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Olympia und Biathlon-Star Franziska Preuß - das ist noch keine Liebesbeziehung

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Spätestens im März beendet Weltmeisterin Franziska Preuß ihre Karriere. Vielleicht macht die 31-Jährige aber auch schon nach den Winterspielen in Antholz Schluss. Hat das etwas mit einem lang gehegten Wunsch der Frau aus Bayern zu tun?

Eine Corona-Infektion hat Franziska Preuß Ende des vergangenen Jahres zurückgeworfen. Seitdem kommt sie nicht mehr so leicht „in diesen Flow“, sagt sie.
Eine Corona-Infektion hat Franziska Preuß Ende des vergangenen Jahres zurückgeworfen. Seitdem kommt sie nicht mehr so leicht „in diesen Flow“, sagt sie.  Foto: Sven Hoppe

Die letzte Phase ist zäh. Wenn alle Welt scheinbar nur noch ein Thema kennt. Olympia. „Es wird schon sehr viel drüber gesprochen“, sagt Franziska Preuß, „deswegen bin ich jetzt froh, wenn es mal losgeht.“ Längst kennt die Frau, die mit ihrem Lebenspartner Simon Schempp in Ruhpolding wohnt, diese Automatismen. Sind die Spiele erst eröffnet, tun sich fix irgendwo neue Geschichten und Figuren auf. Dann bieten sich auch Franziska Preuß wieder mehr Gelegenheiten, sich in den Routinen ihres Sports ein wenig zu verstecken. Umzuschalten in den Wettkampfmodus bietet ihr zumindest etwas Schutz vor immer gleichen Fragen.

Franziska Preuß hört auf ihr Bauchgefühl

Gerade jetzt, wo sie öffentlich erklärt hat, dass sie Schluss machen wird. Am Sonntag (8. Februar, 14.05 Uhr/ZDF) starten die Biathleten mit der Mixed-Staffel in Antholz ihr Programm – und Franziska Preuß in ihre letzten (olympischen) Rennen. Noch, sagt sie, wisse sie selbst nicht ganz genau, wie lange sie noch läuft und schießt. Bis zum Ende der Spiele? Oder doch noch das letzte Trimester im Weltcup? „Ich höre einfach auf mein Bauchgefühl – unabhängig, ob ich eine Medaille gewinne oder nicht“, sagt die Letzte noch Verbliebene aus der goldenen Generation um die verstorbene Laura Dahlmeier.

Bei der WM in Lenzerheide vor knapp einem Jahr hat Franziska Preuß eine besondere Gelassenheit und Lockerheit gespürt. Dieses Gefühl sucht sie derzeit.
Bei der WM in Lenzerheide vor knapp einem Jahr hat Franziska Preuß eine besondere Gelassenheit und Lockerheit gespürt. Dieses Gefühl sucht sie derzeit.  Foto: Martin Schutt

Der olympische Wunsch: eine Einzelmedaille

„Zu dem Ganzen gehört einfach 110 Prozent Einsatz dazu“, erklärt Franziska Preuß. Daher ist es für sie so elementar, ihren Gefühlen nun den nötigen Raum zu geben. Im Frühling, nach all den Ehrungen, Empfängen und Elogen, die der WM-Titel in Lenzerheide und der Gewinn des Gesamtweltcups mit sich gebracht haben, ist ihr Wunsch nach dieser noch fehlenden olympischen Einzelmedaille die Motivation gewesen, sich nochmal einen Sommer und Herbst zu schinden „und jeden Tag Vollgas zu trainieren“. Doch was nützen alle Trainingskilometer, Krafteinheiten, und Schussübungen, wenn „am Tag X alles gut funktionieren muss, damit man überhaupt die Chance hat, aufs Podium zu kommen“, sagt Preuß. Sie lässt es auf sich zukommen.

Mit Tränen in den Augen am Schießstand

Denn Olympische Spiele und Frau Preuß sind noch keine Liebesbeziehung auf Lebenszeit. Die Premiere 2014 in Sotschi, ein Negativerlebnis, das prägt. Als Startläuferin in der Staffel stürzt Franziska Preuß nach 600 Metern, rappelt sich auf, läuft weiter – um am Schießstand erstmal ihre Waffe samt verzogenem Schießtunnel vom Schnee zu befreien. Unter Tränen zielt sie auf die Scheiben. Alles an jenem schicksalhaften Tag, an dem sie diesen fiesen Druck spürt, weil die Meldung von der positiven A-Probe ihrer Teamkollegin Evi Sachenbacher-Stehle die Runde macht. Zu viel für eine 19-jährige Olympia-Novizin.

Kuriose Szene in Pyeongchang mit weitreichenden Folgen

Vier Jahre später in Pyeongchang die nächste Grenzerfahrung – physisch wie psychisch. Bei Schneefall, Eiseskälte und Wind trifft sie als Startläuferin liegend alle Scheiben und lädt dennoch nach, weil sie von einem Randtreffer ausgeht. Eine kuriose Szene, die sie verunsichert – und stehend zu vier Fehlern führt. Nach einem Winter, der von Krankheiten geprägt ist. Wieder mal. Wie so häufig davor. Und danach. 2022 in Peking weint Franziska Preuß erneut. Diesmal im Ziel. Vor Freude. Nach Bronze mit der Staffel.

Ihre bisher einzige olympische Medaille hat Franziska Preuß (Zweite von links) 2022 in Peking mit Vanessa Hinz, Denise Herrmann und Vanessa Voigt gewonnen.
Ihre bisher einzige olympische Medaille hat Franziska Preuß (Zweite von links) 2022 in Peking mit Vanessa Hinz, Denise Herrmann und Vanessa Voigt gewonnen.  Foto: Hendrik Schmidt

Immer wieder kommen nervige Infekte dazwischen

Gesundheitliche Rückschläge sind eine Konstante im Biathlonleben der Franziska Preuß. Auch jetzt, mit 31, ziehen ihr Schulterprobleme, eine Handoperation „irgendwie schon Energie“. Klar, sie rafft sich auf, immer wieder – und doch verliert sie dabei Entscheidendes: ihre Gelassenheit. Jene Lockerheit, die Preuß in der vergangenen Saison ausgezeichnet und zur Siegerin in Serie gemacht hat. „Dann war die Infektion im Dezember, da bin ich wieder zurückgeworfen worden“, sagt sie. „Seitdem tue ich mich nicht mehr so leicht in diesen Flow zu kommen.“ Inzwischen kennt jeder die Erklärung für die schwierige Phase. Corona. Doch dann zwängt sich das unverwüstliche Naturell der Franziska Preuß durch die Membran aus Zweifel und Unsicherheit, und die Kämpferin sagt: „Aber ich gebe nicht auf.“ Schon gar nicht jetzt, wo Olympia beginnt.

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