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Sieben Strafrunden zum Schluss: Franziska Preuß´ Weg zur Biathlon-Rentnerin

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Der fast perfekte Abschluss: Franziska Preuß beendet bei den Olympischen Spielen in Antholz an der Seite von Dorothea Wierer aus Italien ihre Karriere.

Seite an Seite in den Ruhestand: Franziska Preuß (links) und Dorothea Wierer aus Italien auf den letzten Metern ihrer Karriere.
Seite an Seite in den Ruhestand: Franziska Preuß (links) und Dorothea Wierer aus Italien auf den letzten Metern ihrer Karriere.  Foto: Hendrik Schmidt

So sieht der Bilderbuch-Abschluss einer Bilderbuch-Karriere im Biathlon aus: In Antholz mit der Fahne vor ausverkauftem Haus ins Ziel – und dann in Rente. So war es am Samstag. So war es für Franziska Preuß und auch für Dorothea Wierer. Doch zwei prägende Biathletinnen der vergangenen Jahre in Deutschland und Italien, die Drittschlechteste und die Fünftbeste des Massenstarts, bekamen den besonderen Moment jenseits des olympischen Protokolls geschenkt.

Franziska Preuß und Dorothea Wierer durften nach Ende des Wettkampfs nochmal beflaggt los, die Zielgerade unter tosendem Jubel hin und zurück skaten, wurden von ihren Familien im Ziel gefeiert. „Grazie Doro! Danke Franzi!“ war auf den Leinwänden im Stadion zu lesen. Der Doppelsieg der Französinnen Oceane Michelon und Julia Simon sowie der Bronze-Coup der Tschechin Tereza Vobornikova gingen dabei völlig unter.

Franziska Preuß ist froh, das Kapitel Biathlon nun geschlossen zu haben

„Alles andere habe ich gar nicht so mitbekommen“, sagte eine völlig gelöste, völlig erleichterte Franziska Preuß nach Platz 28. „Ich bin froh, dass dieses Kapitel jetzt geschafft ist.“ Sie habe es kaum erwarten können, dass alles rum ist. „Ich merke das schon länger, dass diese vollkommene Überzeugung einfach nicht mehr so da ist.“ So wurden es im dichten Schneefall sieben Fehler und damit sieben Strafrunden.

„Jetzt ist es egal, jetzt kann ich es genießen.“

Franziska Preuß nach dem ersten Fehlschuss

Als beim zweiten Schuss der erste Fehler unterlief, dachte die Sportlerin des Jahres: „Jetzt ist es egal, jetzt kann ich es genießen.“ In der Vorbereitung hatten die 35-jährige Wierer (16 Medaillen bei Großereignissen) und die 31-jährige Preuß (13) in Antholz zusammen trainiert. Während die Südtirolerin ihr Ciao bei den Heimspielen schon lange beschlossen und verkündet hatte, war die Bayerin erst am Freitag damit rausgerückt.

Julia Simon beweint das Karriereende von Franziska Preuß

„Ich habe geweint, als ich Franzis Post gelesen habe“, sagte Julia Simon. „Es war immer schön mit ihnen, ich habe gerne gegen beide gekämpft.“ Beide werden bei den letzten Weltcup-Stationen in Kontiolahti, Otepää und Oslo nicht mehr am Start stehen.

„Ich habe eine Liste geschrieben, was ich vermissen werde und was nicht. Es war eindeutig.“

Franziska Preuß

„Ich habe eine Liste geschrieben, was ich vermissen werde und was nicht. Es war eindeutig“, sagte Franziska Preuß, die immer wieder Fans nach „Franzi!“-Rufen zuwinkte und ihnen ein Lächeln schenkte. Vermissen werde sie das Team, die Freundschaften und das Überqueren der Ziellinie. Was sie nicht vermissen werde: Die Sorge um die Gesundheit.

Wie es weitergeht, weiß Franziska Preuß noch nicht

„Ich freue mich, dass ich mich mit der Familie treffen kann, Weihnachten mit allen nicht mehr draußen, sondern drinnen feiern kann.“ Franziska Preuß war professionell und vorsichtig – weil sie immer wieder von Infekten ausgebremst wurde. Was sie mit ihrer Zeit und Sorglosigkeit anfangen wird? „Es gibt keinen Plan. Ich werde genießen und mich umschauen.“

Eine goldene Krone zum Abschluss: Franziska Preuß (links) wird von
ihren Mannschaftskolleginnen im Ziel in den Ruhestand verabschiedet.
Eine goldene Krone zum Abschluss: Franziska Preuß (links) wird von ihren Mannschaftskolleginnen im Ziel in den Ruhestand verabschiedet.  Foto: Hendrik Schmidt

Eine Gruppe von etwa 15 Personen um Preuß’ langjährigen Partner Simon Schempp war Ziel mit dabei. „Sie hatte ja das große Ziel, die ihr noch fehlende olympische Einzelmedaille zu gewinnen“, sagte der ehemalige Biathlet und Staffel-Olympiasieger im Interview der ARD. „Sie hatte es in der eigenen Hand zuzugreifen. Sie hat alles erlebt in ihrer Karriere. Am Ende war es jetzt noch einmal eine Achterbahn.“

Immer wieder Rückschläge

Immer wieder diese Rückschläge. Wie zum Beispiel bei den deutschen Meisterschaften im September, als sie auf die Hand stürzte. Die Fallhöhe nach ihrer besten Saison im vergangenen Winter mit dem WM-Triumph in Lenzerheide in der Verfolgung und dem Gesamtweltcupsieg war besonders groß. Bei der Einkleidung kurz vor dem Winter sagte sie in Nürnberg: „Wenn es nicht so läuft – das Leben geht weiter und die Welt dreht sich weiter. Egal, was kommt, mich wirft jetzt als Franzi nichts aus der Bahn.“

Doch die Saison war ziemlich kompliziert, die Fehlschüsse von Antholz waren nochmals heftig. Deutschland beendet die Spiele mit lediglich einer Medaille, mit Bronze in der Mixed-Staffel. Die Franzosen beenden Olympia mit elf Mal Edelmetall, darunter sechs Goldmedaillen. Franziska Preuß und Dorothea Wierer beenden mit Olympia ihre Karriere. Es war der fast perfekte Abschluss.

Voigt auf Platz sieben

Beste Deutsche im letzten olympischen Biathlon-Wettkampf von Antholz war Vanessa Voigt, die bis zum letzten Schuss sogar von einer Medaille träumen durfte. Doch eine Strafrunde bedeutete im Massenstart Platz sieben für die Thüringerin. „Da war ich eine Sekunde gar nicht bei mir“, haderte die 28-Jährige. „Ich fahre mit einer Medaille und ein bisschen Blech nach Hause.“ In der Mixed-Staffel hatte es die einzige deutsche Medaille gegeben: Bronze. Janina Hettich-Walz belegte im Massenstart Platz 17.

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