Wie der Vater, so der Sohn: Hattons fahren Autocross
John-Mark und Joey sind leidenschaftliche Rennfahrer. Ihre Tourenwagen modifizieren sie in Eigenregie.

An den Wänden hängen Schraubenschlüssel. Auf dem Boden liegt der Wagenheber. Betritt man als Außenstehender die Garage von John-Mark Hatton (46) und seinem Sohn Joey (17) wird einem schnell klar, dass hier zwei leidenschaftliche Schrauber und Rennfahrer regelmäßig zu Werke gehen. In dem kleinen Raum stapeln sich verschiedenste Bauteile des gepflegten Motorsports, vom Auspuff bis hin zum Überrollkäfig ist alles vorhanden.
In der Mitte steht der für das Autocross umgebaute himmelblaue VW Polo, Baujahr 1999, von Joey. An dem Gefährt sind Schrammen und Beulen der vergangenen Autocross-Saison zu erkennen. Bei diesen Rennen geht man nicht zimperlich mit dem Material um. Der Kontakt von Blech zu Blech ist oft unvermeidlich. "Der besondere Reiz an diesem Sport ist es, auf losem Untergrund zu fahren. Die Kombination aus Wettkampf, Basteln und Gemeinschaft ist das, was uns beide für den Sport begeistert", so John-Mark, der auch Vorsitzender des AMC Künzelsau ist. Vater und Sohn fahren regelmäßig Saison-Rennen in unterschiedlichsten Klassen.
Rennmaterial
"Wir sind über Bekannte zu dem Sport gekommen", erzählt Vater John-Mark der Hohenloher Zeitung. "Ich solle einfach mal fahren, hieß es vor über zehn Jahren, und ich war sofort begeistert. Von da an war ich immer bei mehreren Autocross im Jahr dabei." Und Joey Hatton ergänzt: "Die Rennen werden auf recht kurzen, ein Kilometer langen Rundstrecken ausgetragen, die aus losem Untergrund wie Schotter, Erde oder Sand bestehen." Für die Autorennen im Sprintstil werden in den höheren Fahrklassen oft eigens angefertigte Buggy-Einsitzer verwendet.
Ein Großteil der aktiven Fahrer greift allerdings auf sogenannte Tourenwagen zurück. Dabei handelt es sich um normale Produktionswagen von einschlägigen Herstellern, die anschließend, meist in Eigenregie, modifiziert werden, um so für Rennen eingesetzt werden können.
Der VW Polo der Hattons ist genau so ein modifizierter Wagen. "Man nimmt ein Auto von der Straße und baut sämtlichen Komfort aus. Wir haben bei unseren beiden VWs die Rückbank und den Beifahrersitz entfernt, das meiste von der Innenausstattung und die Scheiben, eben alles, was splittern kann. Denn der Sport ist nicht komplett ungefährlich, auch wenn der Kontakt zwischen den Fahrzeugen verboten ist. Zusammenstöße lassen sich bei den Rennen nicht komplett vermeiden, aber zu schweren Verletzungen kommt es nur ganz selten. Die Fahrer sind gut festgezurrt, tragen Helm und Genickschutz", erklärt John-Mark Hatton.
Kostspieliges Hobby
Auf die Frage, was denn so ein Autocross-Gefährt an Zeit und Geld kostet, antworten beide: "Wir haben an unseren Fahrzeugen circa zwei Jahre gebaut. Manche Fahrer schaffen ihren Umbau auch in einem Winter. Grob geschätzt kann man sagen, dass eine Saison, inklusive Auto, in unserer Klasse etwa 5000 Euro kostet. Ersatzteile sind da nicht mit eingerechnet."
An einem Cross-Rennwochenende gehen meist zwischen 80 und 100 Fahrer in verschiedenen Kategorien, also Tourenwagen und Spezialbuggys der unterschiedlichen Fahrerklassen, an den Start. Solche Rennereignisse erstrecken sich meist über zwei Tage, wobei die Fahrer oft direkt vor Ort campieren und in ihren mitgebrachten Zelten übernachten. "Es ist eine eingefleischte Community. Tagsüber bekämpft man sich mit einem Messer zwischen den Zähnen auf der Strecke, aber am Abend nach den Rennen sitzt man zusammen am Lagerfeuer und trinkt Bier", meint John-Mark lachend.
Vereinsleben
Im Verein der Hattons, beim AMC Künzelsau, fahren augenblicklich acht Mitglieder aktiv Autocross-Rennen. Der Club zählt allerdings etwas über 200 Mitglieder. "Ich fahre dieses Jahr noch bei den Junioren, habe aber Ambitionen in der Deutschen Meisterschaft noch in eine höhere Klasse zu kommen", meint Joey stolz. "Ich werde den Golf von meinem Vater übernehmen und weiter alles geben. Mein Traum ist es, in der Klasse der Spezial-Buggys mit Allradantrieb zu fahren."

Joey schaffte in der vergangenen Autocross-Saison 2021 in der Klasse 2A der Junioren-Serientourenwagen bis 1400 ccm bereits den Sprung aufs Treppchen und holte sich den dritten Platz. Sein Vater John-Mark fährt einen Golf2 16V in der Klasse 3a und hilft noch gelegentlich den Rallyefahrern seines Vereins auf dem Beifahrersitz aus.
Auch Joeys jüngere Schwester ist schon beim Autocross dabei. Mit 15 Jahren beginnt sie bereits mit dem Training und scheint keine Spur weniger begeistert als ihr großer Bruder. Für das Vater-Sohn-Gespann können die ersten Rennen der Saison 2022 jedoch gar nicht schnell genug kommen.
Stichwort: Damit ein Autocross-Fahrzeug so leicht wie möglich bleibt, wird in der Regel sämtlicher unnötiger Ballast ausgebaut. Denn für die engen, kurvigen Kurse sind die Fahrzeuge auf schnelle Beschleunigung ausgelegt. Die Fahrzeit eines Autocross-Rennlaufes beträgt meist zehn Minuten, allerdings werden auch Langstreckenrennen durchgeführt, bei denen die Renndauer die 60 Minuten-Marke überschreiten kann.
Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Autocross-Rennen allerdings weniger entscheidend. Nur selten werden während der Rennen Geschwindigkeiten von mehr als 110 Kilometern pro Stunde erreicht. Für die rund 100 PS des VW Polo von Joey Hatton ist das faktisch gar kein Problem.

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