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Eklat im ZDF: Bares für Rares statt WM-Premiere der Frauen

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Verärgerung bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim. Warum die  deutschen Kombiniererinnen nicht im linearen Fernsehen zu sehen sind. 

Alles gegeben: Nathalie Armbruster belegt bei der WM-Premiere des Massenstarts in der Kombination Platz sechs.
Alles gegeben: Nathalie Armbruster belegt bei der WM-Premiere des Massenstarts in der Kombination Platz sechs.  Foto: Hendrik Schmidt

Es ist die WM-Medaille mit den größten Gegensätzen: Erst fünf Kilometer Vollgas Ausdauersport in der Loipe, kurz darauf Schnellkraftsport auf der Schanze. „Die Letzte des Langlaufs musste 43 Minuten nachdem sie im Ziel war schon wieder beim Probedurchgang auf dem Balken sitzen, ich habe es gestoppt. Es war alles sehr eng, so eng wie noch nie. Aber es geht. Dieses Kompakte ist die Zukunft“, sagte Florian Aichinger, Cheftrainer der deutschen Nordischen Kombiniererinnen, nach der unterhaltsamen WM-Premiere des Massenstarts beim nordischen Skifest in Trondheim. Die mit einer Überraschung endete: Auf dem Treppchen standen die japanischen Zwillinge Yuna und Haruka Kasai, dazwischen platzierte sich am Fuße ihrer Heimschanze die Norwegerin Gyda Westvold Hansen.

Auftritt nur im Livestream

Die im Gesamtweltcup führende Nathalie Armbruster wurde Sechste, knapp hinter der besten Deutschen Jenny Nowak. Was im linearen Fernsehen aber alles gar nicht zu sehen war.Nathalie Armbruster haderte nur kurze Zeit. Sie war nervös. Und der Massenstart ist nicht ihre Paradedisziplin, weil sprunglastig. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man die Favoritenrolle aufgedrückt bekommen hat“, sagte die 19-Jährige aus dem Nordschwarzwald. „Beim Sprung war ein bisschen die Brechstange dabei.“ Natürlich, sie wusste, dass ihre Auftritte nur im Livestream im ZDF zu sehen waren und nicht im klassischen TV – „Bares für Rares“ und „Hallo Deutschland“ bekamen den Vorzug: „Wir saßen beim Mittagessen zusammen und haben nachgeschaut, wer uns überträgt. Nichts gegen Horst Lichter, aber das macht uns schon traurig.“ 

Paradox: Erst im Sportstudio, dann ausgeblendet

Besonders schräg: Vor zwei Wochen war Nathalie Armbruster vom ZDF ins Sportstudio eingeladen worden, um über ihren Sport und die Gleichberechtigung zu sprechen – dann setzt derselbe Sender kurz darauf andere Prioritäten. „Das ist paradox, wenn das Ganze bei der ersten Gelegenheit konterkariert wird“, sagte Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer der Marketing GmbH und Vorstand im Deutschen Skiverband, am Donnerstagabend am Fuße der kleinen Schanze von Trondheim. Ja, man habe eine gute Partnerschaft mit ARD und ZDF und viele Übertragungszeiten. „Aber in diesem Fall hätte ich mir mehr Fingerspitzengefühl gewünscht.“ Zumal es eine Vorgeschichte gibt: Schon vor zwei Jahren bei der WM in Planica hatte das ZDF mit dem Abbruch einer Übertragung von den Skispringern für einen Eklat gesorgt. 

Jenny Nowak ist als Fünfte beste deutsche Kombiniererin im Auftakt-Wettbewerb bei der WM geworden.
Jenny Nowak ist als Fünfte beste deutsche Kombiniererin im Auftakt-Wettbewerb bei der WM geworden.  Foto: Hendrik Schmidt

Laktat in den Beinen

Es war in jeglicher Hinsicht ein aufregender erster Wettkampftag für die Kombiniererinnen. Jenny Nowak war mit Platz fünf zufrieden („Der bedeutet mir sehr viel“), hatte auf dem Weg von der Loipe rüber zur Schanze vom Laktat in den Beinen erzählt. Am Freitag geht es in der traditionellen Reihenfolge weiter: Erst das Springen (12 Uhr), dann der Langlauf (16.05 Uhr) – wohlgemerkt im klassischen Programm des ZDF (und bei Eurosport).Dann sind im Mixed an der Seite von Nowak und Armbruster die Männer dabei; Bundestrainer Eric Frenzel nominierte Vinzenz Geiger mit Julian Schmid und sagte: „Es gibt gleich zu Beginn eine Medaille, die zusammen gewonnen werden kann.“ Das freut den 36 Jahre alten ehemaligen Athleten. Denn das Mixed wird zum Teamevent. 

Zu einer „tollen „Mannschaft zusammengewachsen 

Was als „zartes Pflänzchen“ Seite an Seite angefangen habe, „ist zu einer tollen Mannschaft zusammengewachsen“. In der Kombination ist der Weltcup-Kalender weitestgehend angeglichen, finden die Wettkämpfe von Frauen und Männern am selben Ort statt. „Die Frauen gehören bei uns dazu“, so Eric Frenzel, „nicht so wie im Skispringen, wo die Frauen einen eigenen Weltcup haben. Wir haben ein Betreuerteam.“ Was herausfordernd ist. Gemeinsame Trainings müssen „gut geplant sein, das ganze Jahr über“, sagt Florian Aichinger. „Denn wir dürfen die Frauen nicht über- und die Männer nicht unterfordern.“ Stimmt die Mischung, „dann kann jeder vom anderen profitieren“. Gemeinsamkeit in der Sportart der Gegensätze.

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