Wasserfreunde Gemmingen können Ausfall ihres Top-Torschützen im Derby nicht kompensieren
Gemmingen muss im Derby gegen Heilbronn auf den gesperrten Nils Feidengruber verzichten. Der Center leidet während eines spannenden Spiels am Beckenrand.

Nils Feidengruber ist an diesem Abend ein gefragter Mann. Es hat mit seiner ungewohnten Rolle zu tun, dass der 40-Jährige von allen Seiten angesprochen wird. Statt als Center der Gemminger Wasserballer im Becken zu sein, steht Feidengruber mit kurzer Hose, T-Shirt, Brille und einem Bier in der Hand am Rand, verfolgt das Verbandsliga-Derby der Wasserfreunde gegen die SSG Heilbronn als Beobachter. "Was ist los?", fragt ein Zuschauer. "Gesperrt", antwortet Feidengruber kurz.
Den Center wurmt, dass er im Derby, in dem es auch um den Klassenerhalt geht, nicht mitmischen, den Kollegen nicht helfen kann. Bei der klaren 10:23-Pleite der Wasserfreunde gegen Zuffenhausen drei Tage zuvor hat er eine Rote Karte kassiert. "Für was?", will ein anderer Zuschauer wissen. "Für was auch immer", gibt Feidengruber den Ahnungslosen. Im Derby auszusetzen: eine echte Strafe. Wie sehr der Center den Wasserfreunden fehlt, zeigt sich gegen Heilbronn: 13:14 (3:8, 2:2, 5:3, 3:1) verlieren die Gastgeber ein emotionsgeladenes, umkämpftes und am Ende noch spannendes Derby vor gut 80 Zuschauern.
Center-Rolle wird auf vier Schultern verteilt
Das schmerzt doppelt, längst nicht nur den zum Zuschauen verdammten Center, der mit 59 Treffern aus 14 Spielen immerhin der viertbeste Torschütze der gesamten Liga und für ein Drittel aller Gemminger Tore verantwortlich ist. Seine im Schnitt vier Treffer fehlen, gegen Heilbronn sollen Nils Bär und Sven Waldmann sich die Rolle des Centers teilen, sie kommen zusammen am Ende auf drei Treffer.
Bär sorgt mit dem 1:0 im ersten Angriff für einen guten Start. In der Folge legen die Gemminger vor, Heilbronn zieht nach. Bis zum 3:3 geht das so - danach verlieren die Wasserfreunde den Faden. Bringen nichts mehr zustande, während die Gäste Tor um Tor davonziehen.
Zwei Rote Karten und zu viel Hektik im Abschluss
3:8 steht es, als kurz vor der ersten Viertelpause Gemmingens Stephan Kölmel und Heilbronns Moritz Plenefisch nach einem Zweikampf inklusive Wortgefecht duschen gehen dürfen. "Der Schiedsrichter wollte Ruhe damit reinbringen, das war schon okay", zeigt Kölmel später frisch geduscht und abgekühlt sogar Verständnis für die Roten Karten.
Dass seine Wasserfreunde den Rückstand bis zur Halbzeit nicht weiter anwachsen lassen, ist das eine. Dass es bei fünf Toren Rückstand (5:10) bleibt, das andere. "Wir sind viel zu nervös, schließen zu schnell ab", sagt Wasserwart Kölmel. "Das Fehlen von Nils merkt man uns extrem an." Das Spiel sei zwar nicht entschieden, könnte auch noch kippen, sagt Kölmel. "Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Sache heute rum ist."
Heilbronn ärgert sich - und Gemmingen auch
Er liegt falsch. Und auch wieder nicht. Gemmingen kommt nach der Pause zurück. Langsam. Stück für Stück kämpfen sich die Gastgeber heran - zur Freude der meisten Zuschauer, die das lautstark abfeiern und das Derby damit anheizen. Und zur Freude von Nils Feidengruber, dem das Zuschauen nicht liegt. Besonders in der Schlussphase wird es beinahe unerträglich. Gemmingen ist auch dank seines überragenden Keepers Stephan Quast tatsächlich bis auf ein Tor an Heilbronn herangekommen, greift ein letztes Mal an. Doch statt ins Tor zu gehen, klatscht der Ball drei Mal in Folge ans Aluminium - in der letzten Sekunde an den Innenpfosten. 13:14 - verloren. Wie ärgerlich.
Doch auch Heilbronns Trainer Patrick Färber ärgert sich. "Wir hätten deutlicher gewinnen müssen, haben es unnötig knapp gemacht." Die Ausschlüsse - Mostafa Elharbi sah noch Rot - hätten sein Team aus dem Konzept gebracht. "Die waren schwimmerisch platt", hatte auch Nils Feidengruber beobachtet. "Ein Remis wäre für beide Seiten okay gewesen." Mit ihm, da waren sich alle sicher, hätte das auch geklappt. Mindestens.
Wasserfreunde: Stefan Quast - Daniel Haag (3), Sven Waldmann (2), Karsten Schreyer (2), Patrick Mach (2), Jonas Ebert (2), Nils Bär (1), Ralf Bär (1), Timo Drefs, Ulrich Schelle, Patrick Naumann, Stephan Kölmel, Patrick Siegmann.
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