Was die regionalen Athleten mit ihren Fördergeldern der Sporthilfe Unterland machen
Mehr als 100 Talente haben beim Fest des Sports in der Kreissparkasse Heilbronn eine Belohnung für Medaillen und Meisterschaftsplatzierungen erhalten. Welche Typen es neben den Sparfüchsen noch gibt.

Verbundenheit zur Sporthilfe Unterland zu zeigen, geht auf sehr vielfältige Art. Eine ist es, sich noch kurzfristig via WhatsApp zu melden und höflich anzufragen, ob denn noch ein Platz beim Fest des Sports frei ist. So hat es Lena Stemper gemacht. Die Säbelfechterin des FC Würth Künzelsau, eine von insgesamt fünf Mitgliedern im Eliteteam, hat plötzlich doch Zeit gehabt, am Donnerstag in der Kreissparkasse Heilbronn vorbeizuschauen und dabei zu sein, wenn 79 510 Euro ausgeschüttet werden.
Der Krieg im Nahen Osten hat Auswirkungen bis Heilbronn
Der Grund: Der Fecht-Weltcup in Athen ist kurzfristig abgesagt worden – wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Zwar hätte die 20-Jährige auf dem Flugwege nach Griechenland keine Probleme gehabt, doch für die Konkurrentinnen aus Aserbaidschan und anderen Nationen wäre eine Anreise unmöglich geworden.
Daher hat sich Lena Stemper, die in Heidelberg Zahnmedizin studiert, flugs ins Auto gesetzt und unter die Gästeschar gemischt. Dort hat sie auch Athleten aus ihrem Verein getroffen, denn die Fechter gehören seit Jahren zu den intensiv geförderten Sportlern.
Josefien Fox holt sogar auf Krücken ihren Förderbrief ab
Wie auch die Rollkunstläuferinnen vom REV Heilbronn. Lara Rozankowski und Josefien Fox haben sich über ihre Fördersummen gefreut, doch die Teenagerinnen wollen ihre finanzielle Zuwendung „erstmal sparen“. Lara Rozankowski ist im vergangenen Jahr süddeutsche Meisterin und Sechste bei den nationalen Titelkämpfen geworden. Vereinskollegin Josefien Fox erzählt von EM-Bronze und Platz sechs bei der Weltmeisterschaft. Aktuell ist bei ihr allerdings eine Trainings- und Wettkampfpause angesagt. Die deutsche Jugendmeisterin ist mit Krücken erschienen und erzählt: „Ich habe seit rund einem Monat eine Überlastung am Knie.“ Noch zwei Monate ist sie daher auf die Gehhilfen angewiesen, dann wird wieder langsam mit dem Training begonnen. „Ein paar Meisterschaften kann ich nicht laufen, die deutschen und süddeutschen dann aber schon“, sagt die junge Athletin aus Neuenstadt.

Mit Celine Rieder haben die Neckarsulmer Schwimmer das beste Vorbild im Verein
Zahlenmäßig stark vertreten sind auch die Schwimmtalente der Sport-Union Neckarsulm gewesen, die in der Unterländer Sportlerin des Jahres Celine Rieder das beste Vorbild im eigenen Verein haben – auch wenn die Freiwasser-Weltmeisterin mit der Mixed-Staffel bei Bundestrainer Bernd Berkhahn in Magdeburg trainiert. „Ich mache das schon ein bisschen länger und werde jedes Jahr ein bisschen gefördert, das ist immer schön“, sagt Enya Braun, die es im Jahrgang 2009 in zwei Finalläufe bei den deutschen Meisterschaften geschafft hat – über 200 Meter Schmetterling und über 400 Meter Lagen. „Was ich mit dem Geld mache, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich erst einmal sparen oder in Schwimm-Equipment investieren“, sagt die Langenbeutingerin.

Investition in ein Trainingslager
Einen zweiten Platz bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften (2012) hat Nina Dujic vorzuweisen, die in Neckarsulm wohnt und ihre Zuwendung vermutlich „in ein Trainingslager“ investieren will. Schon am Wochenende steht in Heidelberg ein Qualifikations-Wettkampf für die nächste Jahrgangs-DM an. „Ich trainiere sechsmal in der Woche je zwei Stunden sowie einmal eine Stunde und 15 Minuten“, erzählt Nina Dujic von ihrem im Schwimmsport üblichen immensen Trainingspensum.
Mit dem Mama-Taxi jeden Tag ins Training
Der süddeutsche Vizemeister und DJM-Finalist über 100 Meter Rücken, Jonas Bertet, erzählt, er sei 2024 aus Bietigheim zur Sport-Union gewechselt. Der 14-Jährige wohnt in Freudental – knapp 30 Kilometer beträgt die Entfernung ins Aquatoll-Sportbad. „Meine Mutter fährt mich jeden Tag“, sagt er. Mit dem Frühtraining klappe es aber nur freitags. „Sonst schaffe ich es nicht in die Schule nach Bönnigheim.“ Die Athleten nehmen mitunter viel auf sich und klagen doch nicht über die Entbehrungen.

Selbst der Team-Weltmeister schaut persönlich vorbei
In Bad Wurzach lebt Emanuel Müller vom SSV Leingarten, dennoch ist dem Team-Weltmeister von Kairo und WM-Vierten im Einzel mit der Schnellfeuerpistole der Weg zum Fest des Sports nicht zu weit gewesen. Schützen stehen weniger im Rampenlicht, umso höher ist sein vierter Platz bei der Unterländer Sportlerwahl einzuschätzen – und obendrein hat sich Emanuel Müller als internationaler Topathlet über ein hübsches Sümmchen in seinem Förderbrief freuen dürfen.
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