Über dem Fest des Sports stehen die Spiele in Tokio
Das "Fest des Sports" ist wieder ein beliebter Treffpunkt gewesen. Weit mehr als 400 Gäste sind am Donnerstagabend gekommen, um bei der Proklamation der Unterländer Sportler des Jahres dabei zu sein, Anekdoten, Wissenswertes und Buntes eines besonderen Abends.
Olympia-Teilnahme 2024, davon träumt Kanute Yannik Pflugfelder, der bis zum Herbst für die TSG Heilbronn startete. Die Olympischen Spiele im Sommer sind allerdings auch ein Thema. Am Frühstückstisch oder beim Abwasch. Mittlerweile studiert Yannik Pflugfelder in Essen, sein Mitbewohner in der Zweier-WG ist Doppel-Olympiasieger Max Rendschmidt. Der 26-Jährige gewann in Rio im K 2 und K 4 über 1000 Meter Olympia-Gold. "Bei ihm dreht sich gerade alles um Olympia und Tokio", sagt Pflugfelder über Rendschmidt.
Der Heilbronner ist vom Stützpunkt Karlsruhe nach Essen gewechselt, startet für die dortige KG. "Ich hab gemerkt, ich komme in Karlsruhe nicht mehr voran. Der Formaufbau hat nicht gepasst", sagt Pflugfelder über den Umzug. In seiner neuen Trainingsgruppe geben Olympiasieger das Tempo vor: "Da ist man gefordert." Für Pflugfelder geht es in seinem finalen U 23-Jahr um die Qualifikation für die WM in Brandenburg: "Das ist mein großes Ziel." Dafür fliegt er nächste Woche nach Florida zum Warmwasserlehrgang. Vor dem Fest des Sports am Donnerstagabend war der Heilbronner mal wieder auf dem Neckar paddeln. "War auch mal wieder schön."
Für viele staunende Augen sorgte Andreas Axmann, der mit seiner iPad-Zaubershow die Zuschauer überraschte. Axmann lässt Dinge in seinem Tablet verschwinden und wieder auftauchen. Alles reine Illusion. Axmann war wohl der einzige im Saal, der weder Sport treibt, noch sich dafür interessiert. "Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit Sport gar nix am Hut", sagt der 34-Jährige. Trotzdem gibt es viele Parallelen: "Was für den Zuschauer fünf Minuten auf der Bühne sind, das sind zwei, drei Jahre harte Arbeit für mich." Auch im Zaubern gibt es viele Disziplinen, jede Menge Training und Übung sind nötig, um ein Meister seines Fachs zu werden und zu bleiben. "Man trifft sich mit Kollegen, tauscht sich aus", sagt Axmann: "Ein guter Magier verrät seine Tricks aber nicht öffentlich. Das wäre ja langweilig."
Durch die fortschreitende Digitalisierung wird es für den Künstler immer schwieriger, sein Publikum zu beeindrucken. "Vor zehn Jahren hat es gereicht, das Tablet nur aus der Tasche zu holen. Da haben die Leute schon gestaunt", sagt er. Axmann arbeitet gerade an einer neuen Show mit Industrierobotern. Dabei geht es um Mensch, Maschine, künstliche Intelligenz. Für den Berliner ist nicht seine Heimat die deutsche Hauptstadt der Magie, sondern Stuttgart. "Der Schwabe zaubert gerne. In Stuttgart gibt es die größte Zauberszene des Landes", sagt er. Aus wenig viel machen, ja das kann der Schwabe halt.
Was trägt Mann, was Frau anlässlich eines sportlich-gesellschaftlichen Events wie dem "Fest des Sports". Das ist nicht erst seit der Veranstaltung 2018 ein Thema, als Schwimm-Ass Henning Mühlleitner für seinen modern geschnittenen Anzug mit Fliege fast eben so viel Beifall erhält wie für die Wahl zum Unterländer Sportler des Jahres. Diesmal gratulierte er seinem Nachfolger und Vereinskameraden Fabian Schwingenschlögl. Obwohl Mühlleitner nicht auf der Bühne stand, glänzte er erneut top gekleidet - mit Fliege. "Ich bin schon jemand, der zu einem festlichen Abend etwas Schönes anzieht und sich ein wenig herausputzt", sagt Mühlleitner und ergänzt augenzwinkernd: "Schließlich sind auch wichtige Leute da, da muss man ja gut aussehen. Das ist etwas anderes, als nur in der Badehose rumzuschlurfen." In seinem Kleiderschrank hängen nur zwei Anzüge. Doch der Kraul-Spezialist hofft, in diesem Jahr kommt ein dritter hinzu: einer mit Anstecker auf dem die olympischen Ringe prangen. Es wäre ein Teil des Outfits für Tokio.
