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"Schmerzen beim Zähneputzen"

Nach Ellenbogen-OP: Krankenbesuch bei Handballprofi Sebastian Heymann in Horkheim

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Nur einen Tag nach seiner Ellenbogen-Operation erhält Handballprofi Sebastian Heymann eine Überraschung, die ihn motiviert, bis zum Start der neuen Saison wieder fit zu sein.

Mitbringsel als Motivationsschub: Am Mittag ist Sebastian Heymann aus der Klinik entlassen worden, am Nachmittag präsentiert er seine gravierte Trophäe des Unterländer Sportler des Jahres im elterlichen Garten in Horkheim.
Mitbringsel als Motivationsschub: Am Mittag ist Sebastian Heymann aus der Klinik entlassen worden, am Nachmittag präsentiert er seine gravierte Trophäe des Unterländer Sportler des Jahres im elterlichen Garten in Horkheim.  Foto: Stefanie Wahl

Um die Nase ist der Patient noch ein wenig blass. Die Spuren der Operation an seinem rechten Ellenbogen sind sichtbar. Mit dickem Edding sind dort Knochen angezeichnet, durch das transparente Pflaster sind die vier Fäden erkennbar, aber: „Ich kann den Arm schon fast weiter beugen als vorher“, sagt Sebastian Heymann nur einen Tag nach dem Eingriff in Markgröningen. 

Nach Ellenbogen-OP von Handball-Star Heymann: Mit Mama-Taxi nach Horkheim

Am Dienstagmittag hat seine Mama den Taxi-Dienst nach Horkheim übernommen: Sabine Heymann holt ihren Sohn aus der Klinik ab, wo der Handball-Nationalspieler am Montag in nur etwa 30 Minuten erfolgreich operiert worden ist. Bereits am Nachmittag empfängt der 27-Jährige im Haus seiner Eltern Krankenbesuch – und nimmt mit einem Lächeln die eigens für ihn gravierte Trophäe als Unterländer Sportler des Jahres in Empfang.

Vorzeitiges Saison-Aus für Sebastian Heymann von den Rhein-Neckar Löwen.
Vorzeitiges Saison-Aus für Sebastian Heymann von den Rhein-Neckar Löwen.  Foto: Jan Woitas

Ein Mitbringsel als Motivationsschub zur rechten Zeit. „Ich habe eine richtig beschissene Phase gehabt“, sagt Sebastian Heymann sympathisch ehrlich, „für den Kopf waren die vergangenen Monate schon hart. Aber jetzt habe ich Klarheit, Ruhe und hoffe, dass die Pechsträhne endlich mal abgeschlossen ist.“

Vom Führungsspieler zum Patienten

Der nächste verletzungsbedingte Rückschlag für den 27-Jährigen, der vor neun Monaten in Lille noch strahlend die olympische Silbermedaille um den Hals gehängt bekommen hat. Bis zum Jahresende hat das Rückraum-Ass nach seinem Wechsel zum Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen in seiner neuen Mannschaft auch gleich eine Führungsrolle eingenommen – bis ihn Mitte Dezember ein Knochenödem zu mehr als drei Monaten Pause mit Rehaphase gezwungen hat. 

Heymann: „Hatte Schmerzen beim Zähneputzen“

Als die Fußverletzung endlich überstanden und Sebastian Heymann ins Training zurückkehrt, ist die Vorfreude auf das Final Four riesig. In Deutschlands Handball-Tempel, der Kölner Lanxess-Arena, hätte der Wurfgewaltige gar zu gerne seine Pokal-Premiere gegeben. Wegen einer Blessur an der Bizepssehne aber steht er nicht auf der Platte, sondern ist erneut nur Beobachter – eine frustrierende Folge der Problematik freier Fremdkörper im Ellenbogen, die sukzessive gravierender geworden ist.

„Ich hatte Schmerzen beim Zähneputzen“, sagt Sebastian Heymann und beschreibt die Symptomatik sehr plastisch: „Das ist, als ob du Kieselsteine im Schuh hast.“ Der Arm ist so blockiert gewesen, dass eine Beugung von mehr als 100 Grad nicht mehr möglich gewesen ist. An ein vernünftiges Handballspiel ist so für einen Profi nicht zu denken.

Geduld ist gefragt

Ein MRT bringt Klarheit: Die Fremdkörper müssen raus. Schnellstmöglich. „Ich hätte gerne die Saison zu Ende gespielt“, sagt Sebastian Heymann, doch einmal mehr ist in seiner immer wieder von Verletzungen unterbrochenen Karriere Geduld gefragt. Sechs bis acht Wochen dauert der Heilungsprozess. Der Unterländer Sportler des Jahres aber macht sich im Moment keinen Stress – wissend, dass er nun Zeit zum Regenerieren hat. Um in der Saisonvorbereitung unter dem neuen Löwen-Trainer Maik Machulla wieder gesund zu sein.

Eine wichtige Stütze ist einmal mehr seine Familie mit Freundin Anna. Sie sind Heymanns Anker in schwierigen Zeiten. „Ich weiß auf wen ich bauen kann“, sagt der Rekonvalenzent, „um recht zügig wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen.“ Horkheim als Krankenstation auf Zeit, hier wird er einmal mehr gleichermaßen aufgefangen wie in Ruhe aufgepäppelt.

Genesungswünsche von Bundestrainer Alfred Gislason 

Mit Bundestrainer Alfred Gislason hat Sebastian Heymann telefoniert, als klar ist, dass es keine Alternative zu einer Operation gibt. Am Dienstagmittag sagt er auf Nachfrage der Heilbronner Stimme: „Basti hat sehr gute Olympische Spiele gespielt, aber danach ist er mehr oder weniger ständig verletzt gewesen. Das ist sehr traurig. Zuerst hatte er die Fußprobleme, nun der Ellenbogen. Das ist extrem schade. Hoffentlich verläuft die nächste Saison bei ihm besser und gesünder.“

Die Nationalmannschaft muss erstmal warten. Für den 27-jährigen Sebastian Heymann hat die Rekonvaleszenz in den nächsten Wochen Vorrang.
Die Nationalmannschaft muss erstmal warten. Für den 27-jährigen Sebastian Heymann hat die Rekonvaleszenz in den nächsten Wochen Vorrang.  Foto: Marijan Murat

Erstmal gesund werden

In der Nationalmannschaft geht der Verjüngungsprozess indessen unaufhaltsam weiter – selbst Julian Köster hat vor dem EM-Qualifikationsspiel in Zürich gegen die Schweiz beim Aufwärm-Fußballspielchen wie Juri Knorr bei den „Alten“ mitgekickt. Dabei ist das Duo erst 25 – und damit zwei Jahre jünger als Heymann. Die Jungen machen Druck. Der Horkheimer registriert dies, doch im Moment hat er andere Gedanken. Der entscheidende: gesund werden. 

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