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Schnee statt Regen bei der WM: Wenn ein Kilo am Fuß ein Klotz am Bein wird

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Langläuferin Katharina Hennig wird über zehn Kilometer WM-Siebte. Die deutschen Männer enttäuschen und Norwegen räumt weiter die Medaillen ab. 

„Ich bin sehr glücklich über das sehr gute Ergebnis vor solch einer Kulisse im Land des Langlaufs“: Katharina Hennig ist am Mittwoch schon wieder am Start.
„Ich bin sehr glücklich über das sehr gute Ergebnis vor solch einer Kulisse im Land des Langlaufs“: Katharina Hennig ist am Mittwoch schon wieder am Start.  Foto: Hendrik Schmidt

Ein Langlaufski mit Bindung wiegt ungefähr 950 Gramm. Das Leichtgewicht unter den Sportgeräten, zarte 4,5 Zentimeter breit und je nach Größe des Athleten um die 1,90 Meter lang, kann aber an manchen Tagen ein Klotz am Bein sein: Wenn dicker, pappiger Neuschnee fällt – so wie am Dienstag auf den weltmeisterlichen Loipen von Trondheim. Dann verpufft die Kraft im bremsenden, weichen Weiß. Dann werden die Beine und die Arme schwer. Dann kann ein Wettkampf bei einer Ski-WM zur Qual werden.

„Das ist total demotivierend, weil du das Gefühl hast, dass das, was du machst, nicht ankommt“, sagte Victoria Carl nach den zehn Kilometern in klassischer Technik und Platz 14. „Das wird dann auch für den Kopf hart.“ Es war ein harter Tag für die deutschen Langläufer. Doch eine strahlte, obwohl sie die erhoffte Medaille verpasst hatte: Katharina Hennig.

„Ich bin sehr glücklich über das sehr gute Ergebnis vor solch einer Kulisse im Land des Langlaufs – nach meinem hier und da holprigen Saisonverlauf aufgrund gesundheitlicher Ausfälle“, sagte die 28-Jährige weit weg von den TV-Kameras mit einem Scheinwerferlächeln. Es waren 30:49,7 Minuten harte Arbeit für die der Liebe wegen in Oberstdorf lebenden Sächsin. Es war Rang sieben, 18 Sekunden hinter Bronze.

Moch hatte das Gefühl, sich auf der Loipe einzugraben

Am Material lag es nicht. „Bei so extrem schweren Bedingungen ist auch Glück dabei, ob es passt, oder nicht. Bei uns Mädels hat es auf jeden Fall gepasst“, erklärte Katharina Hennig, die im April heiraten will. Pia Fink wurde Elfte, Katherine Sauerbrey kam auf Platz 16. Bei den Männern waren die sogenannten Nowax-Ski, die ohne Wachs auskommen, nicht so perfekt präpariert – ebenso die Athleten. „Ich bin nicht klargekommen. Ich hatte fast das Gefühl, ich habe mich eingegraben“, sagte Friedrich Moch, der beste Deutsche auf Rang 25. Bundestrainer Peter Schlickenrieder stellte klar: „Das hat nicht viel mit schönem und leichtem Laufen zu tun. Das ist ein reiner Kampf.“

„Für die Techniker sind null Grad und Schneefall das Worst-Case-Szenario, da kann einfach alles passieren. Da kann man den besten Tag seines Lebens haben und bleibt ohne Chance“, sagte Katharina Hennig. „Wir hatten konkurrenzfähiges Material und können deshalb zuversichtlich auf die nächsten Tage blicken, falls es noch einmal schneien sollte.“ Die nächsten Tage werden knackig: Schon um 11 Uhr (ARD und Eurosport) geht es für die begeisterte Skitourengeherin mit dem Teamsprint in der klassischen Technik weiter, die Finals gehen um 14.30 Uhr über die Loipe.

Die Olympiasiegerin in dieser Disziplin startet mit Laura Gimmler, bei den Männern probieren Elias Keck (21) und Jan Sölben (23) ihr Glück. Den deutschen Frauen ist eine Überraschung zuzutrauen. Wobei Gold und Silber für die Asse aus Norwegen und Schweden reserviert sind. Die schwebten auf dem tiefen Untergrund zu weiteren Medaillen, so wie das Superstars einfach machen: Bei den Männern gab es wie im Skiathlon einen norwegischen Dreifacherfolg von Johannes Høsflot Klæbo, Erik Valnes und Harald Østberg Amundsen. Bei den Frauen gewann wie im Skiathlon die Schwedin Ebba Andersson vor der Norwegerin Therese Johaug (diesmal nicht zeitgleich, sondern 1,3 Sekunden voraus); Dritte wurde die Schwedin Frida Karlsson.

Die 14-malige Weltmeisterin Theres Johaug übt Kritik 

Selbst Therese Johaug kam auf der welligen Spur im Zielbereich kaum voran. Die geschlagene 14-malige Weltmeisterin kritisierte: „Es ist nicht verwunderlich, dass es eine Debatte gibt, wenn es so schlimm ist.“ Für Pia Fink war der Fall klar: „Das war einfach schlecht präpariert. Die Spur ganz rechts war alles andere als gerade, das war mehr ein Slalom.“

Der in Trondheim bei drei Starts mit drei Mal Gold dekorierte Johannes Høsflot Klæbo schaute nicht zurück, nur nach vorne: „Ich werde das nicht zu lange genießen, denn ich habe drei Rennen in drei Tagen.“ Am Mittwoch startet der 28-Jährige im Teamsprint, am Donnerstag steht für die Männer die Staffel an. Ob er nach dem 50-Kilometer-Lauf am Samstag sechsfacher Goldmedaillengewinner ist? „Das habe ich nicht in meinem Kopf. Ich versuche, es Tag für Tag zu nehmen.“

Der Wetterbericht sagt für den Mittwoch ähnliche Bedingungen voraus wie am Dienstag. Am Donnerstag soll es etwas trockener sein, bei satten Plusgraden. Sicher ist: Johannes Høsflot Klæbo wird wieder über den Schnee schweben – zwei Mal 950 Gramm hin oder her.

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