Marko Topo verpasst das Finale des 11. Neckar-Cups in Bad Rappenau
Am Sonntag stehen bei der Neckar-Cup-Premiere in Bad Rappenau Guy Den Ouden und Ignacio Buse im Finale. Im Doppel ist ein deutscher Sieg noch möglich. 1500 Zuschauer am Samstag.

Der Neckar-Cup ist ein sehr deutsches Turnier. In den bisher zehn Auflagen des Challenger-Turniers trugen sich in Heilbronn vier deutsche Tennisprofis in die Siegerliste ein: Jan-Lennard Struff (2014), Alexander Zverev (2015), Rudi Molleker (2018) und Daniel Altmaier (2022). Seit dem vierten Streich hat es im Einzel kein Sportler unter schwarz-rot-goldener Flagge mehr ins Finale geschafft. Auch in Bad Rappenau wird es nichts mit einem Turniersieg made in Germany.
„Ich muss jetzt erst einmal runterkommen.“
Marko Topo
Das ist ja auch keine Pflicht. Aber Marko Topo hätte die Kür, zumindest seine ersten Finaleinzug bei einem Challenger, beinahe geschafft. „Ich muss jetzt erst einmal runterkommen. Beim Aufwärmen fürs nächste Match in ein paar Stunden versuche ich dann, die Emotionen mitzunehmen“, sagte der in München geborene und in Stuttgart lebende Marko Topo am frühen Nachmittag.
Marko Topo genießt im Village des Neckar-Cups das Bad in der Menge
Marko Topo genoss das Bad in der Menge, im Village des Neckar-Cups an der Seite seiner Mutter und seiner Freundin. Immer wieder kamen Fans, baten um ein Autogramm und ein gemeinsames Foto. Viele der laut Turnierdirektorin Mine Cebeci 1500 Besucher nahmen ein Handy-Foto eines strahlenden Marko Topo nach dessen verspätetem Frühsport mit nach Hause.
Wegen der zahlreichen Unterbrechungen am Freitag war das Viertelfinale Topos gegen den Argentinier Facundo Mena auf 10.30 Uhr am Samstag verlegt worden. Doch erneuter Regen sorgte dafür, dass das Match erst zur Mittagszeit beginnen konnte. Topos fünfter Sieg in Serie im Kraichgau war jedenfalls ein Kraftakt mit erneut krachenden Assen (51 waren es im Turnier bis dahin); das 6:3, 3:6, 6:3 dauerte 2:06 Stunden.
Guy Den Ouden ist bei seinem Viertelfinal-Sieg schneller
Vorteil für seinen ebenfalls nachsitzenden Halbfinal-Gegner Guy Den Ouden: Der 23-jährige Niederländer benötigte für seinen 7:5, 6:3-Viertelfinalsieg gegen Emilio Nava aus den USA „nur“ 1:29 Stunden. Marko Topos Halbfinal-Start am späten Nachmittag war mit einem Break tipptopp. Doch es fehlte die Konstanz, es kam auch nur noch ein weiteres Ass hinzu – der eigene Aufschlag war ein Problem.

Topos Gegner, die Nummer 187 der Weltrangliste aus dem Nachbarland, nutzte vier von sechs Breakbällen, der Mann mit der Mütze zwei von sechs. Es wurde wieder nichts mit dem sechsten Sieg in Serie bei einem Turnier. Die fünf Streiche sind auch ein feiner Erfolg, führen Marko Topo im am Montag erscheinenden Ranking auf Platz 287 – so gut war er noch nie gelistet.
Ignacio Buse startet gegen Marco Trungelliti grandios
Der Finalgegner von Guy Den Ouden ist heute (nicht vor 14 Uhr) der Peruaner Ignacio Buse, der im südamerikanischen Duell mit dem Argentinier Marco Trungelliti grandios startete, 4:0 führte und am Ende 6:4, 7:6 (7:3) gewann. „Ich bin sehr happy“, sagte der in Lima und Barcelona lebende 21-Jährige, „und versuche im Finale einfach Spaß zu haben und mein bestes Tennis zu finden.“ Es ist nach Como 2024 das zweite Finale des 192. der Weltrangliste.
„Ich versuche im Finale einfach Spaß zu haben und mein bestes Tennis zu finden.“
Ignacio Buse
Egal, wie es ausgeht, das Finale wird keinen Verlierer produzieren: Beide werden den Neckar-Cup als das Turnier in Erinnerung behalten, das sie in der internationalen Hitliste (bisher) so weit nach oben gebracht hat, wie nie zuvor. Und beide haben eine besondere Beziehung zu Deutschland: Guy Den Oudens Freundin Mia Mack kommt aus Löchgau, Igancio Buses Urgroßvater aus Deutschland, wie er erzählte: „Ja, Buse ist deutsch.“
Jakob Schnaitter und Mark Wallner greifen nach dem Titel
Apropos deutsch: Im Doppel freuten sich die Turnierorganisatoren in der Vergangenheit vor allem über die Titel von Andre Begemann und Tim Pütz (2014), Kevin Krawietz und Andreas Mies (2019) sowie Constantin Frantzen und Hendrik Jebens (2023). Den Finaltag eröffnen am Sonntag um 12 Uhr Jakob Schnaitter und Mark Wallner. Das für den Bundesligisten TC Bredeney aufschlagende und aus München stammende Doppel setzte sich am Samstag souverän gegen die Paarung Marco Bortolotti/Cristian Rodriguez aus Italien beziehungsweise Kolumbien in 84 Minuten mit 7:6 (7:4), 6:1 durch.

„Wir haben im ersten Satz sehr gut gespielt, aber unsere Gegner haben sehr gut dagegengehalten“, sagte der 29 Jahre alte Jakob Schnaitter. „Im zweiten Satz haben wir unsere Chancen konsequenter genutzt. Dann kam das Spiel zu uns rüber.“ Der Plan des an Position eins gesetzten Doppels nach dem Match lautete, so Mark Wallner: „Unterschriften verteilen. Physiotherapie. Die Gegner ein bisschen anschauen.“
Es gibt noch Karten für die beiden Finals
Die Vorjahresfinalisten, die als Weltranglisten-59. diese Saison erstmals fix im Hauptfeld der Grand-Slam-Turniere dabei sind, treffen auf Vasil Kirkov (USA)/Bart Stevens (Niederlande), die in ihrem Halbfinale Francesco Passaro aus Italien und Marat Sharipov aus Russland in nur 51 Minuten mit 6:2, 6:4. Es ist also doch ein deutscher (Doppel-)Sieg beim 11. Neckar-Cup möglichen – es gibt noch Karten.

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