Vor 60 Jahren fand die erste Unterländer Sportlerwahl statt
Bis heute ist die Wahl zum Unterländer Sportler des Jahres ein beliebtes Format. Am 5. Januar 1959 werden die ersten Sieger in der Mönchseehalle - eingebettet in die Stimme-Sport-Schau - vor 1200 Zuschauern gewürdigt.

Sein Händedruck ist wie seine Statur: kernig kräftig. Eben so, wie es sich für einen Diskuswerfer gehört. Otto Koppenhöfer ist 1958 Deutschlands Bester. International vertritt der Heilbronner die Region sogar bei Länderkämpfen.
Das beeindruckt die Sportfans, sie wählen den damals 24-Jährigen zum ersten Unterländer Sportler des Jahres. Mit 3469 Stimmen liegt der Leichtathlet der TG Heilbronn klar vor Rollkunstlauf-Weltmeister Karl-Heinz Losch und Neckarsulms Tischtennis-Ass Heinz Harst.
Bis heute ist die Wahl ein beliebtes Format

Die ersten Gratulanten sind Hermann Schwerdtfeger, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, und Chef vom Dienst Karl Hohmann. Die Aktion, die der Verlag im Dezember 1958 ins Leben ruft, wird zum Dauerbrenner. Bis heute ist die Wahl zum Unterländer Sportler des Jahres ein beliebtes Format. Am 5. Januar 1959 werden die Sieger in der Mönchseehalle - eingebettet in die Stimme-Sport-Schau - vor 1200 Zuschauern gewürdigt.
Mehr als doppelt so viele möchten gerne Karten haben, und wenn es nur die Stehplatz-Tickets für 1,50 D-Mark sind.
Sechs Jahrzehnte später lebt Otto Koppenhöfer nur noch in der Erinnerung der Leichtathleten, die Wahl jedoch hat nichts an ihrer Attraktivität verloren. Am 7. Februar werden die Besten aus 2018 beim Fest des Sports geehrt.
Non-Stop-Sport-Revue als Publikumsmagnet
Eine gute Idee. Weil auch die Non-Stop-Sport-Revue, wie die Veranstaltung schon im Vorfeld im Sportteil der Heilbronner Stimme angekündigt wurde, ein Volltreffer ist. Aus den Stimme-Sport-Schauen wird schnell mehr, schlicht ein gesellschaftliches Ereignis, das Schlagzeilen macht. Und das nicht nur in der Region.

Da verwundert es nicht, dass das Event in die Harmonie umzieht. Lothar F. Strobl, ehemaliger Ressortleiter Sport, erinnert sich gar zu gut an die glanzvollen Zeiten. "Teils ist sogar erheblicher Sachschaden entstanden, weil sich die Leute um die Karten gebalgt haben", sagt der 90-Jährige. Seine Ehefrau Irene erinnert sich, dass auch bei ihr zu Hause immer wieder das Telefon geklingelt hat, "weil die Karten so gefragt waren".
Der Grund ist simpel. Die Zuschauer bekommen viel geboten. Wie 1971 Hochspringen auf der Harmonie-Bühne. "Der Chefredakteur hat mich für verrückt erklärt", sagt Lothar F. Strobl, "er hat es nur genehmigt, weil beim Probespringen vorab alles gut gegangen ist."
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Auch am Abend klappt es. Und wie. Mit 2, 21 Metern springt Lothar Doster, zuvor zum Unterländer Sportler des Jahres gekürt, eine gesamtdeutsche Hallen-Bestleistung.
Lengedärer Auftritt der Cáslavská
Und dann wäre da noch der legendäre Auftritt von Vera Cáslavská. Die Turn-Olympiasiegerin aus der ehemaligen Tschechoslowakei begeistert mit ihrer Kür und Lothar F. Strobl sagt nicht ohne Stolz: "Wir haben den Heilbronnern den Weltsport in die Stadt gebracht. Das war ein Ereignis, so jemanden hierher zu bringen."
Dafür hat es schon damals reichlich Raffinesse gebraucht. Der clevere Journalist Strobl schafft es einst auf seine Weise. Er lädt den tschechoslowakischen Turn-Präsidenten ein. Gänzlich geschmeichelt, erlaubt er daher auch, dass sein Star auftritt. Worüber Lothar F. Strobl noch heute schmunzelt: Der Herr Präsident hat sich nach der Veranstaltung im damaligen Kaufhaus Merkur eine Lederjacke gekauft. Sie war sein ganzer Stolz.
Die Stimme-Sport-Schauen sind ein Hit. Und doch nicht ohne Makel. In der Harmonie platzt für den Buben Harry Mergel eine Illusion. Heilbronns heutiger Oberbürgermeister ist als Steppke mit dabei - und beobachtet hinter den Kulissen, wie asiatische Kämpfer "vorher ihre Bretter leicht angesägt haben".
Was er nicht live sieht, ist, wie Paul Meyle, einer seiner Vorgänger als OB, 1959 das Prominenten-Elfmeterschießen gewinnt - und strahlend den Riesenpokal mit seinem Sohn Rüdiger davonträgt.
Stimme.de
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