Deutsche Handballer stehen im EM-Halbfinale – „phänomenale Leistung“ von Juri Knorr
Nach dem 38:34-Sieg gegen Frankreich lebt der Medaillentraum der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Matchwinner Juri Knorr wundert sich über seine Gurkentore.
Lukas Mertens ballte die Hand zur Siegerfaust, Julian Köster rannte lachend auf Andreas Wolff zu und der ansonsten immer so kontrolliert wirkende Kapitän Johannes Golla schrie seine Freude heraus: Die deutschen Handballer haben nach ihrer besten Turnierleistung das Halbfinale der Europameisterschaft erreicht. Gegen Titelverteidiger Frankreich siegte der Olympia-Zweite mit 38:34 (19:15), die Explosion der Emotionen war nach dem Schlusspfiff verständlich.
„Ich bin einfach nur glücklich“, sagte der überragende Spielmacher Juri Knorr, der bis zur entscheidenden Partie gegen Frankreich nicht so richtig ins Turnier gefunden hatte. Doch als es um alles ging, war der 25-Jährige da und erzielte zehn Treffer. Bundestrainer Alfred Gislason attestierte ihm eine „phänomenale Leistung“ und rief gleich das nächste Ziel aus: „Jetzt wollen wir auch ins Finale.“
Bundeskanzler Friedrich Merz gratuliert zum Halbfinal-Einzug des DHB-Teams
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich begeistert und gratulierte aus Berlin. „Das ist eine große Freude“, sagte Merz bei einer Pressekonferenz. Alfred Gislason musste auf den erkrankten Abwehrspezialisten Tom Kiesler verzichten, außerdem blieb Linksaußen Rune Dahmke draußen. Im Tor begann Andreas Wolff, nachdem der bislang überragende Turnier-Torwart gegen Dänemark noch 50 Minuten zugeschaut hatte.

In der ersten Hälfte war der Schlussmann aber kein Faktor, umso besser funktionierte das Angriffsspiel. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) legte ein 5:3 (7. Minute) vor, bis zu diesem Zeitpunkt hatte Marko Grgic zweimal getroffen. Nach einem Fehlwurf und einem Fehlpass von Julian Köster glich Frankreich zum 7:7 (12.) durch Dika Mem aus.
Deutsche Handballer im Halbfinale: Kreisläufer Justus Fischer setzt sofort Akzente
Bundestrainer Gislason wechselte früh durch, brachte Kreisläufer Justus Fischer. Der U 21-Weltmeister setzte sofort Akzente, noch wesentlich mehr zahlte sich aber die Einwechslung von Knorr aus. Er meldete sich in diesem wichtigen Duell auf der EM-Bühne an. Das 9:7 (17.) ging auf sein Konto, fünf weitere Treffer ließ der 25-Jährige bis zum Seitenwechsel folgen.
„Das ist eine große Freude.“
Friedrich Merz
Wolff wehrte zwischendurch zwar zwei Bälle ab, doch es war nicht seine Leistung, die der DHB-Auswahl die 19:15-Pausenführung brachte. Der Vier-Tore-Vorsprung war das Resultat einer konzentrierten Vorstellung im Angriff, der von Knorr entscheidend geprägt wurde.
Juri Knorr lässt sich nicht beirren
„Die letzten Tage waren nicht einfach, ich habe schon viel gegrübelt“, sagte Knorr, der sich allerdings nicht beirren ließ: „Man muss einfach weitermachen. Ich habe gehofft, dass es noch in diesem Turnier klappt, jetzt freue ich mich.“
„Die letzten Tage waren nicht einfach, ich habe schon viel gegrübelt.“
Juri Knorr
Nach dem Seitenwechsel übernahm David Späth von den Rhein-Neckar Löwen im deutschen Tor, zunächst baute das DHB-Team den Vorsprung auf 20:15 (31.) aus. Wieder traf Knorr. Die nächsten zwei deutschen Tore gingen ebenfalls auf sein Konto. Deutschland führte 22:17 (33.).
Köster sorgt für Vorentscheidung
Bis zum 24:19 (35.) – erneut erzielt durch Knorr – hatten die Deutschen alles unter Kontrolle und sogar zweimal die Möglichkeit, den Vorsprung auf sechs Treffer auszubauen. Doch das gelang nicht. Und anschließend fehlte die Durchschlagskraft im Angriff, auch Knorr leistete sich drei Fehlwürfe.
Torwart Späth rettete noch mehrfach für die DHB-Auswahl, doch Frankreich kam bis auf 27:26 (47.) heran. Wolff kehrte ins Tor zurück und packte sofort eine Parade aus. Was die Deutschen aber brauchten, war eigene Torgefahr. Und die kam von der Bank. Die eingewechselten Grgic und Franz Semper erzielten wichtige Tore. Und als Julian Köster zwei Minuten vor dem Abpfiff zum 36:32 traf, war eine Vorentscheidung gefallen. Wenig später brachen alle Dämme.
Auszeichnung als Spieler des Spiels „fast ein bisschen kitschig“
Andreas Wolff lobte vor allem Knorr: „Juri hat heute das Spiel gezeigt, von dem wir uns alle erhofft haben, dass er es zeigt.“ Entsprechend verdient war die anschließende Auszeichnung Knorrs als Spieler des Spiels: „Der Moment war fast ein bisschen kitschig, weil mein Vater stand ziemlich direkt vor mir. Ich habe meine Freundin zwischendurch auf dem Videowürfel gesehen.“
Juri Knorr war etwas verlegen - und nicht ganz zufrieden: „Ich kam mir ziemlich verarscht vor. Drei Spiele funktioniert nichts und auf einmal geht jeder Gurkenwurf rein.“
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