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Magdeburg (dpa)
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Kaiser geht beim SCM - Kritik an Kretzschmar

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Chaostage beim SC Magdeburg: Nur fünf Tage nach dem angekündigten Weggang von Trainer Michael Biegler verliert der Handball-Bundesligist weitere Führungskräfte.

Holger Kaiser (r) sitzt neben Stefan Kretzschmar bei einer Pressekonferenz.
Holger Kaiser (r) sitzt neben Stefan Kretzschmar bei einer Pressekonferenz.

Geschäftsführer Holger Kaiser wird den Tabellensechsten zum Saisonende verlassen, Aufsichtsratschef Johannes Kempmann stellt sein Amt zum Monatsende zur Verfügung. Beide sehen sich als Opfer eines von Sportdirektor Stefan Kretzschmar angezettelten Machtkampfes. «Es hat nur die Entscheidung gegen Kaiser oder Kretzschmar gegeben. Es ist schwer, ein Sportidol wie Kretzschmar in die Schranken zu weisen. Dafür braucht man eine klare Linie, und die gab es nicht», sagte Kempmann in Magdeburg auf einer Pressekonferenz.

Angesichts des personellen Paukenschlags und der harschen Kritik am Sportdirektor ging die seit Monaten mit Spannung erwartete Steuernachforderung nahezu unter. Der SC Magdeburg muss an das Finanzamt 252 000 Euro nachzahlen, für die Sponsoren mit zusätzlichem Geld aufkommen. Die Summe soll mit einem Mal bezahlt werden. Ursache für die Steuernachforderung ist ein Fehlbetrag von 2,522 Millionen Euro aus den Spielzeiten 1999/2000 bis 2006/2007, in der Bernd-Uwe Hildebrandt Manager des SC Magdeburg war.

In der Summe enthalten ist «Schwarzgeld» von 90 000 Euro. Diese wurden ohne Belege an die zum Liga-Kontrahenten Rhein-Neckar Löwen gewechselten Polen Karol Bielecki und Grzegorz Tkaczyk gezahlt. Außerdem seien die Zuschläge für Wochenend- und Feiertagsarbeit nicht versteuert worden. «Selbstverständlich», sagte Kempmann, wolle der Club nun den gesamten Betrag zivilrechtlich von Hildebrandt einfordern.

Die Zahlung der Viertelmillion Euro sei der letzte Schritt der Sanierung des Clubs, der seit 2007 rund 2,3 Millionen Euro zusätzlich für Verbindlichkeiten aufgebracht und so auch eine drohende Insolvenz abgewendet hatte. «Wir können uns freuen. Das ist ein klares Zeichen und ein Bekenntnis, dass der SC Magdeburg eine Zukunft hat. Das Ergebnis ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir die Lizenz in der kommenden Saison bekommen», sagte Kaiser.

Allerdings wird er dann nicht mehr die wirtschaftlichen Geschicke des Vereins leiten. Seit dem Rücktritt von Präsident Rolf Oesterhoff und Vizepräsident Frank Meyer im Mai vorigen Jahres habe er nicht mehr die nötige Rückendeckung gehabt. «Es hat sich herauskristallisiert, dass die Gesellschafter nicht vollumfänglich hinter mir stehen», sagte Kaiser. Seine Weisungsbefugnis gegenüber dem Sportdirektor habe er deswegen nicht umsetzen können.

Vor allem Kempmann ging mit Sportdirektor Kretzschmar hart ins Gericht. Er lastete dem ehemaligen Nationalspieler an, dem Manager und den Vereinsgremien öffentlich Unfähigkeit vorgeworfen zu haben. «Völlig ohne Not und nicht nachvollziehbar ist vom Sportdirektor eine Diskussion angezettelt worden, die auf einen Machtkampf hinausläuft. Solche verbalen Amokläufe kann ich als Angestellter nicht machen. Wenn ein Angestellter in meiner Firma so etwas machen würde, hätte er zehn Minuten, um seinen Schreibtisch auszuräumen», sagte Kempmann, Technischer Direktor der Stadtwerke Magdeburg.

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