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Olympia-Bilanz
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Deutschland ist nur im olympischen Eiskanal richtig stark

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Mit 26 Medaillen verpassen die deutschen Athleten bei den Winterspielen in Norditalien gleich zwei Ziele: Sie sind schlechter als vor vier Jahren in Peking und verpassen im Medaillenspiegel die Top drei. Das sind die Gründe?

Nochmal Gold und SIlber am Schlusstag der Winterspiele in der Bobbahn (von links): Francesco Friedrich, Alexander Schüller, Matthias Sommer und Felix Straub mit der Silbermedaille sowie Thorsten Margis, Georg Fleischhauer, Jörn Wenzel und Johannes Lochner mit der Goldmedaille.
Nochmal Gold und SIlber am Schlusstag der Winterspiele in der Bobbahn (von links): Francesco Friedrich, Alexander Schüller, Matthias Sommer und Felix Straub mit der Silbermedaille sowie Thorsten Margis, Georg Fleischhauer, Jörn Wenzel und Johannes Lochner mit der Goldmedaille.  Foto: Robert Michael

Das Abklatschen nach der Schlussfeier der Olympischen Spiele 2026 in Cortina fällt nicht ganz so begeistert aus wie erhofft. Zwar sammelten die deutschen Wintersportler am Wochenende nochmals vier Medaillen im Eiskanal ein, sorgten mit den Olympiasiegen von Laura Nolte am Samstagabend (21. Februar) im Zweier- und von Johannes Lochner am Sonntagmittag (22. Februar) im Viererbob für einen goldenen Abschluss; zudem gab es zwei Mal Silber (Lisa Buckwitz und Francesco Friedrich). Doch die erhoffte fünfte Plakette blieb aus, mit der dieselbe Ausbeute wie 2022 in Peking erreicht gewesen wäre. Damals war es Platz zwei im Medaillenspiegel, diesmal ist es Platz fünf. Fragen und Antworten zur schwarz-rot-goldenen Bilanz:

Johannes Lochner geht mit zwei olympischen Goldmedaillen in die sportliche Rente.
Johannes Lochner geht mit zwei olympischen Goldmedaillen in die sportliche Rente.  Foto: Robert Michael

Wären wir noch wer ohne den Eiskanal und seine Medaillen?

Jein. 19 der 26 deutschen Freudenmomente in Norditalien kanalisierten sich im Eiskanal, hier wurden 73 Prozent der Medaillen geholt. Aber das war in China vor vier Jahren ähnlich (16 von 27 Medaillen/59,2 Prozent). Die Bilanz des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland ist überragend, dass es so bleibt, ist nicht selbstverständlich. Die Erfolge von Rodeln (3 Goldmedaillen/1 Silber/1 Bronze), Skeleton (0/3/3) und Bob (3/4/1) sind teuer erkauft, denn der Schlittensport profitiert extrem von der Unterstützung des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin und des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig (IAT). Beide Institute werden mit Steuergeldern finanziert, laufen über den Etat des Bundesinnenministeriums. 2023 bekamen FES und IAT 21,1 Millionen Euro. Keine schlechte Investition.

Daniela Maier jubelt nach ihrem Olympiasieg im Skicross. Jetzt hofft sie auf ein Angebot für die RTL-Tanzshow "Let`s dance".
Daniela Maier jubelt nach ihrem Olympiasieg im Skicross. Jetzt hofft sie auf ein Angebot für die RTL-Tanzshow "Let`s dance".  Foto: Oliver Weiken

Haben wir wirklich nur zwei Olympiasieger, die nicht im Eiskanal zu Hause sind?

So ist es: Skicrosserin Daniela Maier und Skispringer Philipp Raimund. 2022 war es nicht groß anders: Nicht-Schlitten-Gold holten Kombinierer Vinzenz Geiger und das Kombi-Team, außerdem die Langläuferinnen Katharina Hennig Dotzler und Victoria Carl im Teamsprint.

