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Olympia-Kolumne

Der Weiße Krieg und die Frage: Was bedeutet die blau-weiß-grüne Flagge?

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Im Ersten Weltkrieg sind an der Dolomitenfront bis zu 50000 Soldaten von Lawinen getötet worden. Was die Region um Cortina d´Ampezzo mit dem Elsass verbindet.

Die Flaggenparade bei den Olympischen Spielen ist bunt, 92 Nationen nehmen an den 25. Winterspielen teil.
Die Flaggenparade bei den Olympischen Spielen ist bunt, 92 Nationen nehmen an den 25. Winterspielen teil.  Foto: Peter Kneffel

Die Flaggenparade an den olympischen Sportstätten von Cortina ist bunt, 92 Nationen nehmen an den 25. Winterspielen teil. Eine Farbkombination tut sich besonders hervor, hängt fast an jedem Haus: Dunkelblau, Weiß, Grün. Usbekistan? Nein, da ist das Blau heller. Sierra Leone? Nein, da ist das Blau unten statt oben.

Ein seltener Vogel, nur auf manchen dieser Flaggen zu sehen, führt in die richtige Richtung: Der rote Adler erinnert an den Kollegen in der Tiroler Fahne. Das ist der Schlüssel, um auch Tante Google die Lösung zu entlocken: Es ist die Flagge von Ladinien. Ladiner sind Alt-Österreicher. Viele fühlen sich auch heute noch weder als Italiener noch als Österreicher. Sondern als Tiroler.

Die Dolomitenfront war Schauplatz erbitterter Stellungskämpfe

Die Ladiner kämpften im Ersten Weltkrieg, in Italien Guerra Bianca (Weißer Krieg) genannt, an der Seite Österreich-Ungarns. Die Dolomitenfront wurde dabei Schauplatz erbitterter Stellungskämpfe. Es ist ein unscheinbares Schild, das dem olympischen Berufspendler zwischen dem Toblacher See und Cortina die Augen öffnet: „Kriegerfriedhof Nasswand“. Der Soldatenfriedhof entstand 1915.

Hinter dem Nasswandvorsprung waren die Verletzten vor den italienischen Geschützen sicher, an dieser Stelle entstand ein Lazarett. Wer hier starb, wurde sofort begraben. 1259 Soldaten aus acht Nationen liegen hier begraben. Bis 1918 starben im Weißen Krieg auf bis mehr als 3000 Metern Höhe etwa 180 000 Soldaten – mindestens 40 000 bis 50 000 durch Lawinen. Verrückter Wahnsinn.

Überall hängt an Häusern die ladinische Flagge

Eine Verkäuferin im Olympic Shop an der Curlinghalle von Cortina fragt, ob wir aus dem Elsass kämen, das ja halb deutsch und halb französisch sei. Aber natürlich, deshalb weiß sie so gut Bescheid: Hier in Cortina ist man auch nach wie vor halb und halb und doch etwas eigenes. Was die ganzen ladinischen Flaggen zum Ausdruck bringen wollen.

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