Stimme+
Rundgang durch das olympische Dorf
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Glamping bei Olympia: Aus dem deutschen Mobile Home zu Gold?

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Im Olympischen Dorf oberhalb von Cortina d`Ampezzo haben die deutschen Athleten ein paar Quadratmetern Heimat mit großem Bad. Die Unterkünfte werden nach den Spielen verkauft. Was die Sportler sagen.

Direkt am Hauptweg durchs Olympische Dorf von Cortina wohnen die deutschen Betreuer – die Mobile Homes der Athleten sind weiter außen, wo es ruhiger ist.
Direkt am Hauptweg durchs Olympische Dorf von Cortina wohnen die deutschen Betreuer – die Mobile Homes der Athleten sind weiter außen, wo es ruhiger ist.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

Es ist wie im Camping-Urlaub. „Buongiorno!“ hier, „buongiorno!“ da: Ein Athlet aus Argentinien grüßt ebenso wie die Athletin aus Belgien und der Funktionär aus Rumänien in der Sprache der Gastgeber. Auf einem ehemaligen Flugplatz oberhalb von Cortina d’Ampezzo steht zwischen majestätischen Gipfeln der Dolomiten das Olympische (Container-)Dorf, wo 1400 Athleten und Betreuer aus aller Welt zusammenleben. Man sieht auf dem Hauptweg Flaggen aus Schweden, Österreich, Kanada, Slowenien und immer wieder Behausungen mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen und „Team-D“-Fahnen.

Das Kaffee-Mobil gleich neben der Mensa (links) ist ein zentraler Anlaufpunkt im olympischen Dorf von Cortina.
Das Kaffee-Mobil gleich neben der Mensa (links) ist ein zentraler Anlaufpunkt im olympischen Dorf von Cortina.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

„Es ist wie auf einem großen Campingplatz bei einem Festival“, sagt Rodlerin Anna Berreiter. Wobei der Blick in ihr Zimmer, das sie sich mit ihrem Sportgerät teilt, verrät: Es ist kein sportlicher Camping-Urlaub in Italien, es handelt sich um die glamouröse Variante, um Glamping. „Wir hatten die Wahl zwischen dem Olympischen Dorf und einer Unterkunft außerhalb. Aber ich wollte das internationale Feeling mitnehmen und schätze die kurzen Wege zur Mensa und zur Physiotherapie“, sagt die 26-Jährige vom RC Berchtesgaden, die schon auf dem Electric Love und dem Echolon-Musikfestival war. Die 40 deutschen Athletinnen und Athleten mit noch einmal 40 Betreuern stellen die größte Delegation im Olympischen Dorf von Cortina. Das bietet Optionen. „Da der Boden etwas vibriert und es vorne am Hauptweg lauter ist, haben wir Athleten die Container weiter außen“, erzählt Reiheneck-Mobile-Home-Bewohnerin Anna Berreiter.

Skeletoni Hannah Neise und ihr Glücksbringer. Der Winterbergerin gefällt es im olympischen Dorf von Cortina.
Skeletoni Hannah Neise und ihr Glücksbringer. Der Winterbergerin gefällt es im olympischen Dorf von Cortina.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

„Die Mobile Homes werden nach den Spielen verkauft“, weiß Christoph Bilke, Deputy Chef de Mission für die Olympischen Spiele; es sind seine fünften. Deshalb weiß er: „Die Vorbereitungsreisen sind das Wichtigste.“ Zuletzt war er vor drei Monaten da. Die ursprünglich dem Team D zugeteilten Wohneinheiten direkt am Eingang mit den Olympischen Ringen „gehen gar nicht, weil da die Heizung beziehungsweise die Lüftung so laut ist“. Bilke konnte das ändern. Seit 27. Januar regelt er im engen Team-Office, wo auch die Krankenstation und die Physio-Liege untergebracht sind, alle Belange. An den Wänden stehen Sprüche: „Für deine Gesundheit rund um die Uhr“ und „Jeder Muskel zählt“. „In Peking vor vier Jahren war für uns alles viel besser, was die Räumlichkeiten und die Zimmer betrifft“, sagt Christoph Bilke. So sei Fleece auf den Böden der engen und kalten Einheiten ausgelegt worden, um für eine bessere Isolierung, für mehr Wärme zu sorgen.

Das Essen in der Mensa schmeckt, besonders der Salat wird gelobt.
Das Essen in der Mensa schmeckt, besonders der Salat wird gelobt.  Foto: Lars Müller-Appenzeller

Skeletoni Hannah Neise vom BSV Winterberg ist zufrieden. „Ich bin davon ausgegangen, dass wir hier zu zweit untergebracht sind. Es ist schön, einen Rückzugsort zu haben“, sagt die 25 Jahre alte Olympiasiegerin von Peking 2022. Es sind ein paar Quadratmeter Heimat mit einem großen Bad. Auf dem einen Bett liegt die Decke, die ihr ihre Mutter auf den Weg nach Peking mitgegeben hatte, auf dem anderen liegt der von ihrem Freund, dem Skispringer Luca Roth, überreichte Glückbringer.  Zentraler Treffpunkt ist die Mensa. Das Essen schmeckte, herrscht Einigkeit, vor allem das Salatbuffet begeistert. Schon Promis entdeckt? „Mein absoluter Traum wäre, Mikaela Shiffrin zu treffen“, sagt Anna Berreiter. Aber die US-Skikönigin wohne wohl außerhalb, sagt die Rodlerin und zuckt mit den Schultern. Sicher ist: Glamping ist auch was für Millionäre.

Nach oben  Nach oben