Betrugsvorwurf und Disqualifikationen: Schon wieder Ärger bei der Vierschanzentournee
Die Gemengelage unter den Skisprung-Nationen ist am Rande der Vierschanzentournee derzeit explosiv. Im Mittelpunkt steht einmal mehr das norwegische Team. Welche Rolle eine Socke darin spielt.

Norwegen, immer wieder Norwegen: Disqualifikationen von Skispringerin Anna Odine Ström bei der Two-Nights-Tour und von Skispringer Halvor Egner Granerud in der Qualifikation für das Neujahrsspringen am Mittwoch in Garmisch-Partenkirchen, zudem der Betrugsvorwurf von norwegischen Medien gegenüber Österreichs Skispringer Manuel Fettner – die Gemengelage rund um den Jahreswechsel und das Team Norge ist explosiv. Schon wieder: Die Gastgeber hatten bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Trondheim im Frühjahr für einen Skandal gesorgt, Anzüge umgenäht und manipuliert. Doch keine Vorverurteilung, wie immer empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen.
Großes Tohuwabohu im Springerlager
Beim Tourneeauftakt in Oberstdorf sei ein Foto von Fettners Bindung gemacht und an internationale Medien weitergespielt worden, weshalb die Vorwürfe aufkamen – so schrieb es die österreichische „Kronen-Zeitung“. Die norwegische Tageszeitung „Dagbladet“ spekulierte über eine „selbstgemachte“, „verdächtige“ und möglicherweise „illegale“ Bindung. Am Mittwoch teilte ein Sprecher des Ski- und Snowboard Weltverbandes Fis mit: „Viel Lärm um nichts. Ein ganz alter Kuchen.“ Die Bindung sei seit etwa zehn Jahren in Nutzung „und wurde genehmigt“.Im Springerlager kommt das „große Tohuwabohu“, von dem Andreas Widhölzl, Cheftrainer der Österreicher, sprach, als gezielte Unruhestiftung an. Philipp Raimund sprach von Psychospielchen, „die während der Tournee gespielt werden. Ich denke, da ist nichts dahinter. Ich persönlich habe das schon abgehakt – ich will jetzt nicht sagen im Klo runtergespült, aber abgehakt.“ Und Karl Geiger sagte: „Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man selbst betrogen hat und das dann anderen unterstellt. Das ist nicht unbedingt die beste menschliche Art. Das gehört sich einfach nicht.“
Karl Geiger hat die Sache schon abgehakt
Dass das Hosenbein bei Halvor Egner Graneruds Anzug in der Qualifikation zwei Millimeter zu lang war, ist für ihn ärgerlich und schon vielen anderen diese Saison passiert. Der 29-Jährige darf nicht in Sippenhaft genommen werden: Granerud fehlte bei der skandalösen Heim-WM verletzt. Der Fall von Teamkollegin Ström liegt freilich anders. Die Doppelweltmeisterin (Team und Mixed) wurde nach Platz elf im ersten Teil der Two-Nights-Tour disqualifiziert, weil nach der wohl 40-minütigen Kontrolle eine zusätzliche Sohle in der rechten Socke gefunden worden war, wie die Fis mitteilte.
Attest erst nachgereicht, nachdem kontrolliert worden ist
Christian Mayer, Cheftrainer der Norwegerinnen, sagte dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Norwegen NRK, dass Ström seit einer Verletzung im Dezember 2023 unter einer Schiefstellung der Hüfte leide, weswegen sie am rechten Bein durch eine Sohle einen Höhenunterschied von einem Zentimeter ausgleiche.Das ist erlaubt – wenn ein Attest vorliegt. Das reichten die Norweger allerdings erst nach der Kontrolle bei der Fis ein. Stümperei, schließlich stehen die Norweger nach Trondheim 2025 unter besonderer Beobachtung, oder konzertierte Hinterlist?
Ein Zentimeter bringt schon einen großen Vorteil
Fakt ist, dass der Zentimeter einen Vorteil verschafft: „Je höher man auf dem Schuh steht, desto tiefer kann man den Anzug tragen und desto tiefer sitzt der Schritt. Ein Zentimeter weniger Schritt als üblich ist ein großer Vorteil“, erklärte der frühere Skiflug-Weltrekordler Johan Remen Evensen aus Norwegen, der als Experte bei NRK arbeitet, gegenüber dem Sport-Informations-Dienst. Da muss weiterhin genauestens hingeschaut werden – nicht nur beim Team Norge.

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