Paralympische Regeln gelten für alle
Das Team der Ukraine beklagt bei den Winter-Paralympics in Italien Repressalien durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) und das Organisationskomitee. Der Vorwurf: Das IPS stehe offen auf Seite der Russen. Die Lage aber ist komplizierter.

Sportpolitik ist seit jeher eine heikle Angelegenheit - mit vielen Fettnäpfchen und reichlich persönlichen Animositäten. Das gilt ganz besonders in Kriegszeiten. Das Aufregerthema schon vor den paralympischen Winterspielen in Italien ist gewesen, dass sechs russische und vier belarussische Athleten mit dabei sind. Die Athleten starten jedoch nicht wie bei Olympia kurz zuvor unter neutraler Flagge, sondern mit Nationalfahne, Hymne und allem, was dazu gehört. Ein Grund, warum auch das deutsche Team auf die Eröffnungsfeier in Verona verzichtet hat.
Auch das deutsche Team hat auf die Eröffnungsfeier verzichtet
Nun beklagt das ukrainische Paralympische Komitees, Repressalien durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sowie das Organisationskomitee, spricht in einem Statement gar von „systematischem Druck“. Die Ukrainer machen dies in einem offenen Brief an vier Beispielen fest, eines davon: Biathletin Oleksandra Kononowa hat nach ihrem Sieg im Sprint bei der Siegerehrung ihre Ohrringe in den Landesfarben Gelb und Blau samt der Aufschrift „Stop War“ abnehmen müssen. Fakt ist: Politische Statements dieser Art verstoßen gegen die Regeln der Spiele und sind nicht erlaubt. Entsprechend hat das IPC richtig gehandelt - und die Athletin hat der Abnahme übrigens auch zugestimmt..
Politische Statements bei der Siegerehrung sind nicht erlaubt
Das wirkliche Problem liegt jedoch erstens viel tiefer und zweitens bereits im Vorfeld der Paralympics. Denn erstmals seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor vier Jahren treten Sportler aus Russland und Belarus erstmals wieder unter nationalen Symbolen bei einer Großveranstaltung gegeneinander an. Es ist klar gewesen, dass das nicht reibungslos funktioniert, entsprechend heftig ist die Kritik an dieser Entscheidung bereits im Vorfeld gewesen. Eine bessere Lösung wäre gewesen, Russen und Belarussen unter Auflagen als neutrale Athleten starten zu lassen - wie bei den Olympischen Spielen.
IPC-Regeln müssen dringend überdacht werden
Doch der Internationale Sportgerichtshof Cas hat so geurteilt - und das IPC, ob nun Russland-freundlich oder nicht, hat letztlich keine andere Wahl gehabt. Im Kern sind es also die Statuten des IPC, die anders als jene des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sind - und daher dringend überdacht werden müssen. Die Leidtragenden sind bedauerlicherweise einmal mehr die Athleten.

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