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Skispringen Frauen
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Olympischer-Auftakt auf einem umstrittenen Trampolino

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Der deutsche Skisprung-Frauentrainer Heinz Kuttin hält die olympischen Schanzen von Predazzo für verplant. Seinen Männer-Kollege Stefan Horngacher hingegen stört etwas ganz Anderes. Am Samstag startet der Wettbewerb von der Normalschanze.

Nach schweren Stürzen ist die Normalschanze von Predazzo im Herbst nochmals umgebaut worden. Das Ergebnis gefällt nciht jedem.
Nach schweren Stürzen ist die Normalschanze von Predazzo im Herbst nochmals umgebaut worden. Das Ergebnis gefällt nciht jedem.  Foto: Evgeniy Maloletka

Man muss sich keine Sorgen um Katharina Schmid machen. Dass die Skispringerin am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier im Stadion von Predazzo mit Emotionen und Stolz den weiblichen Part mit der Deutschlandfahne übernahm, wird ihre sportliche Leistung im Springen von der Normalschanze an diesem Samstag (18.45 Uhr/ARD und Eurosport) nicht beeinträchtigen. „Wir haben sonst auch immer am ersten Tag die erste Medaillenentscheidung. Ich finde es cool, dass wir gleich starten können“, sagt Katharina Schmid, die schon so viel gewonnen, sieben goldene WM-Medaillen zu Hause hat. Der Olympiasieg fehlt ihr noch. Silber hat sie schon aus Pyeongchang 2018 und Peking 2022 mitgebracht. Von der Normalschanze.

Drei Kreuzbandrisse sorgen für großen Diskussionsbedarf

Vor allem die kleine der beiden für die Spiele umgebauten Schanzen von Predazzo ist umstritten. Trampolino heißen Sprungschanzen auf Italienisch, auch Trampolino per il salto. Das Trampolino kostete beim Test, dem Sommer-Grand-Prix im September, gleich zwei Athletinnen die Olympia-Teilnahme: Die Österreicherin Eva Pinkelnig und die Kandierin Alexandria Loutitt machten einen ungewollten Salto, ebenso die Kombiniererin Haruka Kasai aus Japan – Kreuzbandriss, alle drei.

Kuttin schimpft: „Die Parabel stimmt nicht“

„Die Schanzen sind leider verplant worden. Die Parabel stimmt nicht“, schimpft Bundestrainer Heinz Kuttin. „Es ist traurig, dass es wieder passiert ist. Das Szenario vom Sommer hat uns sehr, sehr wehgetan. Ich hoffe, dass es jetzt halbwegs gut über die Bühne geht.“ Kollege Stefan Horngacher, Cheftrainer der Männer, sieht das anders. Er beschreibt das Flugbild wie eine „gestauchte Skiflugparabel, wobei man unten runterklatscht“. Das gehe jetzt besser, weil man bei beiden Schanzen den Tisch umgebaut, etwas abgesenkt, habe. Was Stefan Horngacher viel mehr stört: Seine Männer haben ihre erste Entscheidung am Montag. „Dubios“, nennt der Bundestrainer das. Sportdirektor Horst Hüttel findet es „komisch“. Ja, Andreas Wellinger und Co. sind wie gewohnt in der Primetime am Start. Aber eben nicht am Wochenende. „Ich sehe den Wettkampfkalender kritisch“, schließt Horst Hüttel.

Mit dem Mixed gibt es eine dritte Medaillenchance

Sie gilt es zu schlagen: die Slowenin Nika Prevc. Wenn sie oder die Japanerin Nozomi Maruyama Fehler machen, wollen die deutschen Springerinnen da sein.
Sie gilt es zu schlagen: die Slowenin Nika Prevc. Wenn sie oder die Japanerin Nozomi Maruyama Fehler machen, wollen die deutschen Springerinnen da sein.  Foto: Matthias Schrader

Doch, natürlich freut sich auch der Funktionär, dass die Frauen zwölf Jahre nach ihrer olympischen Premiere in Sotschi mit dem legendären Triumph von Carina Vogt erstmals eine olympische Entscheidung von der Großschanze und somit neben dem Einzel von der Normalschanze und dem Mixed eine dritte Medaillenchance haben. Große Goldfavoritin ist jeweils Nika Prevc; die Slowenin ist Weltrekordlerin (236 Meter), Doppel-Weltmeisterin und Führende im Gesamtweltcup (insgesamt 35 Weltcup-Siege trotz ihrer erst 20 Jahre). „Sie ist klein und leicht, hat somit einen Vorteil“, sagt Heinz Kuttin. der auch die Japanerin Nozomi Maruyama als kaum schlagbar sieht – „wenn beide keine Fehler machen. Wenn sie Fehler machen, wollen wir da sein.“

Katharina Schmid darf bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne in Predazzo tragen. Sportlich hat es in den ersten olympischen Trainingseinheiten bisher noch nicht so geklappt.
Katharina Schmid darf bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne in Predazzo tragen. Sportlich hat es in den ersten olympischen Trainingseinheiten bisher noch nicht so geklappt.  Foto: Urs Flueeler

Gemischte Gefühle bei Fahnenträgerin Katharina Schmid

Der Bundestrainer sieht seine Frauen „sehr gut aufgestellt“, vor allem Selina Freitag als Vierte im Gesamtweltcup. Aber auch Agnes Reisch und Katharina Schmid. Die tat sich in den ersten Trainings am Donnerstag noch am schwersten. Die 29-Jährige, die bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen wird, bleibt gelassen. Es sind ihre letzten Olympischen Spiele. „Es werden für mich Mixed Emotions“, weiß sie schon jetzt. Aber: „Die Emotionen werden mir nicht im Weg stehen. Es ist meine Stärke, sie zu zeigen, ob ich losheule oder nicht.“ Man muss sich keine Sorgen um Katharina Schmid machen.

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