Wenn Rugby-Novizen auf Nationalspieler treffen
Elftes Siebener-Turnier in Obereisesheim bildet alle Facetten des Sports ab. Der SC Neuenheim siegt bei den Frauen und Männern, beim Turnier schauen auch die wichtigsten Rugby-Funktionäre des Landes vorbei.

Im Drumherum wirkt das größte Siebener-Rugbyturnier Deutschlands in Obereisesheim immer wie eine Freizeitveranstaltung. Mehr Festival als Sport. Mehr Party als Wettkampf. Tatsächlich bildeten die "Professionalerp-Sevens" aber bei ihrer elften Auflage am vergangenen Wochenende einmal mehr einfach alle Facetten des Sports in Deutschland ab.
Das bringt Charme in die Sache
Da nimmt erstmals ein Hobbyteam des Bau-Bildungszentrums in Geradstetten teil. Statt einer Fußball- oder Jogging-Betriebssportgruppe hat sich dort ein Rugby-Mitarbeiterteam gefunden. Diese absoluten Novizen bekommen in Obereisesheim die Möglichkeit, gegen gestandene Bundesligateams mit Nationalspielern in ihren Reihen anzutreten. In welcher anderen Sportart ist so etwas möglich? "Das macht den Charme dieses genialen, gut organisierten Turniers aus", sagte Harald Hees.
Der Vorsitzende des Deutschen Rugby-Verbandes war ebenso in Obereisesheim zu Gast wie 15er-Nationaltrainer Mark Kuhlmann, Landesvorsitzender Claus-Peter Bach und Rugby-Bundesliga-Vorstand Kai Nagel. Für ein unbedeutendes Hobbyturnier wäre das Who is Who des deutschen Rugbys sicher nicht angereist.
In der Spitze, sprich bei den vier Teilnehmern an der deutschen Siebener-Meisterschaft in zwei Wochen in Heidelberg, wurde das Turnier als Standortbestimmung sehr ernst genommen. Wenig überraschend war das Quartett ab dem Halbfinale dann auch unter sich. Im Endspiel siegte schließlich der SC Neuenheim gegen den SC Germania List. "Das gibt uns einen zusätzlichen Schub für die deutsche Meisterschaft", sagte Neuenheims Kapitän Oliver Paine. Der gebürtige Waliser ist 15er-Nationalspieler, daher liegt sein Fokus natürlich zuallererst auf dieser Rugby-Variante. "Das Siebener fördert die Fitness, die individuellen Fähigkeiten und bringt auch wieder die richtige Mentalität in den Kopf. Ich freue mich immer auf die Sommerrunde. Für mehr bin ich schon zu langsam und zu alt", sagt der 30-Jährige.
WM und Olympia als das große Ziel
Mehr würde bedeuten, dem Kreis des Siebener-Nationalteams anzugehören. Die Spieler des Wolfpack von Nationaltrainer Clemens von Grumbkow stecken bereits in der Vorbereitung für das WM-Qualifikationsturnier Anfang September in Südafrika. "Ich sehe gute Chancen, dass wir uns mit der aktuellen Mannschaft erstmals für einen World Cup qualifizieren", zeigte sich DRV-Boss Hees optimistisch. Das ganz große Ziel ist natürlich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024. "Das wird äußerst schwierig, würde der Sportart aber einen ungeheuren Schub geben", sagte Hees.
Den erhofft sich auch die gastgebende Sport-Union Neckarsulm mit Blick auf die neue Zweitliga-Saison. Als Fünfter des Heimturniers musste man sich nur den vier DM-Teilnehmern geschlagen geben. "Wir haben aber gerade gegen die RG Heidelberg ein Topspiel abgeliefert", sagte Stürmer Marcel Kapolla.
Bei den Frauen gewann ebenfalls das Team des SC Neuenheim.
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