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Hitchcock im Zweitages-Rhythmus für die deutsche Handball-Nationalmannschaft

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Überraschende Wende: Zum Auftakt der Hauptrunde der Handball-EM wartet zunächst Portugal auf die deutschen Männer. Der Horkheimer Ingo Meckes erwartet weitere Wendungen.

Von Marc Stevermüer
Da ist noch eine Rechnung offen: Im WM-Viertelfinale vor einem Jahr kam für das deutsche Team um Johannes Golla (rechts) das Aus gegen Portugal.
Da ist noch eine Rechnung offen: Im WM-Viertelfinale vor einem Jahr kam für das deutsche Team um Johannes Golla (rechts) das Aus gegen Portugal.  Foto: Soeren Stache

Auf einmal müssen alle umdenken. Als die deutschen Handballer am Dienstagabend ihr Hotel in Silkeborg verlassen und im benachbarten Grill-Restaurant „Flammen“ Abwechslung außerhalb des EM-Alltags genießen, glauben sie daran, zum Auftakt der EM-Hauptrunde gegen Gastgeber und Goldfavorit Dänemark zu spielen.

In lockerer Atmosphäre werden „leckere Steaks“ serviert, wie Kreisläufer Justus Fischer verrät, auf den Tischen liegen Handys, um nebenbei die Partie der Dänen zu verfolgen. Mit zunehmender Dauer wird die Aufmerksamkeit größer, denn die Portugiesen durchkreuzen mit ihrem Sieg alle EM-Pläne. Jene der Dänen, aber auch die deutschen. Ihr Gegner am Donnerstag (15.30 Uhr/ARD) heißt nun Portugal.

Überraschung bei Handball-EM bedeutet für Alfred Gislason eine Nachtschicht

Das sorgt bei Bundestrainer Gislason zwar keinesfalls für Stress. Entspannt endet der Abend für ihn aber auch nicht. „Es hat mich ein paar Stunden gekostet, auf Portugal umzuschalten“, verrät Gislason, dass für ihn eine längere Nachtschicht bei der Videoanalyse anstand. Der Respekt vor dem Gegner ist groß bei der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). Die Lust auf eine Revanche ebenfalls.

„Es hat mich ein paar Stunden gekostet, auf Portugal umzuschalten.“

Alfred Gislason

„Die Portugiesen haben aller Welt gezeigt, wozu sie in der Lage sind“, sagt Torwart Andreas Wolff, der vor fast genau einem Jahr dabei war, als sein Team im WM-Viertelfinale an den Iberern scheiterte. Daran erinnert auch Teammanager Benjamin Chatton, der den Portugiesen beim Coup gegen Dänemark eine „eindrucksvolle Leistung“ attestiert und vermutet, dass sie „anscheinend ihre Qualität aus dem letzten Jahr nochmal unterstreichen wollen. Es ist für alle Beteiligten ein überraschendes Ergebnis.“ 

In der absoluten Weltspitze sind die Leistungsunterschiede minimal

Das Ergebnis zeigt: In der absoluten Weltspitze sind die Leistungsunterschiede minimal, was ein Turnier unberechenbar macht. Die Deutschen wissen es aus leidvoller Erfahrung mit der Niederlage gegen Serbien. Nur hatte der Aussetzer weniger Folgen als für die Dänen, die ohne Pluspunkt in die Hauptrunde starten. Für die Portugiesen bedeutet der Erfolg wiederum zwei Bonuszähler. 

Benjamin Chatton bezeichnet daher die Hauptrundengruppe, in der es die Deutschen zudem noch mit Frankreich und Norwegen zu tun bekommen, als „wahrscheinlich schwerste seit vielen Jahren“, spricht gar von einer „absoluten Todesgruppe“. Sie biete „Hitchcock-Klassiker im Zweitagesrhythmus“ an.

Benjamin Chatton verspricht den Fans Kracher, Duelle auf Augenhöhe

In jedem Spiel geht es um alles – und vor allem um Details. Jeder Fehler kann einer zu viel sein, jede Schwächephase das Aus bedeuten. Das verspricht Spannung und Spektakel. „Die Fans dürfen sich auf Kracher freuen, auf Duelle auf Augenhöhe. Die Konstellation bringt eine gewisse Brisanz mit, wir freuen uns auf einen heißen Tanz“, sagt Chatton.

Geht gut gelaunt in die Hauptrunde von Herning: Torhüter Andreas Wolff.
Geht gut gelaunt in die Hauptrunde von Herning: Torhüter Andreas Wolff.  Foto: Sina Schuldt

Andreas Wolff findet es „relativ einmalig, dass so viele Mannschaften“ in der Hauptrunde aufeinandertreffen, die für die Medaillen infrage kämen. Ausdrücklich zählt er sein Team dazu: „Ich kann stolz behaupten, dass gegen uns keiner spielen möchte und niemand die Punkte einplant.“ Nach dem Hauptrundenstart gegen Portugal folgt am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) das Duell mit Norwegen. Neben Deutschland und Portugal starten auch die Franzosen mit zwei Punkten. Ein Vorteil, mehr aber auch nicht.

Die deutschen Handballer fühlen sich gerüstet

„Es kann alles passieren. Und ich bin davon überzeugt, dass es in dieser Gruppe die eine oder andere Wendung geben wird“, meint Sportvorstand Ingo Meckes. Der Horkheimer weiß: Es lässt sich nicht voraussagen, wer das Halbfinale erreicht. Die Deutschen fühlen sich gerüstet.

„Wir haben alle Extreme, die passieren können, bereits kennengelernt.“

Ingo Meckes

„Wir haben alle Extreme, die passieren können, bereits kennengelernt“, sagt Meckes und lobt den Charakter des Teams: „Wir lagen am Boden und sind aufgestanden mit der besten Leistung in einem Pflichtspiel seit Olympia. Wir sind nun dort, wo wir hinwollten.“ Aber noch nicht am Ende.

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