Erotikplattform als Sponsor: Von der Gold-Anschieberin zur Olympia-Pilotin
Lisa Buckwitz ist schon Olympiasiegerin. Doch bei den Winterspielen in Cortina hat die 33-Jährige das Ziel, auch als Zweier-Pilotin mit Neele Schuten zur Medaille zu rasen. Die größte Konkurrenz kommt mit Laura Nolte und Kim Kalicki aus dem eigenen Land.

Dritte Bob-Entscheidung bei den Olympischen Spielen: drei deutsche Zweier, drei Medaillenchancen, drei Pilotinnen mit drei unterschiedlichen Geschichten. Lisa Buckwitz (31) ist schon Olympiasiegerin als Anschieberin gewesen, hat zur Pilotin umgeschult und finanziert sich auch über die Erotikplattform OnlyFans. Kim Kalicki (28) ist Olympia-Debütantin und hat sich direkt an die Lenkseile gesetzt. Und Laura Nolte (27), in der Entscheidung im Monobob von Cortina bereits mit Silber ausgezeichnet, startet als Titelverteidigerin an diesem Freitag (18 Uhr) in die Entscheidung. Sie ist die Topfavoritin – die sich eine Schwäche mit ihrer kongenialen Anschieberin teilt.
Drei Frauen, drei Geschichten, drei Medaillen?
Mit einem Kuchen fing alles an. Laura Nolte und Deborah Levi (28) lernten sich 2018 bei einem Anschubtraining kennen – ein Speeddating der anderen Art. Wer den 170 Kilogramm schweren Schlitten am schnellsten beschleunigt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit sowie hoher Geschwindigkeit auch im Ziel vorne mit dabei.„Da gab es den ersten Klickmoment, als wir danach essen gegangen sind“, erzählte Laura Nolte. „Obwohl wir satt waren, wollten wir beide noch einen Nachtisch haben, weil wir beide Süßes mögen. Dann haben wir uns zusammen einen Kuchen geholt.“ Von Anfang an gab es eine Verbindung. Die auch in Cortina gepflegt wird. „Ein Lieblingscafé haben wir auch schon gefunden, dort gab es kleine Pistazienteilchen als Nachtisch, die waren richtig gut.“ Als Nachtisch zum Silber im Monobob soll es nun Gold im Eiskanal geben – so wie 2022 in Peking.

Pistazienteilchen zum Nachtisch für zwei süße Mäuler
„Das ist unsere Paradedisziplin“, sagte Laura Nolte, die für den BSC Winterberg startet und seit 2015/16 Bobpilotin ist. „Mit Deborah am Start läuft es immer super. Es ist so eine tiefe Freundschaft entstanden.“ Die Frau aus Unna zog nach Frankfurt, wo Deborah Levi schon lebte. Und da wird im Frühling und Sommer täglich trainiert.
Laura Noltes enge Freundschaft mit Anschieberin Deborah Levi
Den besten Eindruck in den Trainings im olympischen Eiskanal Eugenio Monti hinterließ in den vergangenen Tagen Lisa Buckwitz mit einigen Bestzeiten, angeschoben von Neele Schuten. Buckwitz, sie startet für den BRC Thüringen, rauschte 2018 in Pyeongchang als Anschieberin hinter Mariama Jamanka zu Olympia-Gold. Nach dem Rausch kam die Ernüchterung. Die ehemalige Leichtathletik-Mehrkämpferin fiel in ein mentales und körperliches Loch. „Hey, warum mache ich das eigentlich, ich bin jetzt Olympiasiegerin“, erzählte Buckwitz einmal. Sie bekam die Kurve, wollte selber die Kurven fahren. Plötzlich war die Olympiasiegerin Fahranfängerin, im Dezember 2019 debütierte sie an den Seilen im Europacup: „Ich musste alles neu lernen, es war ein kompletter Neuanfang.“ In jeglicher Hinsicht.

Kompletter Neuanfang einer Olympiasiegerin
Als Anschieberin müsse man einfach nur das ganze Jahr trainieren, sich um nichts kümmern, sagt Lisa Buckwitz. „Als Pilotin führt man fast ein kleines Unternehmen. Man muss sich um seine Sponsoren, seine Anschieberin, das Material kümmern.“ Eine Saison verschlinge etwa 50 000 Euro. Die müssen in die Kasse kommen. Unter anderem mit der Erotikplattform OnlyFans. „Für mich ist das ein Sponsor, der mir neben der Bundeswehr den Sport ermöglicht“, erklärte sie vor den Spielen. „Ich werde mich auf keinen Fall nackt zeigen.“
Buckwitz: „Ich werde mich auf keinen Fall nackt zeigen“
Dritte im deutschen Bunde ist Kim Kalicki. Die Athletin vom TuS Eintracht Wiesbaden, einst Hürdensprinterin, fährt seit 2015 Bob, ist im kurvenreichen Sport einen ganz geradlinigen Weg gegangen, Sie startet mit Talea Prepens und prophezeite „ein ganz enges Ding zwischen Deutschland und den USA. Es gilt nun, den Kopf beisammenzuhalten und dann das Beste daraus machen.“ Die Weltmeisterin von St. Moritz 2023 im Zweierbob sagt: „Wir werden unser Ding machen, wir werden Spaß haben.“ So könnten es die anderen beiden deutschen Pilotinnen auch gesagt haben.
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