WM-Gold, der schönste Blickfang in Celine Rieders Wohnung
Mixed-Staffel-Weltmeisterin Celine Rieder trägt sich in das Neckarsulmer Gästebuch ein und nutzt den Besuch in ihrer zweiten Heimat, um alte Weggefährten zu treffen. Doch nach WM-Gold hat sich im Leben der 25-jährigen Freiwasserschwimmerin etwas geändert.

Für einen kleinen Umweg in die Neckarsulmer Sonnengasse ist noch Zeit. Dort hat Celine Rieder einst mit ihrer Schwimmkollegin Annika Bruhn ihre WG gehabt, ehe sie 2021 in die internationale Trainingsgruppe von Langstrecken-Bundestrainer Bernd Berkhahn nach Magdeburg gewechselt ist. Mitglied der Sport-Union Neckarsulm ist die 25-Jährige allerdings bis heute, startet bei Meisterschaften weiterhin für die SUN und hat sich am Sonntag bereits zum zweiten Mal in das Gästebuch der Stadt eingetragen. Diesmal als Weltmeisterin in der Mixed-Staffel über 4 x 1,5 Kilometer im überaus warmen Freiwasser vor Singapur.
Rieder: „Es ist schön die Anerkennung für das zu bekommen, was man geleistet hat“
Im Goldenen Buch der Stadt Magdeburg steht die Signatur von Celine Rieder und ihren Trainings- wie Nationalmannschaftskollegen Oliver Klemet, Isabel Gose und Florian Wellbrock ebenfalls schon. Ehrungen und Wertschätzungen, die gut tun. „Es ist einfach schön, die Anerkennung für das zu bekommen, was man geschafft und geleistet hat“, sagt Celine Rieder. Immer wieder blickt sie seit Juli in ihrer Wohnung auf das Goldstück oder ihren Silberling von der Europameisterschaft im Juni 2024 in Belgrad. Damals ist sie noch Beckenschwimmerin gewesen. Das Tollste aber sind „die ganzen Erinnerungen mit den Fotos, das ist Wahnsinn“, sagt Celine Rieder und strahlt.

Aus Zeitgründen schafft sie es meist nur einmal im Jahr ins Unterland. „Das klingt total wenig, aber man muss es erstmal einbinden“, sagt Celine Rieder, „allein die Fahrt nimmt einen halben Tag in Anspruch, in der Zeit kann ich schon nicht trainieren.“ Kommt die junge Frau dann doch, ist das Hallo umso größer und turbulenter. Neben ihrem ehemaligen Trainer Hannes Vitense ist diesmal auch Annika Bruhn samt Ehemann Lukas und dem fünf Monate alten Oskar gekommen. Treff ist das Haus von Stefanie Härdtner und Lars Härdtner-Sauselen. Sie haben Celine Rieder ein heimelig-familiäres Zuhause geboten, als diese mit 16 Jahren vom Internat in Saarbrücken ins Neckarsulmer Topteam gewechselt ist. Bis heute nennen sie das Freiwasser-Ass ihr „Schwimmkind“, die Bande sind nach wie vor eng. „Mahia und ich sind Halbschwestern“, meint Celine Rieder lachend über ihre ehemalige Teamkollegin und Freundin. Die 25-Jährige hat festgestellt, dass sie als einzige Aktive aus dem ehemaligen Topteam der Sport-Union übrig geblieben ist. „Aber ich war ja auch die Jüngste“, sagt Celine Rieder und weiß doch noch bestens aus den Leben der Anderen Bescheid.
Celine Rieder hat jetzt eine neue Nummer eins in ihrem Leben
Nach dem Erfolg von Singapur hat Celine Rieder ihre Prioritäten erstmal verschoben. Das Studium (Wirtschaftsingenieurswesen) hat in dieser Saison Vorrang. „Ich kann nicht nur schwimmen, ich brauche etwas, womit ich meinen Kopf ablenke“, sagt Rieder. Mit dem Bachelor hat der Doppelpack noch gut funktioniert, doch nun im Master sind die Inhalte ihres Fernstudiums technischer, was noch mehr Zeit erfordert. Weil ihr der akademische Weg schon immer wichtig gewesen ist, nimmt sich Celine Rieder die Zeit. Und Bernd Berkhahn? „Er ist sehr kooperativ. Er weiß, wie ich ticke, weil ich schon immer was nebenbei gemacht habe.“ Daher steht derzeit nur eine statt zwei Wassereinheiten am Tag an, auch an Land hat Celine Rieder reduziert. Ob sie es dennoch zur EM nach Paris schafft? Das schwirrt nicht durch ihren klugen Kopf: „Was kommt, kommt. Es bringt doch nichts, mit Druck zu arbeiten.“
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