So lief die Angel-Aktion der Deutschen bei der Eröffnungsfeier in Cortina
Die Welt zu Gast bei Freunden: Cortina feiert mit einem Straßenumzug die Eröffnung, die nicht nur wegen des Fischeroutfits von Team D spaltet.

Diese Eröffnungsfeier hat gespalten. Die einen waren mit Blick auf das bunte Treiben in Mailand, Cortina, Predazzo und Livigno mehr bei der italienischen „Gazetta dello Sport“ („Eine grandiose Hommage an die Kunst, Kultur und Harmonie, die Italien der Welt geschenkt hat“). Die anderen eher bei der britischen „Sun“ („ Es war eine sehr schöne Zeremonie, wenn auch etwas zu lang – aber sie war größtenteils gute Unterhaltung“).
Und dann das Outfit der deutschen Mannschaft. Doch die nahm sich selbst auf die Schippe – und feierte vor allem in Cortina ein bei Olympia noch nie gesehenes Fest. Auf dem Corso Italia, der Fußgängerzone, ging es rund. Die Zuschauer standen dicht gedrängt an der Straßen und auf Balkonen applaudierten und klatschten die stolz hinter ihrer Nationalflagge winkenden Sportlerinnen und Sportler ab, so sie denn kein Smartphone in der Hand hielten.
Jamaikaner, Brasilianer und die Deutschen als Stimmungskanonen in Cortina
Die jubelnden Athleten filmten die jubelnden Zuschauer und die jubelnden Zuschauer die jubelnden Athleten. Die Chilenin Matilde Schwencke heulte, ihre Fahne schwenkend, vor Glück, Stimmungskanonen waren die Jamaikaner mit ihren coolen Sonnenbrillen, selbstverständlich die tanzenden Brasilianer und: die Deutschen. Die solche Straßenumzüge unter dem Namen Karneval, Fasching oder Fasnacht kennen.
„Es war ein sehr schönes Gefühl, so nah an den Menschen dran. Alle haben sich gefreut, wollten unsere Fähnchen haben.“
Jacqueline Pfeifer
„Das war mega cool, hat den Tag perfekt abgerundet“, sagte Skeletonfahrerin Jacqueline Pfeifer, die am Freitag 31 Jahre alt geworden war und das Schild mit der Aufschrift „Germania“ trug. „Es war ein sehr schönes Gefühl, so nah an den Menschen dran. Alle haben sich gefreut, wollten unsere Fähnchen haben.“ Gerade nach den Corona-Spielen 2022 in Peking sei es „einfach total schön mit den Fans und Publikum in die Wettkämpfe zu starten“.
Axel Jungk bekam vom Gang durch die vollen Gassen Gänsehaut
Axel Jungk, ebenfalls Skeletonsportler, war überrascht: „Es war wirklich cooler als erwartet. Hier durch die vollen Gassen zu laufen – das war Gänsehaut.“ Als die große deutsche Delegation vorbeikam, rief einer der italienischen Volunteers den Athleten immer wieder das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu: „Die Welt zu Gast bei Freunden!“

Und die Gäste aus Germania bewiesen Humor, ließen den Spott an ihrem Outfit mit XXL-Poncho und Anglerhut einfach abperlen. Bei Instagram schrieb das deutsche Team zu einem Bild vom Einlauf bei der Nationenparade: „Ab jetzt angeln wir uns die Medaillen!“
Joshua Tasche warf sich auf den Boden, war der zappelnde Fisch am Haken
Was in Cortina bildlich dargestellt wurde: Bobfahrer Joshua Tasche warf sich plötzlich vor seinen Teamkollegen auf den Boden und wand sich wie ein zappelnder Fisch am Haken. Bobpilot Adam Ammour schrieb zu einem Video der Szene: „Das deutsche Angelteam ist bereit für Olympia.“ Selbstkritisch merkte Axel Jungk allerdings an, nachdem von der Aktion im TV-Bild nur wenig zu erkenne gewesen war: „Ist glaube ich ein bisschen in die Hose gegangen, weil wir davorstanden.“
„Das deutsche Angelteam ist bereit für Olympia.“
Adam Ammour
Nicht ganz optimal lief auch der TV-Abend mit Überlänge bei der ARD, die Tonprobleme hatte. „Die Beschallungslautstärke des Show-Programms im Stadion war außergewöhnlich hoch. Darauf waren die Headset-Mikrofone unseres Kommentatoren-Duos zu Beginn nicht optimal eingestellt“, hieß es in einer Stellungnahme des Bayerischen Rundfunks, der federführend für die Olympia-Übertragungen der ARD ist.
Durchschnittlich 5,234 Millionen Menschen hatten eingeschaltet. Zum Vergleich: Bei den Sommerspielen 2024 in Paris waren es 10,44 Millionen gewesen, vor vier Jahren bei den Winterspielen in Peking 3,77 Millionen.

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