Ein Riesenslalom als Stimmungsbarometer für das deutsche Olympia-Team
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Lena Dürr verpasst im Riesenslalom knapp eine Medaille undsteht stellvertretend für das deutsche Team. Die Italienierin Federica Brignone feiert ihren zweiten Triumph.
Zwischen Stolz und Riesenenttäuschung: Lena Dürr ist nach dem ersten Lauf Zweite gewesen, ein grober Patzer vermasselt ihr die Medaille.
Foto: Michael Kappeler
Olaf Tabor hatte ein gutes Näschen. Als der Chef de Mission der deutschen Abordnung bei den Olympischen Spielen in Mailand Cortina am Sonntagmorgen seine Halbzeitbilanz zog, warf er einen Blick auf die folgenden Wettkämpfe des Tages.
Gemischte Halbzeitbilanz der Deutschen
„Bei den Alpin-Frauen im Riesenslalom“ habe er große Hoffnungen auf eine Medaille. Das verblüffte. Denn Emma Aicher, beim Sportfest in den Dolomiten schon zwei Mal mit Silber ausgezeichnet, ist in dieser Disziplin eher keine Podestfahrerin. Dafür lag Lena Dürr völlig überraschend zur Halbzeit auf Platz zwei. Nach einem kostspieligen Fehler am fünftletzten Tor wurde es am Ende Rang neun – womit die 34-Jährige vom SV Germering stellvertretend steht für die gemischte deutsche Halbzeitbilanz an einem durchwachsenen Wochenende für die deutschen Sportskanonen: „Ich spüre Stolz – und Riesenenttäuschung.“
Wieder 0,19 Sekunden
Den Frust über den erneut geplatzten Medaillentraum wird Lena Dürr erst einmal aus den Kleidern schütteln müssen. In Peking war sie 2022 im Slalom vom ersten auf den vierten Platz zurückgefallen. Die 0,19 Sekunden, die ihr damals auf Gold fehlten, trennten die erfahrene Technik-Spezialistin diesmal von einer Medaille im Riesenslalom von Cortina d‘Ampezzo.
Olaf Tabor war „nicht überrascht, dass Italien als Gastgeber mit interessanten Ergebnissen in die Spiele gestartet ist. Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Der Chef de Mission und Vorstand Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sagte, man sei nach wie vor auf dem Weg, das angestrebte Ziel in den Top drei des Medaillenspiegels zu erreichen. „Wir wollen auch gerne die Medaillenzahl von Peking erreichen.“
Vor vier Jahren war Deutschland Zweiter im Medaillenspiegel
Vor vier Jahren war es mit 27 Plaketten, ein Dutzend davon aus Gold, Platz zwei hinter Norwegen. Das wird sportlich. Es gab Nachfragen, ob man von der Konkurrenz nicht abgehängt worden sei – ja, im Eiskanal gleiten die Sportlerinnen und Sportler von einer Medaillenfeier in die nächste. Aber sonst?
Der deutsche Chef de Mission Olaf Tabor.
Foto: Peter Kneffel
„Der Rest der Welt macht es uns so schwer, wie es geht. Die Aussage, dass wir abgehängt werden, kann ich so nicht stehen lassen.“Olaf Tabor
Federica Brignone
„Der Rest der Welt macht es uns so schwer, wie es geht. Die Aussage, dass wir abgehängt werden, kann ich so nicht stehen lassen“, sagte Olaf Tabor. „Die erste Woche hatte Höhen und Tiefen, das muss man ehrlicherweise sagen. Das ein oder andere haben wir liegenlassen.“ Einige Sportarten hätten „ihre Potenziale nicht abgerufen“. Tabor nannte Emma Aicher mit ihrer Silbermedaille vor einer Woche in der Abfahrt, der allerersten für die deutsche Mannschaft, als „Knotenlöserin für das gesamte Team D“. Das ist mit 185 Athleten groß wie noch nie bei Winterspielen. Was die Erwartungen nicht kleiner macht. „60 Prozent davon waren noch nie bei Olympischen Spielen“, merkte Olaf Tabor an.
Kein Druck für Emma Aicher
Emma Aicher lässt sich jedenfalls keinen Druck machen. Platz 19 war es im Riesenslalom für die 22-Jährige, die über ihre Teamkollegin, mit der sie am Mittwoch im abschließenden Slalom starten wird, sagte: „Es ist super, dass Lena wieder ihren Schwung gefunden hat.“
Der Riesenslalom, den die Italiener passend Slalom gigante nennen, ist Lena Dürrs Zweitdisziplin. Dass sie in diesem gigantischen Rennen eine tragende Rolle hatte, ist in der Tat ein Grund, stolz zu sein. Der erste Lauf „war eine Genussfahrt“, 0,19 Sekunden fehlten nach dem zweiten Durchgang aber zu Edelmetall: „Kurz vor dem Ziel bin ich nach der Welle echt fast gestanden.“
Federica Brignone (Italien) jubelt mit ihrer Goldmedaille.
Foto: Michael Kappeler
An der Stelle, wo die Allgäuerin Rosa „Ossi“ Reichert vor 70 Jahren im Gigante das einzige deutsche Gold bei den ersten Spielen in Cortina d‘Ampezzo geholt hatte, gab es zwei zeitgleiche Zweitplatzierte, Sara Hector aus Schweden und Thea Louise Stjernesund aus Norwegen. Gold holte wie im Super-G Federica Brignone. Kann man eine Sensation wiederholen? Ja, wie die 35-jährige Italienerin nach der im April erlittenen komplexen Beinverletzung bewies.
Der italienische Staat hat viel in den Sport investiert
Sie steht wie keine Zweite für die von Olaf Tabor angesprochenen interessanten Ergebnisse der Gastgeber. Am Sonntagnachmittag hatten die Italiener schon 22 Medaillen, acht davon in Gold. Das hatte es bei Winterspielen für Italien noch nie gegeben.
„Es gibt kein Geheimnis, der Staat hat viel in den Sport investiert.“
Federica Brignone
Wie geht das, Signora Brignone? „Es gibt kein Geheimnis, der Staat hat viel in den Sport investiert“, sagte die gebürtige Mailänderin, die nur für sich selbst sprechen könne: „Ich hatte weder die Vorbereitung noch habe ich den Körper, den ich gerne gehabt hätte. Ich hatte keinen Druck. Das ist alles.“
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