Olympische Hoffnungen liegen im schwarz-rot-goldenen Eiskanal
Die Dominanz der deutschen Rodler, Bobpiloten und Skeletoni ist bei Olympischen Winterspielen erdrückend. Bleibt das auch im neu erbauten Eiskanal von Cortina so - und welche Rolle spielt Georg Hackl?

Wäre Gary Lineker Wintersportler, sein berühmtes Zitat über den deutschen Fußball lautete vielleicht so: „Bob-, Rodel- und Skeletonsport ist einfach: Frauen und Männer jagen in oder auf einem Schlitten einen Eiskanal hinunter, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“ Wahr ist, dass bei den bisherigen 24 Olympischen Winterspielen deutsche Asse in diesen Sparten von möglichen 349 Medaillen 144 eingesammelt haben, wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ausgerechnet hat. Beispiel zuletzt 2022 in Peking: Bob-Rodeln-Skeleton räumten für Schwarz-Rot-Gold neun von zehn möglichen Goldmedaillen ab. Wird das nagelneue Sliding Centre Eugenio Monti die alte Geschichte weiterschreiben, wird es zum goldenen Eiskanal? In Cortina, der goldenen Schneemeile Italiens?
Auf Loch und Langenhan sind im Einer Verlass
Wenn an diesem Samstag (7. Februar) und Sonntag (8. Februar, jeweils 17 Uhr/ARD/ZDF und Eurosport) die Rodel-Männer mit ihrer Entscheidung im Einer loslegen, schauen alle auf den dreimaligen Olympiasieger Felix Loch (36) und Kronprinz Max Langenhan (26), Weltmeister und Gesamtweltcupsieger der vergangenen beiden Winter. Es ist aber der dritte Mann, der den Druck und die Erwartungshaltung am besten beurteilen kann.Timon Grancagnolo (22) ist erstmals bei Olympia am Start und sagt: „Druck spüre ich nicht. Ich vertraue da voll und ganz Max und Felix, die mir auch helfen. So ehrlich muss man sein: Die beiden sind in Topform besser als ich. Mein Ziel ist, dass ich die beiden da vorne ärgere.“ Die Silberrücken unterstützen ihn mit ihrem Wissen, mit ihrer Gelassenheit, sagt Timon Grancagnolo. „Da wird sich untereinander geholfen, maximal unterstützt.“ Für Deutschland.
Deutsche Rodel-Debatte, nachdem Hackl nach Österreich wechselt
Das Erbe und die Geheimnisse in diesen hochtechnologisierten Kufensportarten werden von Generation zu Generation weitergetragen. Beispiel Felix Loch: „Der Hackl Schorsch hat mich ganz, ganz entscheidend unterstützt, gerade am Anfang“, sagt der Fahnenträger der Schlussfeier von Sotschi und macht im Zielhaus mit seinem Handschuh eine Bewegung weit nach unten, um zu zeigen, wie klein er damals noch war.Georg Hackl, heute 59, war bei sechs Olympischen Spielen am Start, holte 1992, 1994 und 1998 Gold, war anschließend Techniktrainer der deutschen Rennrodler. Nach diesem Winter beendet er seine Trainertätigkeit – seit 1. Mai 2022 gibt er sein Wissen in Österreich weiter. Was in einem Teil der Rodelwelt Freude auslöste, weil so die Dominanz von Team D etwas gebrochen werden konnte. Österreicher holten WM-Gold und beispielsweise einen Vierfachsieg im Weltcup. Der schwarz-rot-goldene Teil war geschockt, debattierte emotional.

Anderl Ostlers flotter Vierer hat 472,5 Kilo gewogen
Eine ähnliche Kerbe schlug eine selbstverursachte Regeländerung im Bobsport. Die Siege von Anderl Ostler im Zweier und Vierer bei den Spielen 1952 in Oslo gingen schwer in Ordnung: Deutschland hatte jeweils die gewichtigste Besatzung am Start. Der extrem flotte Vierer brachte 472,5 Kilogramm auf die Waage, war somit 32,5 Kilogramm schwerer als die Konkurrenz aus den USA auf Platz zwei, die satte drei Sekunden Rückstand hatte. Bei Olympia in Cortina 1956 gab es erstmals ein Höchstgewicht. Italien mit dem legendäre Eugenio Monti aus Toblach holte drei Medaillen, Deutschland ging leer aus.
In Rekordzeit für 124,8 Millionen Euro den Eiskanal erbaut
Die Schürfrechte im für 124,8 Millionen Euro in Rekordzeit gebauten Eiskanal von Cortina liegen diesmal eindeutig bei den Deutschen – oder doch bei den Gastgebern? Wie schwer wiegt der Heimvorteil? „Ich werde am Samstag mit 25 bis 30 Läufen auf der Bahn starten“, sagt Felix Loch. „Die Italiener hingegen dürften 150 bis 200 Fahrten haben.“ Doch das Kraftpaket ist gelassen: „Ich weiß, was ich zu tun habe.“ Liefern.Erst sind die Rodler dran, anschließend die Skeletonis und zum Abschluss die Kolleginnen und Kollegen im Bob. Vielleicht schaut sogar Ex-Fußballer Gary Lineker zu.

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