Auch Nadine Laemmler - in der Kategorie Mannschaft mit der Mixed-Lagenstaffel der NSU auf Platz eins - zeigte sich laufstegreif: die modebewusste Schwimmerin trug Hut. Chapeau! Sonst war in der Kreissparkasse jeder Dresscode zu sehen - bis hin zum Schlabberlook. Top gekleidet wäre auch Jana Kopp erschienen. Doch die ehemalige Vizeweltmeisterin im Rollkunstlauf sagte ab. Sie weilt dieser Tage in Lissabon. Dort nimmt die 28-jährige Abteilungsleiterin und Trainerin des REV Heilbronn an einem internationalen Seminar teil und absolviert Teil eins der Ausbildung zur World-Skate-Trainerin. Kopp wurde vom Deutschen Rollsport- und Inline-Verband als Ansprechpartnerin für den internationalen Dachverband in Süddeutschland auserkoren. "Das ist eine große Ehre für Jana", sagt REV-Funktionärin Sigrid Seeger-Losch.
Mit einem Termin im Hinterkopf verabschiedete sich Herbert Tabler. Der Vorstand der TG Böckingen erfuhr beim "Fest des Sports", dass sich am 6. und 7. Dezember ein sportlicher Erfolg zum 40. Mal jährt. Am Wochenende des Nikolaustages 1980 wurde die Turn-Kooperation KTV Heilbronn/Neckarsulm, zu der auch Böckinger Athleten zählten, deutscher Mannschaftsmeister. "Das hab ich noch gar nicht auf dem Schirm gehabt, da muss ich mir etwas einfallen lassen", sagte Tabler. "Wir waren damals der Ausrichter in unserer Halle auf der Schanz. In der Nacht auf Samstag hatte es erst viel geschneit, dann kam der Föhn. Morgens stand in der Halle das Wasser, weil das Dach undicht war." Doch die TGB-Helfer leisteten ganze Arbeit. Lohn war der deutsche Meister-Titel durch Eberhard Gienger und Co.
Platz zwei bei den Männern durch Dustin Uhlig und ein dritter Rang von Marathon-Ass Isabel Leibfried, da strahlt Peter Schramm, Sportlicher Leiter der TSG Heilbronn übers ganze Gesicht. "Ich bin freudig überrascht über unser gutes Abschneiden", sagt der einstige Macher des Hochsprung-Meetings in Eberstadt. "Seit vielen Jahren war die Leichtathletik bei der Unterländer Sportlerwahl nicht mehr so erfolgreich. Das spornt die Athleten an."
Motivation für Topleistungen gibt es für die regionalen Sportler auch 2020 reichlich. Das gilt in besonderem Maße für diejenigen, die sich für den Sommer Hoffnungen auf eine Olympia-Teilnahme machen dürfen. Den Flug nach Japan bereits gebucht hat Red-Devils-Ringer Eduard Popp. Der Schwergewichtler sicherte sich das Ticket für Tokio im September als Fünfter der WM. Mit auf die Reise zu seinen zweiten Olympischen Spielen gehen Ehefrau Annika, Sohn Jakob sowie Töchterchen Lilien. "Ich bereite mich unter anderem auf internationalen Turnieren vor", sagt Popp. Die Teilnahme an den Europameisterschaften im Frühjahr in Rom passt dagegen nicht in den Trainingsaufbau für den Höhepunkt.
