Brutale Erkenntnisse beim Neujahrsspringen in Partenkirchen
Das Neujahrsspringen auf der Olympiaschanze ist traditionell ein Highlight im Sportkalender. Der Slowene Domen Prevc springt erneut seinen Konkurrenten davon. Doch wie beim Fußball erhält ein Kollege eine Rote Karte. Was dahinter steckt - und wie die Deutschen reagieren.

Da staunt der Laie und selbst der Fachmann wundert sich. Das Plakat von zwei Frauen war beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen immer wieder gerne gefilmtes und fotografiertes Motiv. Auf Englisch stand da: „Domen Prevc, der schlimmste Albtraum der Schwerkraft.“ In der Tat scheint der 26 Jahre alte Slowene bei der 74. Vierschanzentournee weiterhin einfach über die Gesetze der Physik hinwegzusegeln. Er feierte nach Oberstdorf auch auf der Großen Olympiaschanze am Neujahrstag mit Flügen auf 143 und 141 Meter den Tagessieg und liegt in der Gesamtwertung schon sagenhafte 19,50 Meter vor der Konkurrenz.
Philipp Raimund wundert sich
„Man fragt sich als Springer schon, wo die restlichen 15 Meter bis Domen sind“, sagte Philipp Raimund, nachdem er mit Sprüngen auf 134 und 135 Meter Siebter geworden war; Felix Hoffmann (134 und 136 Meter) landete auf Platz sechs. „Ich gebe ja auch mein Bestes, bin auf sehr hohem Niveau. Und dann trotzdem zu sehen, dass er einfach in jedem Wettkampf so ein Überflieger ist, ist brutal.“ Das 13. Springen des Weltcupwinters lieferte aber noch weitere mitunter brutale Erkenntnisse.
Folgt Domen Prevc seinem älteren Peter nach?
Die Tournee funktioniert trotz relativer Langeweile: Die Frage ist nicht, ob Domen Prevc wie sein älterer Bruder Peter vor zehn Jahren die Vierschanzentournee gewinnt, sondern ob er der Vierte mit dem fantastischen Vierer, mit Siegen auf allen vier Schanzen wird? Die Fans wollen in den Stadien dabei sein: Nach Oberstdorf (25 000), war auch der Wettkampf in Garmisch-Partenkirchen (22 000) ausverkauft, volles Haus meldet auch schon Innsbruck (21 125), wo es nach einem Ruhetag heute mit der Qualifikation am Samstag (14.30 Uhr) und dem dritten Springen am Sonntag (13.30 Uhr) weitergeht.
Die Österreicher sind die bestplatzierten Jäger
Die Österreicher Jan Hörl („Ich bin mega happy, ein sensationeller Start ins neue Jahr“) und Stephan Embacher („Ich hatte hier drei Megasprünge“) sind am ehesten noch als Jäger von Dominator Domen Prevc zu bezeichnen. Sie belegten am Donnerstag die Plätze zwei und drei, ebenso in der Gesamtwertung. Der 19-jährige Embacher stellte in der Qualifikation am Mittwoch einen Schanzenrekord auf – nie flog ein Springer bei der Tournee weiter als jene 145,5 Meter. Doch keiner springt mit wenig Anlauf weiter als Domen Prevc, der sagte: „Das Geheimnis ist, im Sommer jeden Tag konstant zu sein und sich jeden Tag zu verbessern.“ Spukt der Grand Slam im Kopf herum? „Nein, ich muss mich weiter Tag für Tag auf die für mich wichtigen Dinge konzentrieren.“
Tipps für Raimund, die keine Tipps sind
Philipp Raimund hadert nicht, weiß, dass beim nun siebenmaligen Saisonsieger keine Wunderdinge passieren: „Er hat einfach ein Fluggefühl, von dem kann ich nur träumen. Das macht er einfach unglaublich schön.“ Der Göppinger habe auch schon gefragt, ob Prevc („Ein echt entspannter Kerl“) ihm ein, zwei Tipps geben könne: „Aber mit beiden habe ich bislang noch nichts anfangen können.“Team bleibt unverändert Bundestrainer Stefan Horngacher war zu Recht mit den Leistungen, den Ergebnissen und den Aussichten auf einen Treppchenplatz in der Tourneewertung seiner beiden Topathleten zufrieden: „Sie haben keinen Fehler gemacht.“ Pius Paschke, Andreas Wellinger und Karl Geiger kamen auf die Plätze 21, 32 und 33 – mit jeweils leichten Verbesserungen. „Deshalb werden wir auch mit dieser Mannschaft weiterfahren“, kündigte Horngacher mit Blick auf die zweite Hälfte der Tournee an.
Knalleffekt: Schon wieder disqualifiziert
Für einen Knalleffekt sorgten die weiteren Disqualifikationen rund um das Neujahrsspringen: Timi Zajc bekam die Rote Karte, ist für die Springen in Innsbruck und Bischofshofen gesperrt. Der Slowene war schon in Oberstdorf mit einem um drei Millimeter zu großen Anzug bei der Materialkontrolle erwischt worden und hatte die Gelbe Karte gesehen, in Garmisch-Partenkirchen waren es nun vier Millimeter. Insgesamt sechs Gelbe Karten wurden bei dieser Tournee bisher verteilt, drei im Neujahrsspringen. „Es kann passieren“, kommentierte Karl Geiger den Doppelfehler von Timi Zajc. „Aber wenn es das zweite Mal in Folge passiert, muss ich sagen: das darf nicht passieren. Das ist für den Athleten natürlich sehr frustrierend.“ Die Slowenen hatten dank Domen Prevc trotzdem Grund zur Freude.

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