Die EHF und der Schiedsrichter-Schlamassel
Der Europäische Handball-Verband EHF sorgt bei der Aufarbeitung der europaweiten Bestechungsvorwürfe gegen Schiedsrichter für Verwirrung.
Für das Rückspiel des Champions-League-Finales zwischen BM Ciudad Real und dem deutschen Meister THW Kiel (33:27) am Pfingstsonntag hatte die EHF die Serben Slobodan Visekruna und Zoran Stanojevic nominiert. Das Duo hatte bereits im vergangenen Jahr das Final-Hinspiel der Kieler in Ciudad Real (29:27) gepfiffen. Im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen gegen den THW waren auch diese Unparteiischen in die Kritik geraten.
Die Serben hatten zudem bereits das diesjährige Halbfinale des THW gegen die Rhein-Neckar Löwen in Mannheim (30:31) gepfiffen. Folglich hätten sie für die Leitung des Finals eigentlich gar nicht infrage kommen dürfen. Experten horchten erstaunt auf. «Im Bereich des Deutschen Handball-Bundes ist so eine Ansetzungspraxis nicht üblich», sagte Uwe Stemberg, Spielleiter der Handball-Bundesliga (HBL). «Aber ich weiß nicht, wie die Gremien der EHF das sehen.» Die EHF hatte keine Bedenken. «Warum sollten die beiden nicht pfeifen dürfen? Das hat mit Leistung, Neutralität und Verfügbarkeit der Schiedsrichter zu tun», sagte EHF-Wettbewerbsmanager Markus Glaser der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Dass ein Vertreter von Ciudad Real gemeinsam mit einem EHF-Betreuer die Schiedsrichter bei Ankunft in Spanien in Empfang genommen hatte, überraschte Beobachter noch mehr. Schließlich hatte die EHF als vorbeugende Maßnahmen im Kampf gegen Korruption die Gastgeber-Betreuung vor wenigen Wochen untersagt. Zudem sollte die Ansetzung der Referees erst zwei Stunden vor Spielbeginn bekanntgegeben werden. In Ciudad Real wusste man schon mehrere Tage zuvor, wer pfeifen wird. «Die strengeren Maßnahmen galten nur für das Viertel- und Halbfinale im Europacup, nicht für das Finale», sagte Glaser jetzt. «Und wie nächste Saison in der Schiedsrichter-Frage verfahren wird, werden wir erst nach Auswertung aller Erfahrungen entscheiden.»
Stimme.de