Johannes Hoesflot Klaebo aus Norwegen hat alle sechs Goldmedaillen im Skilanglauf abgeräumt. Im nordischen Bereich ist seine Nation drückend überlegen.
Johannes Hoesflot Klaebo aus Norwegen hat alle sechs Goldmedaillen im Skilanglauf abgeräumt. Im nordischen Bereich ist seine Nation drückend überlegen.  Foto: Daniel Karmann

Sind wir zu einseitig ausgerichtet?

Im Gegenteil. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist um die Förderung in der Breite bemüht; Shorttrack war die einzige Sportart, in der es keine deutschen Starter gab. Norwegen, seit 2014 mit der glanzvollsten Bilanz im Medaillenspiegel, ist im Eiskanal gar nicht am Start gewesen, aber im Skisport drückend überlegen, holte dort 90,2 Prozent seiner 41 Medaillen (18/12/11). Frankreich, nächster Gastgeber 2030, verdankt seinen sechsten Platz (8/9/6) zu 56,5 Prozent dem Biathlon. Der Erfolg der Niederlande, Dritter (10/7/3), steht zu hundert Prozent auf Schlittschuhen (Eisschnelllauf und Shorttrack).

Warum ist Team D im Medaillenspiegel im Vergleich zu 2022 bei fast derselben Anzahl von Platz zwei auf Rang fünf abgestürzt?

Weil auf der internationalen Leistungsschau Gold die härteste Währung ist, nicht die Gesamtzahl der Medaillen – dann läge Deutschland in Mailand Cortina auf Platz vier. Die veredelmetallten Leistungen waren diesmal (8/10/8) ungünstiger verteilt als 2022 (12/10/5).

Die Eishockey-Teams um NHL-Superstar Leon Draisaitl haben dafür gesorgt, dass das größte deutsche Olympia-Team überhaupt nominiert worden ist.
Die Eishockey-Teams um NHL-Superstar Leon Draisaitl haben dafür gesorgt, dass das größte deutsche Olympia-Team überhaupt nominiert worden ist.  Foto: Peter Kneffel

Sind die Medaillenzahlen überhaupt miteinander vergleichbar?

Nur bedingt. Drei Beispiele: Zum einen ist die Anzahl der Wettkämpfe von 109 auf 116 gestiegen. Zum anderen ist Russland wegen des vor vier Jahren begonnenen Angriffskrieges auf die Ukraine diesmal nicht dabei – 2022 holten russische Athleten 32 Medaillen (5/12/15). Der russische Kuchen wurde verteilt. Und: Mit 189 und Sportlern war das Team D so groß wie noch nie bei Winterspielen. 2002 waren es 148 Sportler. Dafür haben die zwei Eishockey-Teams gesorgt.

Eine, die - wie viele andere Deutsche - Vierte geworden ist: Biathletin Vanessa Voigt.
Eine, die - wie viele andere Deutsche - Vierte geworden ist: Biathletin Vanessa Voigt.  Foto: Hendrik Schmidt

Sind die Deutschen Olympiasieger in der Kategorie Blech?

Ja. „Wir sind die Nation mit den allermeisten vierten Plätzen“, sagte Olaf Tabor, Chef de Mission, in seiner Bilanz – im Summe waren es deren 14. Kim Kalicki verpasste Bronze im Zweierbob um 0,15 Sekunden, Adam Ammour im Viererbob um 0,04 Sekunden. Vierte Plätze seien zwar Weltklasse-Ergebnisse, aber für alle höchst unglücklich, sagt Tabor. „Das war größtenteils zwischen Drama und Tragödie“, habe ganz unterschiedliche Gründe. Seine Bilanz in drei Worten lautete: „Freude! Stolz! Ernüchterung!“ Weder das Ziel 27 Medaillen noch das Ziel Top drei wurde erreicht. Olaf Tabors Erkenntnis: „Die Weltspitze rückt noch enger zusammen.“Meinung „Teilerfolge“

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