Rivalen des Eiskanals: Johannes Lochner im letzten Showdown gegen Francesco Friedrich

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Zur Halbzeit des olympischen Zweierbob-Wettbwerbs in Cortina sind die Rollen vertauscht: Der Bayer (Lochner) liegt vor dem Sachsen (Friedrich). Doch ein Griff in die Material-Trickkiste hilft in diesem Sport häufig. 

Führen zur Halbzeit des Zweier-Wettbewerbs: Pilot Johannes Lochner (rechts) und sein Anschieber Georg Fleischhauer.
Führen zur Halbzeit des Zweier-Wettbewerbs: Pilot Johannes Lochner (rechts) und sein Anschieber Georg Fleischhauer.  Foto: Robert Michael

Der Playboy schmückt seine Ausgabe während Olympischer Spiele gerne mit Sportlerinnen. Für die sportlichen Herren der Schöpfung gibt es da weniger Möglichkeiten. Umso bemerkenswerter, dass es Johannes Lochner und Francesco Friedrich während der Spiele in Mailand Cortina 2026 in ein Magazin geschafft haben: die neue Ausgabe der alle zwei Wochen erscheinenden Micky Maus. Hansi und Franz, so lauten die Spitznamen der besten Bob-Piloten der Welt, retten im am Freitag erschienenen Winterolympia Spezial in der Geschichte „Rivalen der Bobbahn“ Donald Duck.

Friedrich rätselt: „Hansi muss im Set-up etwas gefunden haben, was wahnsinnig gut läuft“

Wären Johannes Lochner und Francesco Friedrich Neffen des Erpels aus Entenhausen, Franz wäre Trick und Hansi wäre Track. „Hansi muss im Set-up etwas gefunden haben, was wahnsinnig gut läuft“, sagte Francesco Friedrich zur Halbzeit des olympischen Wettbewerbs im Zweierbob. Beim 35-Jährigen aus Pirna war es vor allem im ersten Durchgang vertrackt gelaufen. Aus deutscher Sicht erfreulich: Die deutschen Besatzungen liegen auf den ersten drei Plätzen; am Dienstagabend (19 Uhr) geht es weiter.

Francesco Friedrich wundert sich, was sein größter Konkurrenz in der Abstimmung seines Schlittens gefunden hat.
Francesco Friedrich wundert sich, was sein größter Konkurrenz in der Abstimmung seines Schlittens gefunden hat.  Foto: Robert Michael

Erster Akt im finalen Showdown bei Olympia

Johannes Lochner und Georg Fleischhauer führen (1:49.90 Minuten) überraschend komfortabel vor Francesco Friedrich und Alexander Schüller (0,80 Sekunden zurück) sowie Adam Ammour und Alexander Schaller (+1,24). Hat Johannes Lochner einen Trick gefunden? „Das soll Franz ruhig glauben“, sagte Johannes Lochner und grinste verschmitzt im ersten Akt des finalen olympischen Showdowns – der 35-Jährige beendet nach diesem Winter seine Karriere. Klar ist: Das ewig junge und bisher zumindest bei Großereignissen einseitige Duell der Rivalen des Eiskanals fällt diesmal aus. Zumindest im Zweier.

Das olympische Double wie in Pyeongchang und Peking wird wohl nichts werden

Francesco Friedrich streckt natürlich noch nicht die Waffen: „Es ist erst nach vier Läufen zu Ende. Die Bahn hat es in sich, wie man gesehen hat.“ Adam Ammour patzte im zweiten Lauf schwer, gab Platz zwei an Friedrich ab, der sagte: „Ihn hat es oben total zerpflückt, dann kriegst du eine halbe Sekunde.“ Aber der 35-Jährige weiß, dass es mit dem angestrebten Hattrick des olympischen Doubles, in Pyeongchang 2018 und Peking 2022 gewann er je im Zweier und im Vierer, nichts mehr werden kann. „Wir können am Material noch irgendwas machen, aber das wird jetzt keine acht Zehntel ausmachen.“ Das ist keine Welt im Bobsport, das sind zwei Welten.

Adam Ammour hat sich im zweiten Lauf einen schweren Patzer geleistet. "Ihn hat es oben total zerpflückt", sagte Francesco Friedrich.
Adam Ammour hat sich im zweiten Lauf einen schweren Patzer geleistet. "Ihn hat es oben total zerpflückt", sagte Francesco Friedrich.  Foto: Robert Michael

Lochner mit Start- und Bahnrekord in Cortina

Johannes Lochner, in Peking jeweils Zweiter, war selbst verdattert: „Der erste Lauf ist mir brutal gut von der Hand gegangen. Ich konnte es selber fast nicht glauben, als ich die Zeiten gesehen habe.“ Startrekord und Bahnrekord. „Das kommt nicht von ungefähr“, merkte Anschieber Georg Fleischhauer, früher 400-Meter-Hürdenmann, an. Auch für Adam Ammour sieht das nicht nach einem Griff in die Trick-Kiste aus: „Hansi hat das Gefühl an den Seilen wie kein anderer. Sie sind am Start top, einfach eine Superkombination. Und sie sind im Flow.“ Und der Pilot profitiert zugleich von der Besonderheit der Bahn.

Das komplette Gegenteil von Altenberg

Der Kanal im Cortina Sliding Centre Eugenio Monti sei das komplette Gegenteil von Altenberg, erklärte Johannes Lochner, mit je einem WM-Titel im Zweier und Vierer sowie 43 Weltcupsiegen dekoriert. „Dort gibt es nur eine Linie. Wenn du die fährst, bist du schnell. Wenn nicht, liegst du auf der Seite. Auf der Bahn hier hast du viele Optionen.“ Er mache seine minimalen Lenkbewegungen an genau der richtigen Stelle. „Franz hat da mehr zu kämpfen, muss mehr lenken.“ Und jede Bewegung, jedes gewollte oder ungewollte Querstellen der Kufen kostet Zeit.

Georg Fleischhauer (hinten) ist Leichtathlet gewesen - mit Spezialdisziplin 400 Meter Hürden. Derzeit ist er Anschieber.
Georg Fleischhauer (hinten) ist Leichtathlet gewesen - mit Spezialdisziplin 400 Meter Hürden. Derzeit ist er Anschieber.  Foto: Robert Michael

Wechselspielchen und Abwerbeversuche bei den Anschiebern

Beim Vierer, krönender Abschluss im Eiskanal am Samstag und Sonntag, liegt der Fall etwas anders. „Da ist eine viel größere Masse im Schlitten, da machen besonders polierte Kufen nicht so viel aus“, sagte Francesco Friedrich, der es auf 16 WM-Titel und 89 Weltcupsiege bringt. „Da werden die Karten neu gemischt.“ Es bleibt also weiterhin spannend. Spannungen gab es immer wieder zwischen den beiden Ich-AGs. Im Sommer 2024 bemühte sich Friedrich um Lochners Anschieber Georg Fleischhauer (37). Vergebens. „Ich habe mich gefreut, dass Franz nicht bekommen hat, was er sich gewünscht hat“, sagte Lochner damals. Mittlerweile sitzt Thorsten Margis, einst kongenialer Partner von Friedrich bei Lochner im Vierer.

Bundestrainer Spieß: „Das hat die Freundschaft der beiden schon getrübt“

Diese Vorfälle hätten die Freundschaft der beiden schon getrübt, sagte Bundestrainer René Spieß kürzlich dem „Kicker“. „Hansi und Franz mögen sich aber eigentlich.“ Sie kumpelten sich am Montagmittag zur Halbzeit im Zweier gegenseitig auf die Schultern. Als wären sie Brüder wie Trick und Track.

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