Yannick Mayers Leben ist gebaut auf zwei Rädern
Der 30-jährige Möckmühler hat aus seiner Passion fürs Fahrrad auch ohne Tour oder Olympia Kapital geschlagen. Sein nächstes Ziel: Motocross.

Mit Wehmut hat sich Yannick Mayer die Olympischen Spiele in Tokio nicht angesehen. "Als Bahnradfahrer hätte ich es vielleicht mal dorthin schaffen können. Da verbringst du aber den Großteil der Zeit im Kraftraum. Dafür fahre ich einfach viel zu gerne Fahrrad", sagt der 30-jährige Möckmühler.
Kaum dass er laufen konnte, saß er schon im Sattel. Sein erstes Rad war ein Butterfly, das der kleine Yannick auf dem elterlichen Hof zweieinhalb Jahre malträtierte bis es schier auseinanderfiel. "Als Kind war ich praktisch nur auf zwei Rädern unterwegs", erinnert er sich. Ähnlich wie Papa Peter - nur dass der sich dem Motocross verschrieben hatte. "Das hat meine Mutter mir aber nicht erlaubt", erzählt Mayer junior.
Mit dem Mountainbike fing es an
Mit zwölf Jahren fuhr er also seine ersten Mountainbike-Rennen - für den VfR Waldkatzenbach im Odenwald. Weit ab vom Schuss. So dauerte es einige Zeit, bis die RSG Heilbronn auf das Talent aufmerksam wurde und ihn zum Straßenfahren brachte. "Fürs Mountainbike bin ich zu schwer gebaut. 60 Minuten konnte ich mithalten, aber mit zunehmenden Alter dauerten die Rennen immer länger."
Der Umstieg zum Heilbronner Bundesligateam verlief reibungslos. 2009 wurde er deutscher Vizemeister im Radcross und auf der Straße, startete bei der Junioren-WM in Moskau. Zudem schaffte er den Sprung ins U23-Nationalteam. Damit war sein weiterer Karriereweg Richtung Profitour praktisch vorgezeichnet. Doch Mayer erkannte schnell, dass die Leistungsdichte auf der Straße sehr hoch war und es Fahrer mit mehr Talent gab. "Außerdem lernte ich leider auch die schmutzige Seite des Radsports kennen", bedauert er. Für die U23 WM in Dänemark im Jahr 2011 wurde Mayer nicht nominiert, obwohl seine Saisonergebnisse besser waren als die nominierter Teamkollegen. "Da ging es um Verbandspolitik und nicht um Leistung. Daher sind wir dort nicht mit der besten Mannschaft am Start gewesen", sagt Mayer.

Diese Erfahrung war ein Grund dafür, dass er den folgenden Winter komplett in Belgien verbrachte, um sich im Querfeldein-Weltcup zu versuchen. Am Ende belegte er Rang 17. "Ich hatte mein absolutes Maximum gegeben. Das war das Limit. Fortan habe ich mir nicht mehr so einen Druck gemacht", erkannte er seine persönlichen Grenzen. Die Chance, Radprofi zu werden, bestand dennoch. "Aber nur als Wasserträger mit dem Mindestgehalt von 36.000 Euro."
Mayer entschied sich dagegen und nahm nach dem Verlassen der Sportfördergruppe der Bundeswehr ein Jurastudium in Würzburg auf. "Das war ein taktischer Schachzug. Damit lässt sich viel anfangen. Außerdem bestand keine Anwesenheitspflicht, so dass ich weiter Rennen fahren konnte." In seinem Studienjahr in Belgien absolvierte Mayer 93 Renntage. "Nicht mal halb so viele war ich an der Uni", sagt er lachend. Sein Examen hat er trotzdem geschafft. Als Jurist will er aber nicht arbeiten.
Mayer hat seinen Traumjob gefunden
Er hat seinen Traumjob bereits gefunden. Beim US-Fahrradkomponentenhersteller SRAM in Schweinfurt. Dort ist Mayer als Road Communication Coordinator tätig, fünf Sprachen spricht er fließend. "Mein ganzes Leben baut auf der Rennfahrerei auf. Ich habe dadurch so viele Freunde gewonnen, meinen Beruf gefunden", sagt Mayer. Nicht zu vergessen seine Freundin Sophie, eine Triathletin, die im Winter gemeinsam mit ihm im Cyclocross-Weltcup starten wird. 2022 will Mayer eine letzte Straßensaison für ein belgisch-ukrainisches Kontinental-Team bestreiten. "Dann gibt es nur Job und Radfahren", sagt er freudig. Der gesamte Jahresurlaub geht für die Rennen drauf.
Ende 2022 soll dann aber endgültig Schluss sein mit den Radrennen. Motocross reizt ihn. Die Mama kann es ihm nicht mehr verbieten.
BMX statt Four Cross
Dass es seit 2008 olympische BMX-Rennen gibt, beruht laut Yannick Mayer auf einem Missverständnis. Der Weltradverband UCI hatte beantragt, dass Four Cross ins olympische Programm aufgenommen werden sollte. Dort treten vergleichbar zum Skicross im Winter vier Moutainbiker gegeneinander an. International wird die Disziplin mit "4X" abgekürzt. Beim IOC wurde im Jahr 2003 darunter aber "BMX" verstanden und für 2008 in Peking erstmals ins Programm genommen. "BMX stand damals bei Null. Die UCI war wohl froh, dass der Radsport überhaupt berücksichtigt wurde", vermutet Mayer.

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