Stimme+
Bob
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Olympia-Strahlemann Hansi Lochner führt den (Team-)D-Zug an

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Dank der Anschubhilfe des ehemaligen 400-Meter-Hürdenläufers Georg Fleischhauer wird der 35-Jährige zum Gold-Hansi. Der Wettbewerb im Vierer am Samstag und Sonntag ist zugleich der letzte Tanz - und die allerletzte Möglichkeit vor dem Karriereende seinen Dauerrivalen bei einem Großereignis zu besiegen. 

Feiern ausgelassen an der Bobbahn von Cortina: Pilot Johannes Lochner (links) und sein Anschieber Georg Fleischhauer.
Feiern ausgelassen an der Bobbahn von Cortina: Pilot Johannes Lochner (links) und sein Anschieber Georg Fleischhauer.  Foto: Robert Michael

Manchmal sind es nicht die Gipfel, die einen bewegen, sondern die Wege dorthin. Als es Johannes Lochner endlich auf seinen persönlichen Olymp geschafft hatte, stieß der 35-Jährige aus Berchtesgaden, der für den Bob-Club Stuttgart Solitude startet, Laute aus, für die es keine Buchstaben gibt. Immer wieder wurden im Zielhaus des Cortina Sliding Centre Eugenio Monti Wegbegleiter in einen Jubelschwitzkasten genommen, beklopft, angebrüllt: Olympiasieger! Endlich!

Viele Wegbegleiter mit besonderen T-Shirts im Jubelschwitzkasten

Es war in vielerlei Hinsicht ein besonderer Dienstagabend, es war ein (Team-)D-Zug zur Siegerehrung im Zweierbob: Sechs Männer mit gelbem D auf grauem Anorakrücken holten sich Gold, Silber und Bronze ab. Georg Fleischhauer, 1,95 Meter groß, 100 Kilogramm schwer, Wirtschaftsingenieur und Anschieber von Johannes Lochner wischte sich ein paar Tränen weg. Sein Chauffeur war cool. Obwohl er doch zwei Tage lang immer diese Stimme im Kopf hatte, die zu ihm sagte: „Olympia ist nur alle vier Jahre! Es ist das letzte Mal!“

Die letzten Fahrten für den Hansi aus Berchtesgaden

Johannes Lochner, den alle Hansi rufen, hört nach dieser Saison auf. Der Vierer am Samstag und Sonntag, wenn es ein sportliches Wiedersehen mit Silber-Pilot Francesco „Franz“ Friedrich und dem bei seiner olympischen Premiere mit Bronze ausgezeichneten Adam Ammour gibt, ist sein letztes Rennen. „The last dance“ stand auf T-Shirts, die seine Frau Hannah hatte drucken lassen. The last Chance: „Cortina ist meine letzte Chance, Franz bei einem Großereignis zu schlagen“, hatte Hansi Lochner vor der Eröffnungsfeier gesagt. Olympische Siegerehrungen kannte er schon. Aus Peking 2022. Mit deutscher Nationalhymne. Aber nicht für ihn. Er war zweimal Zweiter, jeweils hinter Francesco Friedrich.

Silber, Gold und Bronze für Team D (von links): Adam Ammour, Alexander Schaller, Georg Fleischhauer und Hansi Lochner, Alexander Schaller und Francesco Friedrich.
Silber, Gold und Bronze für Team D (von links): Adam Ammour, Alexander Schaller, Georg Fleischhauer und Hansi Lochner, Alexander Schaller und Francesco Friedrich.  Foto: Robert Michael

Die deutsche Hymne - für den Bayern, nicht für den Sachsen

„Es fühlt sich nicht so schlecht an“, sagte Hansi Lochner nun mit Blick auf die Medaille in seinen Händen. „Ich brauche noch“, um das Gewicht dieses Goldstücks zu begreifen. Er war so oft Zweiter bei Großereignissen, Zweiter hinter dem gleichalten Dauerrivalen Francesco. Friedrich wollte in Cortina das dritte olympische Gold-Double in Folge holen und sagte mit verhaltener Freude, aber sichtbarem Genuss: „Ach, wir sind zufrieden. Silber sieht verdammt cool aus. Hansi hat verdient gewonnen. Wir müssen das neidlos anerkennen.“ Der 24-jährige Adam Ammour sagte zum deklassierenden Sieg mit 1,34 Sekunden Vorsprung: „Hansi macht’s einfach perfekt. Er ist eine große Inspiration für uns.“ 

Lochner, die Inspiration für die nächste Generation

Dabei hatte Hansi Lochner, Neffe von Rudi Lochner – Olympia-Zweiter 1992 in Albertville – harte Lehrjahre, wie er in Cortina sagte. 2011 ging es für den Burschen aus Berchtesgaden im Bob los, seit der Saison 2014/15 sitzt er an den Lenkseilen. Das Talent galt als Chaot. „Er ist es noch immer“, sagt der 37-jährige Georg Fleischhauer. Hansi Lochner nickt und sagte: „Ich bin für keinen Scheiß nicht zu haben.“ Sein Problem war der Start. „Die Athletik hat nicht gepasst. Die Startzeiten waren nicht da, um Franz zu schlagen.“

Inzwischen zählen Johannes Lochner und Georg Fleischhauer zu den besten Starters, doch das ist nicht immer so gewesen.
Inzwischen zählen Johannes Lochner und Georg Fleischhauer zu den besten Starters, doch das ist nicht immer so gewesen.  Foto: Robert Michael

Die Problemzone Startzeit gelöst

Die Anschubhilfe zum Erfolg kam über die Anschieber. Der ehemalige 400-Meter-Hürdenläufer Georg Fleischhauer, der Beste der Bobbranche, wird von der lebenden Anschieberlegende Kevin Kuske trainiert. Fleischhauer formulierte es so: „Es ging auch darum, dass Hansi einen strukturierten Plan hat.“ Den hat der zweimalige Weltmeister nun. 2023 in St. Moritz konnten Lochner/Fleischhauer Francesco Friedrich erstmals bei einer WM schlagen, im Zweier. Im bereits beendeten Weltcup-Winter waren sie die klare Nummer eins, holten die Weltcups im Zweier und im Vierer sowie den Gesamtweltcup. Der letzte Tanz aber ist noch nicht zu Ende. Am Mittwoch (18. Februar) standen bereits die ersten Trainings im Viererbob an. Der (Team-)D-Zug holt Schwung, um am Wochenende wieder vorauszufahren.

Nach oben  Nach oben