Drohnenaufnahmen bei Olympia spalten die Gemüter
Drohnen liefern bei den Olympischen Winterspielen in Italien selbst aus dem Eiskanal spektakuläre Fernsehbilder. Doch von prominenter Stelle gibt es auch Kritik am TV-Weltbild.

Da liegt was in der Luft? Da fliegt was in der Luft! Max Langenhan geht die spektakuläre Neuerung noch nicht weit genug. Ja, die olympischen Bilder der erstmals im Rodeln eingesetzten Drohnen seien schon ganz cool. "Aber man muss die Drohne im Helm hören während der Fahrt, dann wird das richtig gut", sagte der Olympiasieger im Einsitzer am Montag im Deutschen Haus.
Die Spiele Milano Cortina 2026 sind mehr denn je Fernseh-Spiele. Und die Bilder, die aus Mailand, Bormio, Livigno, dem Fleimstal, Antholz und Cortina gesendet werden, sind dank technischer Meisterleistungen atemberaubend, anders. Dank unzähliger klassischer Kameras. Und dank sogenannter First-Person-Drohnen. Per Videobrille fliegen Piloten in Ich-Perspektive mit den Athletinnen und Athleten auf der Piste, der Schanze und eben nun auch im Eiskanal quasi um die Wette. Technik, die begeistert.
Drohnen-Aufnahmen unterscheiden sich je nach Sportart
"Wir haben eine neue Technologiegeneration, die einen sicheren Einsatz von Drohnen ganz dicht an der Action ermöglicht", sagte Yiannis Exarchos, Chef der Olympic Broadcasting Services (OBS), in einer Medien-Runde vor der Eröffnungsfeier und kündigte Bilder an, "die es so in der Berichterstattung über diese Sportarten noch nicht gab".
Na ja, meinte Skirennfahrerin Emma Aicher: "Das sind ganz coole Aufnahmen. Aber das haben wir auch im Weltcup." Drohnen-Aufnahmen im Rodeln seien schwieriger als auf einer Piste, merkte Rodler Felix Loch an. "Man hört die Drohne zwar kurz bevor es losgeht, aber das stört nicht. Cool, was die Jungs da machen." Auf der Piste sei überhaupt nichts vom Flugbegleiter zu hören, sagte Emma Aicher. Aber Drohne, Ski alpin, war da nicht was?
Technische Fortentwicklung eröffnet neue Möglichkeiten
Ja, 2015 wäre Marcel Hirscher beim Slalom in Madonna di Campiglio beinahe von einer abstürzenden Drohne getroffen worden, der Ski-Weltverband Fis erteilte daraufhin Flugverbot. Das mittlerweile aufgehoben wurde. Denn aus Modell dicker Summsebrummer ist Modell Mücke geworden.
"Die Drohne, die bei Hirscher heruntergekommen ist, hatte fünf oder sechs Kilo, die jetzigen Drohnen haben 650 Gramm", sagte Michael Kögler der Zeitung "Der Standard". Der Chefregisseur des Österreichischen Rundfunks (ORF) dirigierte bei der Männer-Abfahrt in Bormio 121 Personen, 52 Kameras und drei Drohnen. Die Leistungsschau Olympia als Technikmesse.
Olympiasieger Max Langenhan ist unzufrieden
"Wir sehen das als eine Weiterentwicklung des Sports", sagte Pierre Ducrey, Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Es gebe eine Erwartungshaltung beim Konsum einer Sportveranstaltung. Und das IOC strebe "stets danach, das beste Seherlebnis zu bieten - egal ob im Stadion oder außerhalb". Doch das sieht Max Langenhan anders.
"Wenn ich ehrlich sein darf: Ich fand das OBS-Bild richtig schlecht", sagte der 26-Jährige auf Frage dieser Zeitung. "Wenn mehrere Kurven gar nicht gezeigt werden und wenn das für uns Schlüsselstellen sind, ist das schon doof." Das TV-Bild habe den Charakter der Bahn total verwaschen. Das Ergebnis sei ein bisschen traurig, wenn so viel Geld investiert worden sei. "Jedes Weltcup-Bild ist besser gewesen." Wenn das einer so klar sagen darf, dann der Olympiasieger. Max Langenhan fordert (noch) mehr Qualität. Und Nähe.
IOC ist stolz auf die neue Technik
Doch Anpassungen dürften nicht so leicht sein. "Wenn man die TV-Übertragung eines solchen Events vorbereitet, dann verbringt man viel Zeit mit Tests, auch mit einigen der besten Athleten", sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey. "Damit die Distanzen stimmen, der Geräuschpegel und das Ausmaß, in dem es Störungen gibt. Daran haben wir viel gearbeitet, um sicherzustellen, dass wir die Bilder produzieren können." Und auf die sei man stolz.

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