So lange wartet Franziska Preuß schon auf eine Einzelmedaille bei Olympia
Wieder keine Einzelmedaille bei den Olympischen Spielen für Biathletin Franziska Preuß im Sprint von Antholz. Am Verfolger-Sonntag ist Gold schon sicher. Felix Bitterling spricht Klartext.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Medaillentreffer zu landen, ist im Biathlon-Sport deutlich größer als in anderen Wintersportarten. Während die anderen Skisportler nur alle zwei Jahre die Chance haben, Medaillen bei Weltmeisterschaften zu gewinnen und den (Werbe-)Marktwert zu erhöhen, gibt es für die Skijäger jedes Jahr eine WM – es sei denn, es ist ein olympisches Jahr wie 2026.
So hat es Franziska Preuß im Laufe ihrer Karriere trotz regelmäßiger Ausfallzeiten zu elf WM-Medaillen gebracht. Aber erst zu zwei olympischen Plaketten: 2022 in Peking in der Staffel und vor einer Woche in Antholz in der Mixed-Staffel. Der Weltmeisterin von Lenzerheide 2025 fehlt sie noch, diese olympische Einzelmedaille. Weiterhin: Am Samstag kam die 31-Jährige im Sprint über 7,5 Kilometer bei Bilderbuchschneeflöckeln als beste deutsche Starterin auf Platz sieben.
Franziska Preuß auf Platz sieben im olympischen Sprint von Antholz
„Natürlich bin ich ein Stück weit enttäuscht. Wobei es schon ein gutes Rennen war“, sagte Franziska Preuß. Aber der eine Fehler am Schießstand („Ich habe ihn gar nicht gespürt“) war zu viel. Am Ende waren es 1:00,1 Minuten Rückstand auf die siegende Norwegerin Maren Kirkeeide, Silber ging an die Französin Océane Michelon, Bronze an ihre Landsfrau Lou Jeanmonnot, die trotz einer Strafrunde ihre dritte Medaille im dritten Rennen holte.
„Die Erkenntnis habe ich schon den gesamten Winter, dass ich einfach nicht ganz so in der Form bin wie vor einem Jahr.“
Franziska Preuß
Auch ohne einen Fehlschuss hätte es für Franziska Preuß nicht fürs Podest gereicht: „Die Erkenntnis habe ich schon den gesamten Winter, dass ich einfach nicht ganz so in der Form bin wie vor einem Jahr.“ Als sie Weltmeisterin und erstmals auch Gesamtweltcupsiegerin geworden war. Doch schon am Sonntag (14.45 Uhr) gibt es für Franziska Preuß bei ihren vierten Olympischen Spielen die nächste Chance.
Es ist schon Franziska Preuß´ zwölfter Schuss
Am Sonntag steht die Verfolgung über zehn Kilometer mit vier Auftritten am Schießstand an. „Ich mag das gern, wenn man ein bisschen intuitiv handeln muss“, sagte Franziska Preuß, die im zehnten olympischen Rennen als Solistin (vier weitere sind es in Staffel beziehungsweise Mixed) im Einzel Platz zehn belegt hatte. Der Verfolger ist also schon ihr zwölfter Schuss auf eine olympische Einzelmedaille seit 2014 in Sotschi.
Außerdem gehen Vanessa Voigt als Zwölfte (+1:14,0/0 Fehler), Julia Tannheimer als 20. (+1:32,3/2) und Selina Grotian als 52. (+2:22,6/3) ins Rennen. Die war kurzfristig („Ich habe es um 9.30 Uhr erfahren“) für Janina Hettich-Walz eingesprungen. Die war wie auch ihre Mitbewohnerin Vanessa Voigt nach dem Einzel von Magenproblemen erwischt worden. Es seien auch zwei Personen des tschechischen Teams, mit denen man sich das Hotel teile, ausgebremst worden, teilte Sportdirektor Felix Bitterling mit.
Franziska Preuß ist in ein Einzelzimmer gewechselt
Felix Bitterling sagte weiter: „Es ist alles okay, es war nur eine Nacht. Es war kein Virus. Wir gehen davon aus, dass sie irgendetwas Falsches gegessen haben.“ Vanessa Voigt hatte am Vormittag beschlossen zu starten. „Es rumpelt noch ein bisschen“, sagte die 28-Jährige. Eine Konsequenz des Ganzen: „Ich bin in ein Einzelzimmer gewechselt“, teilte Franziska Preuß mit, die sich zuvor mit Anna Weidel das Zimmer geteilt hatte.
„Wir gehen davon aus, dass Janina und Vanessa irgendetwas Falsches gegessen haben.“
Felix Bitterling
Kurzum: Es läuft nicht rund im deutschen Team. Was Felix Bitterling nicht abstreiten konnte und wollte. „Wir haben sowohl diese als auch vergangene Saison gezeigt, wenn auch nicht in hoher Anzahl, dass wir vorne reinlaufen können. Am Ende des Tages müssen die Trainer mit dem Athletenpersonal arbeiten, das da ist. Und am Ende des Tages kann auch nicht der Trainer den richtigen Schuss setzen, sondern das muss der Athlet tun.“ Klare Worte des nach der Saison ausscheidenden Funktionärs.
Nachträglich Olympia-Gold für Männer-Staffel von Sotschi 2014
Dass es am Sonntag eine positive Überraschung gibt, ist aufgrund der Rückstände unwahrscheinlich – die Männer sind mit ihrem Verfolger um 11.15 Uhr an der Reihe. Trotzdem ist sicher, dass es eine Goldmedaille für Deutschland geben wird. Die Männer-Staffel von Sotschi 2014 bekommt zwölf Jahre nach dem Zieleinlauf von Kirsty Coventry, Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, vor fast 20 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena die Medaillen überreicht.
Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp waren am 22. Februar 2014 von Gastgeber Russland knapp geschlagen worden, dessen Quartett aber in einem jahrelangen Verfahren wegen Dopings disqualifiziert wurde. Silber geht an Österreich, Bronze an Norwegen.

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