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Wie lässt sich das Frauen-Wunder der SG Degmarn-Oedheim erklären?

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Die Frauen der SG Degmarn-Oedheim bringen den Verein erstmals in die Oberliga. Dritte Meisterschaft in den vergangenen fünf Jahren. Das sind die personellen Veränderungen.

Schulterschluss mit den Fans in der rappelvollen Oedheimer Sporthalle am Sonntagabend: Die Frauen der SG Degmarn-Oedheim um Trainer und Vorstandsmitglied Daniel Benkner (zweite Reihe, Zweiter von rechts) sind Verbandsligameister.
Schulterschluss mit den Fans in der rappelvollen Oedheimer Sporthalle am Sonntagabend: Die Frauen der SG Degmarn-Oedheim um Trainer und Vorstandsmitglied Daniel Benkner (zweite Reihe, Zweiter von rechts) sind Verbandsligameister.  Foto: Ralf Seidel

Man hätte meinen können, die Spielerinnen und die Zuschauer in der ausverkauften Oedheimer Sporthalle hätten geprobt. „Oh, wie ist das schön!“, sangen am Sonntagabend erst die Fans, als für die Frauen-Mannschaft der SG Degmarn-Oedheim der dritte Aufstieg in fünf Jahren feststand. Dann sangen die Spielerinnen, die stolz die Meister-Shirts mit dem Aufdruck „Landesliga, Verbandsliga, Oberliga – Aufsteiger, schön war’s, aber wir ziehen weiter“ trugen.

Und schließlich sangen alle gemeinsam, rechts und links mit dem höchsten Saisonsieg auf der Anzeigetafel, einem sagenhaften 43:21 (20:13), im Spitzenspiel gegen die nun elf Punkte und drei Spiele zurückliegende SG Hegensberg-Liebersbronn.

SG Degmarn-Oedheim macht mit höchstem Saisonsieg Oberliga-Aufstieg klar

„Wir können jetzt die Party starten“, verkündete Rückraumspielerin Nina Wieland. Wobei Aufstiegspartys einen besseren Zeitpunkt verdient haben als einen Sonntagabend. Egal. Ein Aperol-Spritz-Stiefel kreiste und die Fans erfreuten sich an den letzten Bierreserven – in der 18. Spielminute hatte die Hiobsbotschaft „Das Bier geht aus!“ die Runde gemacht.

„Die Leistung heute war überragend.“

Max Odenwald

„Die Leistung heute war überragend“, sagte Zuschauer Max Odenwald erfreut, der viele Jahre die grandiosen Erfolge der Männer der SG Degmarn-Oedheim, die heute in der Landesliga spielen, verkörpert hatte. Doch es sind die Frauen, die den Verein erstmals in die Oberliga auftauchen lassen. Da und dort war zu hören, dass die Mannschaft mit solchen Leistungen wie am Sonntag auch in der fünfthöchsten Spielklasse vorne mitspielen könne.

Trainer Daniel Benkner geht in seine zehnte Saison

Sicher ist, dass die Mannschaft von Daniel Benkner, der die SG-Frauen in der nun zehnten Saison trainieren wird, das Verlieren lernen muss. „Das wird die große Aufgabe“, sagte der 39-jährige Böckinger, der mittlerweile in der Nähe der Oedheimer Halle lebt und seit „etwa sechs Jahren“ wie Nina Wieland zum vierköpfigen SG-Vorstandsteam gehört.


Die Zahlen hinter dem Steigerungslauf der vergangenen fünf Jahre sind unglaublich: 2022 Bezirksliga-Meister (mit 32:0 Punkten), 2023 Landesliga-Dritter (25:11), 2024 Landesliga-Zweiter (30:6), 2025 Landesliga-Meister (34:2) und jetzt Verbandsliga-Meister (38:4, ein Spiel vor Schluss). Wie lässt sich das Handball-Wunder von Degmarn und Oedheim mit seinen etwa 6600 Einwohnern erklären?

Teamgeist und Zusammenhalt als Schlüssel

„Der Teamgeist, der Zusammenhalt ist der Schlüssel – wir gehen auch zusammen in den Urlaub“, sagte Michelle Jesser. Sie ist eine von drei Spielerinnen, die diese Saison einen Kreuzbandriss erlitten haben. Die 28-Jährige ist in Degmarn aufgewachsen, Nina Wieland wohne beispielsweise 30 Sekunden entfernt, die sagte. „Ich wohne seit sechs Jahren hier und bin seit 2021 in der Mannschaft dabei.“

Weitere Feierlichkeiten

Die Saison ist für die Frauen der SG Degmarn-Oedheim noch nicht zu Ende. Nach der Osterpause steht am Samstag, 11. April (18 Uhr), das letzte Spiel beim TSV Alfdorf/Lorch/Waldhausen an. Der Verein setzt für den Abschied aus der Verbandsliga einen Fan-Bus ein. Auch die Feierlichkeiten gingen dann weiter, sagt Nina Wieland, „es geht nach Heilbronn in die Laube“. Und im Juni für drei Tage nach Mallorca.

Beide kennen die neue Spielklasse, beide spielten zuvor in Neckarsulm, beide kümmern sich: Michelle Jesser holte nach der Schlusssirene die Meistershirts, Nina Wieland den Sekt.

Jana Brausch kommt von der SG Schozach-Bottwartal

Über die alten Kontakte finde so immer wieder eine renommierte Spielerin den Weg zu seinem Team, erzählt Daniel Benkner. Wie vor einem Jahr Lena Halupka (zuvor beim Regionalligisten TSV Bönnigheim und mit elf Treffern erfolgreichste Spielerin am Sonntag). Wie nun Torhüterin Jana Brausch (noch bei Drittligist SG Schozach-Bottwartal) und die B-Jugend-Spielerin Lucy Heinrich (Sport-Union Neckarsulm).

„Hier bekommt niemand Geld fürs Handball spielen.“

Daniel Benkner

Nach dem letzten Heimspiel wurde am Sonntag lediglich Luisa Deutschle verabschiedet. Im Meisterspiel baute Daniel Benkner wiederum die eigenen B-Jugend-Spielerinnen Jolie Kappes und die mit einem Tor erfolgreiche Leni Volz ein. Alles zusammen sei „ein Glücksfall“, sagte der Trainer, wobei er betonte: „Hier bekommt niemand Geld fürs Handball spielen.“ Das Abenteuer Oberliga ist also nicht mit einem finanziellen Risiko verbunden.

Maria Odenwald macht nach dem Oberliga-Jahr Schluss

Klar ist, dass das Oberliga-Jahr die letzte Saison für Maria Odenwald sein wird. Ihre Zwillingsschwester Helena, mit der sie einst bei der Sport-Union Neckarsulm für Furore gesorgt hatte, hat ebenso wie Bruder Max aufgehört. Deshalb sagte Maria Odenwald: „Dieser Aufstieg ist besonders schön – weil ich mit 31 Jahren noch einmal dabei sein darf.“ Oh, wie ist das schön!

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