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Die Eintracht-Familie drückt die Daumen: Olympia-Herausforderer Adam Ammour ist bereit

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Die deutschen Bob-Piloten sind auch im großen Schlitten in Cortina die olympischen Favoriten. Mit Adam Ammour ist der Jüngste zuletzt auch der Schnellste gewesen. Spannung ist programmiert. 

Jetzt gilt’s: Adam Ammour (vorne) und seine Crew starten hier im Training. Am Wochenende fällt die letzte Entscheidung im olympischen Eiskanal.
Jetzt gilt’s: Adam Ammour (vorne) und seine Crew starten hier im Training. Am Wochenende fällt die letzte Entscheidung im olympischen Eiskanal.  Foto: Robert Michael

Dass Wintersport-Olympiasieger im Sommer gemacht werden, ist bekannt. Francesco Friedrich machte die Dimensionen für den Bobsport greifbar, indem er sagte: „Tatsächlich ist es bei uns so, dass ein Drittel der Start, ein Drittel die Fahrt und ein Drittel das Material ausmachen. Aber die Zeit, die man reinsteckt, um am Start die ersten 50 Meter der Allerschnellste zu sein, die ist enorm. Wir trainieren den gesamten Sommer, und wahrscheinlich stecken wir 90 Prozent der Zeit nur da rein, die beste Startzeit hinzulegen.“ Das eigentliche Fahren im Eiskanal mache wahrscheinlich „weniger als ein Prozent“ aus.

Um dieses eine Prozent geht es am Samstag und Sonntag (jeweils 10 Uhr), wenn es bei den Olympischen Spielen von Cortina um die Medaillen im Viererbob, um den goldenen Abschluss im Sliding Centre Eugenio Monti geht. 

Ein, zwei, drei vier: Bis Francesco Friedrich und seine Anschieber in den Bob gesprungen sind, vergehen nur wenige Sekunden. Die Startzeit ist entscheidend.
Ein, zwei, drei vier: Bis Francesco Friedrich und seine Anschieber in den Bob gesprungen sind, vergehen nur wenige Sekunden. Die Startzeit ist entscheidend.  Foto: Robert Michael

Das eigentliche Fahren macht weniger als ein Prozent aus

Im Konvoi ins Ziel Die Machtdemonstration der drei deutschen Schlitten im Zweier der Baunummer 211, konstruiert vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin und quasi im Konvoi ist Ziel gekommen, wird im Vierer nicht einfach so weitergehen.  „Das kann man zum Teil übertragen, zum Teil nicht“, sagte Francesco Friedrich, Pilot der Silber-Crew. Der große Schlitten, das sei eine eigene Disziplin, „das sind 240 Kilogramm mehr, die ins Eis drücken. Da können kleine Dinge, die dich im Zweier unglaublich schnell machen, im Vierer vielleicht anders sein.“

Johannes Lochner war im Zweier unglaublich schnell, lag 1,34 Sekunden voraus. Eine Vorausfahrt dieser Dimension wird es nicht geben, wie der Olympiasieger vor seinen letzten vier Dienstfahrten sagte: „Im Vierer wird es knapp, auch mit den anderen Nationen.“

Johannes Lochner hat mit seiner Vierer-Crew noch vier olympischen Fahrten vor sich, dann ist Schluss. Der Berchtesgadner beendet seine Karriere.
Johannes Lochner hat mit seiner Vierer-Crew noch vier olympischen Fahrten vor sich, dann ist Schluss. Der Berchtesgadner beendet seine Karriere.  Foto: Robert Michael

Die letzten vier Dienstfahrten des Hansi Lochner

Knapp vorne war zuletzt Adam Ammour, der Dritte im schwarz-rot-goldenen Bunde, der Dritte im Zweier. An den letzten beiden Weltcup-Stationen in St. Moritz (inklusive Europameisterschaft) und in Altenberg ging der Sieg an die Mannschaft des 24-jährigen gebürtigen Gießeners, der einen ganzen Fußballverein glücklich macht, seit 2025 für Eintracht Frankfurt startet. „Der Erfolg von Adam Ammour und Alexander Schaller ist für uns Hessen und auch für Eintracht Frankfurt ganz besonders“, sagte Mathias Beck. Der Eintracht-Präsident war zehn Stunden nach Cortina angereist, Augenzeuge des Medaillen-Coups.

„Es ist eine Ehre, die Eintracht bei Olympia zu vertreten“, sagte Adam Ammour. „Die Eintracht ist eine große Familie.“ Und die Familie sitzt bei Adam Ammour im Vierer mit im Bob: Issam Ammour. Der 32-Jährige zog seinen kleinen Bruder einst in die Rappelkiste, in den Bob.

Warum ein Bruch des Handgelenks auch ein Glücksfall sein kann

Der frühere Leichtathlet und American-Footballspieler gewann mehrmals den Leistungstest der Anschieber, gehört seit 2016 zum Nationalkader. Als sich sein Bruder, bis dahin begeisterter Turner, bei einem Sportunfall das Handgelenk brach, musste eine sportliche Alternative her. Issams Vorschlag: Bob. In dem sitzen am Wochenende zudem Joshua Tasche (einst Leichtathlet und Rugby-Nationalspieler) und Alexander Schaller, Adam Ammours Anschubhilfe im Zweier.

„Bronze bei den ersten Spielen . . .“, sagte Adam Ammour und ließ den Zuhörern Zeit, die Pünktchenpause zu füllen, den Satz zu vervollständigen. Bronze bei den ersten Spielen – das ist bemerkenswert. Und könnte noch bemerkenswerter werden. Natürlich sei Druck da, sagte Adam Ammour: „Das ist Olympia, es findet nur alle vier Jahre statt. Man versucht sich einzureden, dass es ein ganz normales Rennen ist.“

Keine Tipps von den Routiniers Lochner und Friedrich

Gibt es eigentlich Tipps von den Routiniers Lochner und Friedrich? „Nee, nicht so wirklich“, sagte Adam Ammour. „Die wollen lieber alles für sich behalten. Was noch verständlich ist.“ Um das eine Prozent muss er sich selber kümmern. 

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