Stimme+
Fußball
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

„Heilbronn ist ja keine Weltreise“ – so reagieren Freiberg-Fans auf den Umzug

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Das Stimmungsbild ergibt Verständnis und kleine Spitzen gegen die Stadt Freiberg.  So sehen die Zuschauer des Regionalliga-Tabellenführers SGV Freiberg den Standortwechsel ins Heilbronner Frankenstadion

Gut gefüllte Ränge im Freiberger Wasenstadion. 850 Zuschauer waren beim 2:0 des Regionalligaspitzenreiters SGV Freiberg gegen Astoria Walldorf dabei.
Gut gefüllte Ränge im Freiberger Wasenstadion. 850 Zuschauer waren beim 2:0 des Regionalligaspitzenreiters SGV Freiberg gegen Astoria Walldorf dabei.  Foto: Florian Huber

Manfred Bleile, der Kaufmännische Leiter des SGV Freiberg, strahlt am Samstagnachmittag mit der Frühlingssonne um die Wette. Ein kleiner Heilbronn-Effekt sei auszumachen, sagt er über die 850 Zuschauer: „Da sind heute Gesichter auf der Tribüne zu sehen, die sonst nicht da sind.“ Das Wetter, es hat natürlich auch mitgespielt. Sonst sind im Schnitt im Wasenstadion bei Regionalligaspielen 550 Zuschauer dabei.

Es ist viel geschrieben und gesprochen worden in den vergangenen Tagen über den Sport- und Gesangsverein aus Freiberg am Neckar, seit klar ist, dass der Verein in der nächsten Saison ligaunabhängig im Heilbronner Frankenstadion spielen wird. Wahrscheinlich als SGV Heilbronn-Freiberg. Der verdiente 2:0-Heimsieg über den FC-Astoria Walldorf war am Samstag ein weiterer wichtiger Freiberger Schritt in Richtung 3. Liga.

SGV Freiberg vor Umzug ins Heilbronner Frankenstadion – Aufstieg in dritte Liga? 

Vier Zähler beträgt der Vorsprung des Regionalliga-Spitzenreiters nun auf den ersten Verfolger SG Sonnenhof Großaspach. Alles läuft auf einen Zweikampf mit dem Lokalrivalen hinaus, die weitere Konkurrenz ist bereits um mindestens elf Zähler distanziert. Elf Spiele stehen in der 4. Liga noch aus. Grund genug, sich umzuhören, wie die Stimmung unter den SGV-Zuschauern mit Blick auf den baldigen Umzug nach Heilbronn aussieht.


Tobias Haiber aus Möglingen ist mit der Familie da, er trägt ein weißes SGV-Trikot. Das Verhältnis der Freiberger zum besten Fußballverein in der Stadt mit 15.000 Einwohnern sei schon seit Jahren ambivalent. „Viele halten das ja jetzt schon für überdimensioniert mit der Regionalliga“, sagt er. Er hat den SGV auch schon auswärts begleitet, beispielsweise zu den Stuttgarter Kickers. „Selbst beim Derby gegen die Kickers war es ja überschaubar, wer aus Freiberg mitgekommen ist“, erinnert er sich. 

Fanzuspruch zum Umzug nach Heilbronn hielt sich in Freiberg bisher in Grenzen

Der Wechsel nach Heilbronn könne schon funktionieren. „Aber für mich ist es schwer einzuschätzen, wie die Heilbronner das künftig annehmen“, sagt der 41-Jährige. Im Drittligaaufstiegsfall sieht er die Chance auf reichlich Heilbronner Fanzuspruch.  Der Umzug in die große Stadt wird Folgen für den SGV haben. „Das wird ein Heilbronner Verein“, sagt Haiber. Freiberg werde irgendwann aus dem Vereinsnamen komplett verschwinden, sind sich auch die Rentner sicher, die direkt an der Balustrade zur Tartanbahn in der Sonne stehen.

SGV-Fan mit Schal und Trikot: Tobias Haiber ist sich sicher: „Das wird ein Heilbronner Verein.“
SGV-Fan mit Schal und Trikot: Tobias Haiber ist sich sicher: „Das wird ein Heilbronner Verein.“  Foto: Florian Huber

„Nur noch Heilbronn als Name? Dann ist das halt so“, sagt Heinz Willinger. „Heilbronn ist ja keine Weltreise entfernt. Das Frankenstadion, das ist die wesentlich bessere Idee verglichen mit Aalen“, ergänzt Lothar Eberhard. Die Drainage im Freiberger Rasen sei seit fünf Jahren kaputt. Die Stadt habe zu viel Schulden für ein Profifußballstadion, sagen die beiden.

Nah dran: SGV-Fans Heinz Willinger (links) und Lothar Eberhard
Nah dran: SGV-Fans Heinz Willinger (links) und Lothar Eberhard  Foto: Huber, Florian

Profifußball beim SGV Freiberg wäre ein Wirtschaftsfaktor für Gastro und Hotellerie

Markus und Kerstin Köhl sind die Eltern des Freiberger Rechtsaußen Marius Köhl und stehen oben auf der kleinen Tribüne des Wasenstadions. 280 Kilometer sind sie aus der Heimat im Saarland nach Freiberg gefahren, nach dem Spiel geht es direkt wieder zurück. Den Umzug nach Heilbronn bezeichnen beide als „alternativlos“.

„Im Saarland hat jeder Dorfverein mehr Unterstützung vom Rathaus als hier in Freiberg“, klagt Markus Köhl. Was für ihn immer vergessen wird bei der Diskussion um Investitionen in ein Stadion: „Eine Stadt profitiert ja auch von den Gästen, die lassen Geld hier. In Restaurants, in den Hotels.“  Sie hätten auch schon in Freiberg im Hotel übernachtet, erzählen die beiden.

SGV-Fan Felix Eberlein
SGV-Fan Felix Eberlein  Foto: Huber, Florian

Schnell mal runter auf den Sportplatz geht in Freiberg nicht mehr 

Warum fehlt es dem Verein SGV Freiberg denn überhaupt so an Lobby in der Stadt? „Man hätte sich doch auf irgendeinen Platz verständigen können, wo man hier was baut“, sagt Felix Eberlein. Er ist ein waschechter Freiberger. Für ihn bringt das einen Zeit-Vorteil mit sich.

„Da kannst du spontan sagen, ich geh runter auf den Sportplatz. Nach Heilbronn ist das nicht möglich, da ist das mehr Planung“, sagt Eberlein und verdeutlicht das mit seinem persönlichen Samstagsprogramm: „Ich habe im Garten geschafft. Schau jetzt Fußball, dann schaffe ich wieder weiter im Garten.“ Heilbronn ist für ihn die logische Lösung. Da stehe ein großes Stadion, in das nun wieder sportliches Leben mit höherklassigem Fußball komme.   

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben