Leuchtende Augen, glänzende Perspektive: Felix Hoffmann ist plötzlich ein gefragter Mann. Bundestrainer Stefan Horngacher kann mit der gemischten Auftaktbilanz von Oberstdorf gut leben.
Foto: Daniel Karmann
Skispringen hat viel mit Psychologie zu tun. Deswegen ist die Wirkung der drei Millimeter, die beim Skisprunganzug des Slowenen Timi Zajc beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf zu viel waren, auf die deutsche Skisprungnationalmannschaft nicht zu unterschätzen: Durch die Disqualifikation des Zweitplatzierten rückte Felix Hoffmann aufs Treppchen nach.
Es macht einen großen Unterschied, ob man bei der Siegerehrung dabei oder ob man bei den Feierlichkeiten nur Zuschauer ist. Auch die Auftaktbilanz des Bundestrainers bekam durch die drei Millimeter einen anderen Dreh.
Der gute Auftakt von Hoffmann und Raimund pusht das ganze Team
Nachdem sich das ganze deutsche Trainer-, Betreuer-, und Springerteam am Montagabend für ein Foto auf dem Siegerpodest um Felix Hoffmann versammelt und jeder mit einem Finger auf den Drittplatzierten gezeigt hatte, klang das erneute Resümee von Stefan Horngacher grundsätzlich gleich. Aber die Schultern waren bei allen noch ein bisschen mehr durchgedrückt: „Generell muss man mit unseren beiden Vorfliegern sehr zufrieden sein. Sie haben das toll gemacht, bei der Kulisse die Nerven beieinander zu haben. Da können wir sehr stolz sein.“
Dass sich Philipp Raimund (von Platz sieben auf fünf) als auch Felix Hoffmann (von Platz sechs auf drei) im zweiten Durchgang Seite an Seite, quasi als Ying und Yang, noch einmal verbessert haben, hilft dem gesamten Team. „Es hat mich echt gepuscht, dass Philipp in Führung gegangen ist“, sagte der introvertierte Hoffmann (28). Der extrovertierte Raimund (25) ergänzte: „Es ist das Ziel aller 50 Athleten, einen der drei Plätze bei der Siegerehrung zu erreichen.“ Deshalb freue er sich so für Felix Hoffmann mit.
Und der sagte nach seinem erst vierten Podestplatz im Weltcup wiederum: „Wenn mehr Leute anpacken, ist es immer leichter. Da sind noch gute Wettkämpfe zu erwarten.“ Dem grundsätzlich noch stärker einzuschätzenden Philipp Raimund hilft es enorm, dass sich nicht alles auf ihn fokussiert.Auf der Großen Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen geht die Hatz nach dem Ruhetag, der von einem Krafttraining am Vormittag in Oberstdorf und der Fahrt am Nachmittag ins Werdenfelser Land geprägt war, ziemlich dynamisch weiter: erst die Qualifikation an diesem Mittwoch (16 Uhr), dann das Neujahrsspringen (14 Uhr/jeweils ZDF und Eurosport).
Die beiden deutschen Springer sind weiter Außenseiter-Favoriten
An der Ausgangslage sieht Stefan Horngacher nichts verändert, dank des kongenialen Duos sei man weiterhin Außenseiter-Favorit: „Einer ist weiter weg. Aber bei den restlichen sind wir ganz knapp dran.“ Der Slowene Domen Prevc ist etwa zehn Meter voraus. Dann folgen mehr oder weniger auf Augenhöhe die Österreicher Daniel Tschofenig, Jan Hörl, der dreimalige Tourneesieger Ryoyu Kobayashi aus Japan – sowie Ying und Yang aus Deutschland.
Domen Prevc springt in seiner eigenen Liga
Bei den Slowenen war es wie bei den Deutschen ein Einerseits-andererseits-Wettkampf in Oberstdorf: Einerseits war der Jubel über den Sieg von Domen Prevc groß, andererseits schmerzte die Disqualifikation des zweitplatzierten Timi Zajc. „Ich habe den Wettkampf wirklich genossen. Oberstdorf ist ein ganz besonderer Ort“, sagte der 26 Jahre alte Weltrekordhalter (254,5 Meter) nach seinem klaren Sieg. „Unglaublich, großen Respekt. Auch wenn man in der Form seines Lebens ist, muss man erst einmal so abliefern“, sagte der Österreicher Stefan Kraft anerkennend. „Domen muss wirklich Fehler machen, damit wir alle noch eine Chance haben. Das schaut richtig, richtig gut aus.“
Dass es beim prestigeträchtigen Kampf um den goldenen Adler zu einer Disqualifikation kam, ist in der 73-jährigen Geschichte der Vierschanzentournee eine absolute Ausnahme. Gut so, dass der ehemalige Skispringer und heutige Kontrolleur Mathias Hafele durchgegriffen habe, findet der Bundestrainer: „Man sieht, dass hier keiner verschont wird. Wenn irgendetwas nicht passt, dann passt es nicht. Dann gibt es die Konsequenzen.“
Das Material wird schärfer kontrolliert
Und das sind die Konsequenzen aus dem Materialskandal bei den Weltmeisterschaften im Frühjahr in Trondheim, als die Norweger illegal an ihren Anzügen herumgedoktert hatten. Das hat den Sport komplett verändert. Weil jetzt das Material schärfer kontrolliert wird. Und weil dem Anzug durch Regeländerungen etwas die Größe, sprich die Relevanz genommen wurde.
„Das Material spielt bei meinen Problemen definitiv eine Rolle“, sagte Karl Geiger vor Tourneebeginn. Durch die verringerte Fläche der Anzüge habe man die Technik umstellen müssen. Felix Hoffmann und Philipp Raimund haben die Veränderungen nicht so hart getroffen, da sind sich Ying und Yang ähnlich: Beide leben vom starken Absprung.
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