisgeld von 274 000 Dollar einstreichen.

Doch Zufall ist das nicht. Mit vier Trainern und einem Psychologen haben die Beach-Boys ein ständiges Feedback, gehen äußerst rücksichtsvoll miteinander um und wissen, was sie aneinander haben. «Er ist mein dritter Partner, ich lege nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage und bin toleranter geworden», sagt der 27-Jährige Brink, der nach den vermasselten Olympischen Spielen in Peking nun mit Reckermann selbstbewusst in Richtung London 2012 schaut. Den Respekt der Brasilianer und Amerikaner haben sie sich in dieser Saison erarbeitet.

Eric Koreng (l) beobachtet Jonas Reckerman während einer Ballannahme.
Eric Koreng (l) beobachtet Jonas Reckerman während einer Ballannahme.
Jonathan Erdmann kann den Ball nur noch mit einem Hechtsprung erreichen.
Jonathan Erdmann kann den Ball nur noch mit einem Hechtsprung erreichen.
Jonas Reckermann (l) und Julius Brink heben ihre Pokale in die Luft.
Jonas Reckermann (l) und Julius Brink heben ihre Pokale in die Luft.
Koreng (l-r) und Klemperer feiern den dritten Platz bei der Beachvolleyball-DM.
Koreng (l-r) und Klemperer feiern den dritten Platz bei der Beachvolleyball-DM.
Julius Brink (r) baggert den Ball.
Julius Brink (r) baggert den Ball.
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