Franziska Preuß bleibt für den olympischen Einzel-Traum ein letzter Versuch
Die 31-jährige Biathletin ist nach den Plätzen sechs (Verfolgung) und sieben (Sprint) im Olympia-Ort Antholz bitter enttäuscht. Ihr großes Ziel ist eine Einzelmedaille bei Winterspielen, doch derzeit ist ihre Laufform nicht so exzellent wie noch vor einem Jahr.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Medaillentreffer zu landen, ist im Biathlon-Sport deutlich größer als in anderen Wintersportarten. Während die anderen Skisportler nur alle zwei Jahre die Chance haben, Medaillen bei Weltmeisterschaften zu gewinnen und den (Werbe-) Marktwert zu erhöhen, gibt es für die Skijäger jedes Jahr eine WM – es sei denn, es ist ein olympisches Jahr wie 2026. So hat es Franziska Preuß im Laufe ihrer Karriere trotz regelmäßiger Ausfallzeiten zu elf WM-Medaillen gebracht. Aber erst zu zwei olympischen Plaketten: 2022 in Peking in der Staffel und vor einer Woche in Antholz in der Mixed-Staffel. Der Weltmeisterin von Lenzerheide 2025 fehlt sie noch, diese olympische Einzelmedaille. Weiterhin.

Preuß verliert nach Schießfehler einer Konkurrentin den eigenen Fokus
Am Samstag (14. Februar) kam die 31-Jährige im Sprint über 7,5 Kilometer bei Bilderbuchschneeflöckeln als beste deutsche Starterin auf Platz sieben, am Sonntag war es in der Verfolgung über 10 Kilometer bei Bilderbuchsonnenschein Rang sechs – wobei sie da beim vierten und letzten Schießen funkelnd im Schnee gelegen hatte, diese eine allerletzte fehlende Medaille. Doch dieses plötzliche Funkeln lenkte sie ab: „Dann verliere ich den Fokus aufs Zielen.“ Zwei Fehler. Zwei Strafrunden. Aus der Traum. Schon wieder in Antholz. Das zehrt.Am Samstag im Sprint war es ein Fehler gewesen. Selbst ohne einen Fehlschuss hätte es für Franziska Preuß nicht fürs Podest gereicht: „Die Erkenntnis habe ich schon den gesamten Winter, dass ich einfach nicht ganz so in der Form bin wie vor einem Jahr.“ Als die Bayerin Weltmeisterin und erstmals Gesamtweltcupsiegerin geworden war.Am Ende waren es 1:00,1 Minuten Rückstand auf die siegende Norwegerin Maren Kirkeeide, Silber ging an die Französin Océane Michelon, Bronze an ihre Landsfrau Lou Jeanmonnot, die trotz einer Strafrunde ihre dritte Medaille im dritten Rennen holte.

Unruhige Beine am Schießstand und Leere im Ziel
Diese Minute Rückstand nahm Preuß in den Verfolger mit. Drei fehlerfreie Schießeinlagen später war sie da, die reale Chance auf Bronze. Später nahm Franziska Preuß alle, die es wissen wollten, mit in ihr Kopfkino, als sie die entscheidenden Sekunden beschrieb: „Ich stehe so unter Spannung beim letzten Schießen und habe dann gehört, dass Lou Jeanmonnot neben mir einen Fehler geschossen hat. Dann wurde es bei mir auch so unruhig von den Beinen her. Und dann ging gar nichts mehr.“ Als sie sich mit 1:08.0 Minuten Rückstand auf die umjubelte fehlerfreie Siegerin Lisa Vitozzi aus Italien den Kopf zwischen den Armen im Ziel sortierte und ganz nah an der Bande kauerte, war die Leere in ihr fast greifbar. Während Maren Kirkeeide (drei Fehler) Silber bejubelte und die fehlerfreie Finnin Suvi Minkkinen Bronze, verharrte Franziska Preuß. Der Wunsch war so groß.
Ernüchterung bei Preuß: „Dann zieht man`s wieder nicht durch“
Ja, sagte sie, das habe schon eine Rolle gespielt. „Ich habe aber echt versucht, das auszublenden, mir nicht so den Druck zu machen.“ Sie geht mit der Situation professionell um. Sie habe schon so viel erreicht, was noch komme, wäre cool. „Und dann liegt man so gut in Position, und ja, dann zieht man’s wieder nicht durch.“ Zwei Mal so nah am Ziel, das sei sehr, sehr ernüchternd. Preuß kämpft mit den Tränen. Es waren die Schüsse elf und zwölf von Franziska Preuß auf eine olympische Einzelmedaille seit ihrer Ringe-Premiere 2014 in Sotschi. Am Mittwoch geht es im Antholzer Tal erst einmal mit der naturgemäß nicht unwichtigen Staffel weiter. Dann hat Franziska Preuß die letzte Patrone für einen Volltreffer – sie würde sicher auch einen Randtreffer nehmen – in der Hand, für die ersehnte Einzelmedaille: Massenstart am Samstag. Der Druck wird einmal mehr immens sein.
Ist schon am Samstag Schluss für die 31-jährige Weltmeisterin?
Allerspätestens beim Weltcupfinale in Oslo von 16. bis 22. März wird die Frau, die in Ruhpolding lebt, dort, wo Biathlon zu Hause ist, ihre glanzvolle Karriere beenden. So hat sie es vor den Spielen angekündigt. Vielleicht macht sie aber auch schon an diesem Samstag Schluss.
Stimme.de