Der Crailsheimer Proficlub Hakro Merlins hat sich ein positives Image geschaffen, steht für Verlässlichkeit und Stabilität – selbst in schwierigen Zeiten.
Martin Romig, Geschäftsführer der Hakro Merlins Crailsheim betrachtet den Basketball-Zweitligsten wie ein kleines Unternehmen. Es brauche Ideen und Kreativität, um einen Club nach vorne zu bringen.
Foto: Schmerbeck\, Marc
Die Worte kommen überlegt. Ruhig erzählt Martin Romig über die nun 40-jährige Geschichte der Merlins Crailsheim – und damit auch über einen Teil seiner Geschichte. Denn der heutige Geschäftsführer des Basketball-Zweitligisten war in dem Jahr, in dem auch der Heilbronner EC und damit der Stammverein der Heilbronner Falken ins Leben gerufen wurde, Mitbegründer der Schul-AG, aus der ein Bundesligist wurde. Am Wochenende wird ausgiebig Geburtstag gefeiert – mit einer Gala am Freitag, einem Heimspiel plus Party am Samstag.
Merlins setzten auf Stabilität und Wachstum
Etwa 4,5 Millionen Euro beträgt der Etat der Spielbetriebs GmbH, die 2015 aus dem Hauptverein TSV Crailsheim ausgegliedert wurde. Und das schon seit einigen Jahren. Mit der leichten Tendenz nach oben – egal, ob in der BBL oder der Pro A gespielt wird. Auch die Strukturen im Verein ändern sich selten zum Negativen. Romig setzt auf Wachstum. „So ein Club ist wie eine Firma zu betrachten. Es braucht Ideen, Kreativität“, sagt er und hat nun in Lukas Lienert einen zweiten Geschäftsführer an seiner Seite. Mit Ingo Enskat und Bogdan Radosavljevic gibt es zwei sportliche Leiter. Ein Luxus, den sich die Crailsheimer leisten, weil sie sich Vorteile versprechen.
„Wir hatten vor 20 Jahren auch mal eine Schieflage“, gibt Romig zu – und zieht indirekt einen Vergleich zum Heilbronner Profi-Eishockey, das in 40 Jahren zwei Insolvenzen hinter sich hat – und eine dritte steht im Raum. „Diese Schieflage hat uns aber stärker gemacht.“ Er und sein Team hatten damals die richtigen Lösungen und zogen auch die richtigen Schlüsse.
Die Organisation der Hakro Merlins hat eine gewisse Breite
Im Büro sind aktuell zwölf festangestellte Mitarbeiter tätig, so kümmern sich Romig und Lienert um ihre Aufgaben, sind entlastet, wenn es um die Organisation der Spieltage oder die bis zu 80 Veranstaltungen pro Jahr geht.40 Festangestellte
Kleine Schritte und Aufbau einer Struktur
Die Hakro Merlins Crailsheim und der Heilbronner EC/Heilbronner Falken, wurden beide im Jahr 1986 gegründet. Während es in Crailsheim viele Aufs und nur ganz wenige Abs gab, gleicht die Heilbronner Geschichte eher einer Berg- und Talfahrt. Die Merlins setzten in erster Linie auf kleine Schritte, bauten langsam eine immer größer werdende Struktur auf und machten sich in der Region einen generell positiv besetzten Namen und konnten so auch einen Etat aufbauen, der höher ist als der der Heilbronner Falken. Rückschläge werden eher als Chance angesehen.
„Wenn ich unsere Profi-Spieler, Trainer und den Hausmeister dazu nehme, haben wir 40 festangestellte Mitarbeiter“, sagt Romig. Es stelle sich auch die Frage, was ist wichtiger, nachhaltiger? Einen extra Euro in die Mannschaft zu stecken für kurzfristigen Erfolg oder in die Organisation, um dieser langfristig Stabilität zu geben. Es war ihm auch wichtig, eine gewisse Breite in die Gesellschafterstruktur der GmbH zu bekommen.
Wichtig sind Vertrauen, Verlässlichkeit und Transparenz
Doch wie schafft er es, in einer – im Vergleich zu Heilbronn – kleinen Stadt mit etwa 37 000 Einwohnern, ein Budget für einen Profi-Sportclub aufzustellen? „Es hat mit Vertrauen, Verlässlichkeit und Transparenz zu tun“, sagt Romig. „Die handelnden Personen werden nicht ständig ausgewechselt. Die Verantwortlichkeiten haben sich über die Jahre kaum geändert. Wir erzählen nicht immer eine neue Geschichte.“
Romig sagt: „Wichtig ist, dass sich die Dinge weiterentwickeln. Noch sind wir zum Beispiel was die Spielstätte angeht, nicht situiert.“ Die Merlins brauchen eine neue Halle, wenn sie zukünftig die BBL-Kriterien erfüllen wollen. Bald reicht die Kapazität der Arena Ilshofen nicht mehr aus. Also wird nach Lösungen gesucht.
Wenn es scheinbar nicht mehr weiterging haben die Merlins bisher immer kreative Lösungen gefunden
Auch das ist es, was die Merlins auszeichnet. Wenn es scheinbar nicht mehr weitergeht, finden sie kreativ eine Lösung. „Sense of urgency“, nennt es der in Newton (USA) geborene Romig. Was auf Deutsch so viel wie Handlungsdruck oder Dringlichkeitsbewusstsein bedeutet. Sein Team und er ruhen sich nie auf Erfolgen aus, blicken stattdessen nach vorne. Wenn es sein muss, werden kleine Schritte gegangen, ist es möglich, wird der große Schritt gemacht.
„Wir haben noch Ziele. Dafür treibt uns die Liga mit den Lizenzierungsbestimmungen an. Wir haben aber auch eine intrinsische Motivation und warten nicht, bis uns jemand hilft“, sagt Romig. „Ich denke, die Region bietet noch mehr Potenzial.“
Immer weiter streckt Romig seine Fühler auch in Richtung Unterland aus. Und das nicht, weil es dort kaum funktionierenden Profisport gibt. Im Gegenteil: „Ich denke, ein guter Proficlub könnte eher Sogwirkung haben“, sagt er. Die Arena ist von Heilbronn aus in 45 Minuten zu erreichen.
Traurig, aber keine Sorge: Sie können natürlich trotzdem weiterlesen.
Schließen Sie einfach diese Meldung und sichern Sie sich das andere exklusive Angebot auf der Seite. Bei Fragen hilft Ihnen unser Kundenservice unter 07131/615-615 gerne weiter.
Kommentare