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"Zu Hause sollte man eine gewisse Macht ausstrahlen"

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Falken-Neuzugang Carsten Gosdeck spricht im Stimme-Interview über das Golfen, die fehlende Milz sowie sein Markenzeichen. Und natürlich geht es auch um die bald startende DEL2-Saison.

Klar, dass Carsten Gosdeck auch beim Fototermin mit der Heilbronner Stimme seine typische Geste demonstriert.
Foto: Andreas Veigel
Klar, dass Carsten Gosdeck auch beim Fototermin mit der Heilbronner Stimme seine typische Geste demonstriert. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel

Carsten Gosdeck ist weiterhin auch abseits des Eises gefordert − als Familienvater. Den Interviewtermin hätte der 36-Jährige beinahe vergessen, weil er nach dem Training noch einmal schnell nach Hause musste. Unser Redakteur Stephan Sonntag konnte sich dann aber doch noch mit dem neuen Falken-Stürmer über das Golfen, soziale Netzwerke und den 1. FC Köln unterhalten. Ach ja, und natürlich über die DEL-2-Saison mit seinem neuen Club.

Herr Gosdeck, Sie können ja nicht nur den Puck gezielt schlagen, sondern auch den Golfball. Haben Sie hier in der Umgebung schon gespielt?

Carsten Gosdeck: Leider noch nicht. Ich habe mir aber fest vorgenommen, bevor die Saison losgeht, noch eine Runde Golf zur Entspannung zu spielen.

Wie muss man sich Carsten Gosdeck auf dem Golfplatz vorstellen? Wie Adam Sandler im Film "Happy Gilmore"?

Gosdeck: (lacht). Nein, nicht ganz so schlimm. Als Eishockeyspieler hat man es leicht, Golf zu lernen, weil die Hand-Auge-Ball-Koordination schon gegeben ist. Beim Putten hält man den Schläger sogar fast genauso wie beim Eishockey. Die langen Schläge bereiten da schon eher Probleme.

Warum?

Gosdeck: Wenn man mit dem Eishockeyschläger ausholt, bleibt das Handgelenk steif. Beim Golf muss man das Handgelenk mit bewegen. Wenn das klappt, haben wir Eishockeyspieler den perfekten Schwung.

Wo liegt Ihr Handicap aktuell?

Gosdeck: Bei 20,4.

Nicht schlecht. Ihnen ist vergangenes Jahr sogar der Traum eines jeden Golfers gelungen − ein Hole-in-one.

Gosdeck: Ja, in Dresden auf einer 184-Meter-Bahn. Mein Teamkollege Sami Kaartinen hatte den Ball schon aussortieren wollen, doch ich habe ihn genommen und mit einem Schlag getroffen.

Ihr Abschied aus Dresden kam überraschend. Immerhin waren Sie in der vergangenen Saison der beste deutsche Scorer des Teams.

Gosdeck: Meine Familie und ich haben uns in den drei Jahren in Dresden auch sehr wohlgefühlt. Mit Heilbronn hatte ich aber immer mal wieder Kontakt. Als nach Saisonende eine konkrete Anfrage kam, hatte ich keinen Grund, monatelang auf ein Angebot von Dresden zu warten. Jetzt beginnt eben ein neuer Lebensabschnitt.

Das Engagement in Heilbronn hätte aber eigentlich auch den Abstieg in die Oberliga bedeutet.

Gosdeck: Ja, aber Heilbronn hätte keine zwei Jahre in der Oberliga gespielt. Mein Ziel wäre der direkte Wiederaufstieg gewesen. Dann hätte ich wenigstens endlich mal meinen ersten Meistertitel feiern dürfen (lacht).

Die Falken waren also nicht als Karriere-Ausklang-Station gedacht?

Gosdeck: Nein, ich bin zwar schon 36, aber habe noch keine größeren Verletzungen gehabt. Toi, toi, toi − solange das so bleibt und ich das Tor treffe, spiele ich weiter.

Immerhin musste Ihnen 2011 nach einem Check in einer Not-OP die Milz entfernt werden.

Gosdeck: Stimmt, aber die Milz brauche ich ja nicht unbedingt zum Eishockeyspielen. Ob mit oder ohne Milz − dadurch laufe ich nicht schneller oder langsamer.

