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Hamburg (dpa)

«Kim-Yes» auf dem Sprung: London 2012 großes Ziel

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«Ich bin ein fröhlicher Mensch», sagt Hochspringerin Kimberly Jeß und lacht. Aber sie meint das ganz ernst. Familie und Freunde kennen sie so, und selbst ihr Handy schwingt und singt manchmal launig mit: «I feel good, so good...»

Von Ralf Jarkowski, dpa
Leichtathletin Kimberly Jeß beim Training in Hamburg.
Leichtathletin Kimberly Jeß beim Training in Hamburg.

Wenn Soul-Legende James Brown mit seinem Superhit als Rufmelodie grüßt, dann ist Jeß aus dem schleswig-holsteinischen Büdelsdorf besonders gut drauf. «Ich möchte mal richtig hoch hinaus.» Das klingt fast bescheiden - schließlich ist sie im Sommer Junioren-Weltmeisterin geworden und hat in diesem Jahr erstmals 1,90 Meter gemeistert. Nicht schlecht für eine 16- Jährige, die bei ihrem Heimatverein weder Trainingshalle noch Kraftraum hat - und seit Jahren von ihrem Opa gecoacht wird.

Kimberly Jeß («Der Vorname hat meiner Oma einfach gefallen») ist auf dem Sprung - die Latte liegt hoch. «Mein Ziel sind die Olympischen Spiele in London. Den Ehrgeiz habe ich, seit ich elf bin», verrät sie. Den Spaß am Sport lässt sich die Schülerin einer 11. Klasse, die mit 19 ihr Abi machen und dann studieren will, von keinem verderben. Humor hat sie auch. «Ich bin jetzt mein halbes Leben Leichtathletin. Es hat Freude gemacht, und ich bin dabei gelieben.» 2012 will das Nordlicht in London leuchten. «Olympia - das meine ich ernst», sagt Kimberly Jeß. Und: «Ehrgeiz ist meine größte Stärke.» Der Opa nickt.

Ohne ihren «Cheftrainer» Erwin Jeschke wäre Enkelin Kimberly bestimmt noch nicht so hoch geflogen - oder manchmal abgehoben. «Im Hochsprung geht es eben Stück für Stück, jeder Zentimeter ist schwer», meint der 75-Jährige. Jeschke ist früher Rad gefahren, das Grundwissen als Leichtathletik-Trainer hat sich der Großvater angelesen. «Ein Jahr geht das noch.» Und dann? Nach der 11. Klasse wechselt die zweitbeste Junioren-Hochspringerin der Welt vielleicht die Schule. Leverkusen, Schwerin, dort gibt es Sport-Internate. «Das entscheide ich allein», verkündet die resolute Brillenträgerin schon mal. Widerspruch zwecklos? Der Opa nickt.

Die Leistungshüter im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sehen mit (Vor)Freude, dass nach Olympia-Starterin Ariane Friedrich wieder eine deutsche Weltklasse-Hochspringerin «nachwächst». Vier Mal trainiert die 1,82 Meter große und 60 Kilogramm schwere Athletin der LG Rendsburg/Büdelsdorf derzeit in der Woche. «Im Sommertraining haben wir in Büdelsdorf perfekte Bedingungen, ein modernes Stadion und zwei Hochsprung-Anlagen», berichtet Kimberly Jeß, die am 10. Juli schon mal nach den Sternen gegriffen hat: Mit dem rechten Fuß - in der Branche höchst selten - floppte sie bei der U20-WM im polnischen Bydgoszcz über 1,86 Meter und holte Gold.

Am 30. Januar wird Kimberly Jeß 17 Jahre jung - dann läuft die Hallensaison schon auf Hochtouren. Etwa 20 Wettkämpfe will sie im kommenden Jahr bestreiten, dazu kommen Training, Schule und als liebstes Hobby der Ballett-Unterricht. «Irgendwann», das weiß sie schon, «wird der Sport mal mein Lebens-Mittelpunkt werden.» Hohe Sprünge sind ihre Spezialität, aber auch schnelle Entscheidungen. Als sie merkte, dass ihr Name für flotte E-Mail-Schreiber ein hohes Fehlerpotenzial birgt, wurde aus Kimberly Jeß einfach «Kim-Yes». Das klingt fast wie eine Kampfansage: «Yes, I can!»

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