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Skispringen

„Hille“ Raimunds Belohnung für Olympia-Gold: Ein Feierabend-Bier im Hotel-Gang

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Wie Skispringer Philipp Raimund aus Göppingen seinen Olympiasieg von der Normalschanze in Predazzo gefeiert hat. Da ist nicht nur das Deutsche Haus in Cortina d`Ampezzo Kopf gestanden.

Nicht zu emotional zu Gold, aber emotional mit Gold: Philipp Raimund brüllt seine Freude heraus. Auf der kleinen Schanze ist keiner besser gewesen.
Nicht zu emotional zu Gold, aber emotional mit Gold: Philipp Raimund brüllt seine Freude heraus. Auf der kleinen Schanze ist keiner besser gewesen.  Foto: Daniel Karmann

Die Euphorie, der Jubel, die Lautstärke der Freudenschreie kannte keine Grenzen. Im Schanzenauslauf von Predazzo, wo sich die Emotionen von Philipp Raimund unbeengt ausbreiteten. Auf dem Trainerturm, wo die Erleichterung aus dem sonst so ernsten Bundestrainer Stefan Horngacher einen völlig losgelösten Zwilling machte. Auf den Zuschauerrängen, wo die Familie mitbangte und mittobte. In Göppingen, wo Philipp Raimund, Olympiasieger 2026 von der Normalschanze, aufgewachsen ist. Im Allgäu, wo der 25-Jährige beim SC Oberstdorf ein sportliches Zuhause gefunden hat. Und im Deutschen Haus oberhalb von Cortina, wo Sportler, Funktionäre, Gönner und Gäste mitfieberten, die Hymne mitsangen und bei einer Schalte zu später Stunde ins Teamhotel der Skispringer den Goldjungen mit „Hille“-Sprechchören und Deutschland-Fähnchen feierten.

Raimund gesteht: „Dass es Gold ist, habe ich ehrlich gesagt erst auf dem Podium realisiert“

„Ich habe nur noch feiern müssen, dass es eine Medaille geworden ist“, erzählte ein „extrem, extrem zufriedener“ Philipp Raimund, nachdem er tief Luft geholt hatte. Im Gespräch mit Moderator Matthias Killing, begleitet von reichlich Hall von Handy zu Handy, sagte er: „Dass es Gold ist, habe ich ehrlich gesagt erst auf dem Podium realisiert. Ich genehmige mir jetzt auf jeden Fall noch ein Kaltgetränk.“ Ein Bier zu noch späterer Stunde ist es dann geworden, wie Stefan Horngacher am Morgen danach verriet.

Der olympische Marathon ist anstrengend

Bis 23.30 Uhr war der „Hille“ gerufene Skispringer auf dem Gelände an der Schanze – Pressekonferenz, Dopingkontrolle und Co. Den Genussmoment, das höchstverdiente Feierabendbier, habe es dann ganz unprätentiös auf dem Gang des Hotels gegeben, sagt Horngacher – die Zimmer seien für die große Schar der Gratulanten zu klein.

Nach dem Wettbewerb von der Normalschanze geht es für Philipp Raimund gleich weiter mit dem Mixed.
Nach dem Wettbewerb von der Normalschanze geht es für Philipp Raimund gleich weiter mit dem Mixed.  Foto: Daniel Karmann

Bereits um 10 Uhr begann der nächste olympische Arbeitstag mit dem Aktivierungstraining: Am Dienstagabend (10. Februar) stand die Entscheidung im Mixed-Wettbewerb an der Seite von Agnes Reisch, Selina Freitag und Felix Hoffmann an. Die erste Medaille, gleich in Gold, beflügelt, macht die Luft für die deutschen Springer im auf 1000 Metern Höhe gelegenen Predazzo etwas dicker, das lässt weiterfliegen.

Der schönste Geschenk zum Abschied von Bundestrainer Stefan Horngacher

Die Bedeutung ist enorm. Für Stefan Horngacher: „Für mich zum Abschied als Bundestrainer eins der schönsten Geschenke, was der Philipp mir gemacht hat.“ Und das gesamte Team Deutschland, weil es nicht nur an den Standorten Antholz und Cortina d’Ampezzo, sondern so auch in Val di Fiemme mit den Schanzen und Loipen das erste Edelmetall gab. Philipp Raimund war schon bei der Vierschanzentournee, dem ersten Saisonhöhepunkt, hochgehandelt worden. Platz fünf zum Auftakt zu Hause in Oberstdorf ließ den Gamingexperten aber ins Grübeln geraten: „Ich habe meinen Schneid nicht verloren, aber es ist mir ein bisschen schwerer gefallen als sonst, locker zu blieben.“ Der Kopf ist sein Schlüssel. Athletisch sei sein Schützling extrem gut, die Technik sei wahnsinnig gut, sagte Stefan Horngacher. Aber an der Schanze geht es um mehr. 

Seit einem Streitgespräch kann Raimund gut mit seinem Trainer

„Ich habe auch lernen müssen, mit ihm umzugehen“, bekannte der Bundestrainer jetzt, sie hätten auch schon ein Streitgespräch gehabt. „Da hat’s richtig gescheppert. Aber das war auch gut. Das war wichtig. Ich kann jetzt richtig gut mit ihm.“ Und umgekehrt. Denn so wurde er erst möglich, der eruptive Ausbruch der Euphorie, des Jubels und der Freudenschreie in und um Predazzo herum.

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