Unterländer Tobias Drachler holt als EM-Vierter das Hawaii-Ticket
Der Obereisesheimer Tobias Drachler glänzt überraschend beim Ironman in Frankfurt Jetzt ist der 28-Jährige bei der Weltmeisterschaft in Hawaii als Profi dabei.

Später gab es einen Weißwein zur Belohnung, da war es dann schon Abend. Doch erstmal lag Tobias Drachler im Rot-Kreuz-Zelt flach. Er musste sich übergeben. "Ich war ordentlich dehydriert." Kein Wunder, die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt war eine Hitzeschlacht gewesen.
Bis zu 37 Grad im Schatten maßen die Thermometer am Sonntagmittag. Aber es gab kaum Schatten für die Triathleten. Drachler, der Mann aus Neckarsulm-Obereisesheim, trotzte den brutalen Bedingungen, wurde Vierter.
Ein unglaublich gutes Ergebnis. Ein unerwartetes Ergebnis. So nah dran an Sieger Jan Frodeno und dem EM-Zweiten Sebastian Kienle, zwei absoluten Weltstars, die schon die Ironman-WM in Hawaii gewonnen haben. Frodeno zwei Mal, Kienle 2014. "Ein Platz in den Top 15" war Tobias Drachlers Ziel. "Auf die Top 10 hatte ich gehofft." Aber Vierter? "Eine riesengroße Überraschung", "überragend".
Im Oktober steht nun der Höhepunkt Hawaii an
Es war für den 28-Jährigen erst das zweite Langdistanz-Rennen nach dem Ironman in Barcelona 2018. Nun, dank famosen 3,8 Kilometern Schwimmen, 185 Kilometern auf dem Rennradsattel und dem abschließenden Marathonlauf, darf Drachler sein Sport-Jahr umplanen. Platz vier bei der Europameisterschaft (in 8:23,57 Stunden) brachte ihm das Hawaii-Ticket. Er wird im Oktober in Kona dabei sein, beim mythenumrankten Ironman-Wettkampf schlechthin. Es ist ein elitärer Kreis, zu dem sich der in Köln lebende Obereisesheimer zählen darf. Bislang haben lediglich elf deutsche Triathlon-Männer das Startrecht.
Tobias Drachler ist jetzt "dabei, Flüge zu suchen". Auch um eine Unterkunft muss er sich kümmern.
Plötzlich kam das. Aber es ist eine perfekte Bestätigung für den Plan, das Triathlondasein professionell zu betreiben. "Mein Trainer und ich hatten dieses Jahr als wegweisend angesehen, um zu schauen, ob ich gut genug bin, um als Profi leben zu können. Das Ergebnis in Frankfurt hat der Sache nochmal ganz neuen Schwung gegeben."
Die Großen der Branche, die Hawaii-Triumphatoren wie Frodeno, Kienle oder der zuletzt zwei Mal in Kona erfolgreiche Hesse Patrick Lange, den Drachler in Frankfurt hinter sich ließ, verdienen mit dem Sport sehr viel Geld. Frodeno ist zum Millionär geworden. Wer in Kona mehrfach top ist, hat Dutzende von Sponsoren, darunter weltweit agierende Großkonzerne.
Bislang hat er mit dem Sport nichts verdient
Die Triathlonwelt von Tobias Drachler war bisher eine ganz andere: "Man wird in der 3. Reihe gar nicht wahrgenommen." Kosten und Ertrag des Sports waren für ihn ein Nullsummenspiel. "Oder man musste sogar noch drauflegen."
Jetzt hat der Obereisesheimer eine Türe aufgemacht, steht an der Schwelle zu den Großen. Die Quälereien der Vergangenheit haben sich gelohnt. Emotional schaut Drachler zurück: "Bedanken möchte ich mich bei den Neckarsulmer Triathleten, die mich so unterstützt haben, wo ich mich entwickeln konnte." Im Zweitligateam der Neckarsulmer Sport-Union war er einst dabei. "Geil, dass es die Mannschaft in die Bundesliga geschafft hat."
Ihn hat das Studium nach Köln gebracht. Sportwissenschaftler ist Tobias Drachler, einer, der viel Ahnung hat von Trainingssteuerung. Doch dass das Training zu einem derart starken Ergebnis bei der Ironman-EM führen würde, war wissenschaftlich nicht vorherzusagen.
Jetzt heißt's: Auf nach Kona!
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