In der Schwimm-Abteilung der Neckarsulmer Sport-Union stehen gleich mehrere potenzielle Olympioniken Schlange. Annika Bruhn sollte es zu ihren dritten Sommerspielen schaffen. Auch Brust-Spezialist Fabian Schwingenschlögl ist ein Kandidat für den Flug nach Tokio. "Ich denke, ich habe ziemlich gute Chancen", strahlt auch Rücken-Ass Nadine Laemmeler Zuversicht aus. Henning Mühlleiter hofft ebenso: "Den Traum von Olympia habe ich noch nicht aufgegeben." Trotz seiner gesundheitlichen Rückschläge in der vergangenen Saison bleibt Tokio eine reizvolle Option. Klappt es nicht, dann halt vier Jahre später in Paris. Mitglied im Perspektivteam für 2024 ist er ja schon. Spätestens dann sollten auch Celine Rieder und Daniel Pinnker in Olympia-Form sein. Das Aquatoll-Sportbad als olympische Medaillenschmiede? Möglich ist alles.
Seine Freundin hatte Dustin Uhlig am Donnerstagabend nicht dabei. "Sie hat am Nachmittag noch eine Klausur geschrieben, es ist zu spät geworden", sagte der Zweitplatzierte der Wahl bei den Männern. Seit einem Dreivierteljahr wohnt der Ausdauerathlet nun mit Sprinterin und Dreispringerin Olivia Tzschach in Heidelberg zusammen und schwärmt ganz unromantisch von den Synergieeffekten. "Es ist einfacher, wenn man sich auch im Alltag sieht, so muss man sich nicht extra Zeit nehmen." Was zwischen Studium und Training sonst gar nicht so leicht ist. Beide betreiben einen hohen Aufwand, um ihren Sport auf diesem Niveau aufrechtzuerhalten. Umso schöner seien dann Auszeichnungen wie jene beim Fest des Sports, als Uhlig mit Platz zwei "völlig überrascht" wurde. "Eine große Ehre, besonders wenn man sieht, wer noch auf der Bühne stand." Auch Freundin Olivia war bereits nominiert. "Aber ich glaube, auf die Bühne hat sie es bisher noch nicht geschafft. Aber sie darf gerne nachziehen und auch Erste sein." Falls das nicht klappt: Seine Nummer eins ist sie sowieso.
Zärtliche Bande zwischen Sportlern und Athletinnen sind längst Normalität. Dies beweist auch ein Blick ins Neckarsulmer Sportbad. Da wären das Trainer-Ehepaar Mattika und Christian Hirschmann oder Fabian Schwingenschlögl und Nadine Laemmler. Es sollen aber nicht die beiden einzigen Mixed-Doppel in der Schwimmabteilung sein. Die familiäre Atmosphäre wird bei der Sport-Union wörtlich genommen. Weitere Namen werden aber an dieser Stelle nicht ausgeplaudert - Privatsphäre gilt auch im Sport.
Die A-Junioren des VfB Eppingen gehörten in der Kategorie Mannschaft des Jahres zu den acht Nominierten - schließlich waren sie nach dem Titel im Jahr zuvor auch 2019 ins Finale um die deutsche Futsal-Meisterschaft eingezogen und nur knapp gescheitert. Dennoch: Es reichte zu Platz sieben bei der Wahl. Weniger herausragend: Ein Vertreter des VfB war am Donnerstag nicht gekommen. Wirklich? Naja, Ciaran Fleck tauchte irgendwann aus der Masse auf. Der Spieler der Verbandsliga-Mannschaft war aber inkognito da, nicht als Fußballer, sondern in seiner Funktion als Freund von Springreiterin Larissa Heinzmann, die wiederum die Schwester von Dreispringerin Aliena Juliette Heinzmann ist. Ein einsamer Vertreter des VfB also, der gar keiner war. Zumal: "Ich habe Halle noch nie gemocht", gestand Fleck, der seine A-Jugendzeit nicht in Eppingen, sondern bei Waldhof Mannheim verbracht hat. Den Besuch beim Fest des Sports muss man dem 23-Jährigen trotzdem hoch anrechnen: "Es ist sein einziger freier Abend die Woche", sagt Freundin Larissa, die Fleck in Zeiten der Vorbereitung selten sieht.
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