Sie haben mehr als 600 DEL-2-Spiele bestritten. Es gibt also wohl kaum jemanden, der das Potenzial der Falken besser einschätzen kann.

Gosdeck: Ich bin bisher positiv überrascht. Normalerweise ist es so, dass man in den Vorbereitungsspielen hinten heraus nachlässt. Wir sind aber bisher gegen Ende immer stärker geworden. Das zeigt mir, dass alle in der Mannschaft ein gutes Sommertraining absolviert haben. Auch die Trainingseinheiten werden von Tag zu Tag besser. Die Mischung aus Jung und Alt stimmt ebenfalls. Ich bin mir sicher, dass wir nicht vom ersten bis zum letzten Spieltag auf den beiden letzten Plätzen stehen werden.

Schon in den ersten beiden Testspielen fiel auf, dass ein ganz anderer Teamspirit herrscht. Jede Attacke des Gegners wurde sofort beantwortet.

Gosdeck: Gerade zu Hause sollte man eine gewisse Macht ausstrahlen. Wenn ein Gegner aggressiv, körperbetont spielt und beim Check die Fäuste hochnimmt, dann muss man sich dagegen stellen und auch mal eine zurückgeben, um zu demonstrieren: Bis hierhin und nicht weiter. Wenn er dann noch weiter will, kann man auch noch mehr machen. Der Gegner muss aber erkennen, dass er bei uns nicht den Molli machen kann.

So spricht ein Führungsspieler. Könnten Sie sich auch das Kapitänsamt vorstellen?

Gosdeck: Ich war schon in zwei Vereinen Assistent − klar kann ich mir das vorstellen. Mit Thomas Gödtel und David Hajek sind weitere erfahrene Spieler da. Letztlich ist es aber nicht wichtig, wer das C oder A auf dem Trikot trägt. Manchmal ist es sogar gut, einem jungen Spieler auf diese Weise mehr Verantwortung zu geben.

Selbst wenn Sie nicht Kapitän werden sollten, haben Sie gute Aussichten auf den Posten des Publikumslieblings. Schon bei Ihrer Vorstellung reagierten die Fans mit der "Daumen-Hoch"-Geste. Woher rührt die?

Gosdeck: Ich habe irgendwann auf meiner Facebook-Seite damit angefangen, auf Fotos die Geste zu machen. Das ist irgendwie zu meinem Markenzeichen geworden. Ich habe mich sehr gefreut, als ein paar Jungs die Geste beim Stadionfest während meiner Vorstellung gezeigt haben.

Wird das künftig die Geste der Fans beim Jubel über Tore von Carsten Gosdeck?

Gosdeck: Das werden wir sehen, was bei meinem ersten Tor los ist.

Mit 36 Jahren sind Sie ja kein Digital-Native. Woher kommt Ihre Affinität zu den sozialen Netzwerken?

Gosdeck: Die Leute interessiert es, was in der Kabine passiert und wenn sie mal ein paar Fotos zu sehen bekommen, die von Spielern gemacht wurden. Ich bekomme sehr gute Resonanz darauf. Mir geht es selbst nicht anders, wenn ich mir beispielsweise die Seite von Lukas Podolski anschaue.

Danke für das Stichwort. Als Kölner sind Sie natürlich großer FC-Fan. Haben Sie schon Karten für Gastspiele der Kölner in der Umgebung?

Gosdeck: Nach Hoffenheim werde ich definitv fahren. Ich bin ja zum Glück FC-Vereinsmitglied, wie übrigens auch meine Frau und die Kinder seit ihrer Geburt...

Die hatten wohl keine Wahl...

Gosdeck: Nein. Wenn man in Köln geboren ist, dann gibt es keinen anderen Verein. Egal in welcher Liga der FC spielt, man geht dahin.

Der Saisonstart war ja schon mal vielversprechend.

Gosdeck: Drei Spiele, sieben Punkte − da greifen wir natürlich einen Champions-League-Platz an (lacht). Nein, wir sind ja jetzt realistisch. Mit einem einstelligen Platz könnten alle in Köln zufrieden sein.

In Heilbronn auch.

Gosdeck: Stimmt − und dazu vier Siege gegen Dresden.

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