DTB-Pokal in Stuttgart: Das seltene Heimspiel von Milan Hosseini aus Flein
Der DTB-Pokal ist für Milan Hosseini von der TG Böckingen eine Chance, neue Elemente zu präsentieren. Das nächstes Ziel ist dann die EM-Qualifikation.

Nach drei Stunden konzentrierter Arbeit räumt Milan Hosseini am Dienstagabend erst einmal seine Siebensachen zusammen. Noch steht er in der Turnhalle des Bundesstützpunktes in Berlin und telefoniert. Noch hat er nichts gegessen, und noch hat er nicht für seine nächste Reise gepackt. In diesen Wochen ist Milan Hosseini ein Globetrotter in Sachen Turnen. Ständig unterwegs. Kienbaum. Cottbus. Baku. Berlin. Nun Stuttgart. Ob Trainingslager oder Starts beim Weltcup, "das Reisen ist schon stressig", sagt der 22-Jährige. Doch: Die Erfahrungen, die er an jeder einzelnen Station aufsaugt und daraus lernt, sind es ihm wert.
Am Mittwoch ist Milan Hosseini von der TG Böckingen mit seinem Trainer Brian Gladow im Auto von der Bundes- in die Landeshauptstadt gefahren, um am Sonntag (14.30 Uhr bis 17.30 Uhr) beim Mixed-Cup im Rahmen des DTB-Pokals in der Porsche Arena dabei zu sein. Ein Auftritt, der sich kurzfristig ergeben hat. Das Format, bei dem Männer und Frauen in einem Team gegen andere Nationen antreten, gibt es nur in Stuttgart. Für das Mitglied des Sporthilfe Perspektivteams ist es eine weitere Möglichkeit, neu integrierte Übungsteile unter Wettkampfbedingungen zu testen. Einschleifen und automatisieren ist in seinem Sport wichtig, denn in der Weltelite entscheiden Details zwischen Final-Einzug oder Hängenbleiben in der Qualifikation.
Einbau von neuen Elementen
Milan Hosseini weiß um seine Aufgaben. Mehr noch: Der Sportsoldat hat einen klaren Plan, verfolgt eindeutig umrissene Ziele. "Ich habe noch einiges zu tun, will noch einiges schaffen", sagt der junge Mann aus Flein und meint Elemente, die er an diversen Geräten in seine Kür einbauen mag und muss. Mit dem alleinigen Sinn, ein noch wertvollerer Punktesammler zu werden.
Zu Jahresbeginn hat Milan Hosseini mit Valeri Belenki ein Gespräch geführt, in dem ihm der Bundestrainer für jedes Gerät seine Vorstellungen dargelegt hat. Milan Hosseinis Traum ist und bleibt, bei den Olympischen Spielen in Paris dabei zu sein. Utopisch ist er e nicht, doch ohne Konkurrenten ist er ebenfalls nicht. Überhaupt: "Ich kann im Vorfeld so viel reden, wie ich will. Es kommt auf die Wettkämpfe an", sagt Hosseini. Im Klartext: Wenn es gilt, muss er zeigen, dass er besser ist.
Pünktchen, die sich summieren
Daher hat der Unterländer Sportler des Jahres am Seitpferd einen neuen Abgang, am Reck ein neues Teil eingebaut und an den Ringen ein Detail verändert, das bisher wegen seiner Schulteroperation nicht möglich gewesen ist. Hier noch eine halbe Schraube mehr, dort ein Element in gebückter, statt in gestreckter Ausführung - Pünktchen, die sich summieren. Und vielleicht schon in Stuttgart am Wochenende sichtbar werden.
Danach wird es für kurze Zeit etwas ruhiger. Die Chance für einen Besuch in der Heimat. Endlich mal wieder die Familie sehen, die Geschwister. Sie geben Milan Hosseini nicht nur Halt, sie sind trotz der Entfernung weiter ein wichtiger Baustein. Dreieinhalb Wochen Alltag, ja auch darauf freut sich ein Leistungssportler mitunter. Bis am 11. April dann im brandenburgischen Kienbaum die Qualifikation für die Europameisterschaften ansteht. Die besten Fünf sind Ende April in Italien dabei, ein weiterer Turner erhält einen Einzelstartplatz.
Zwei Jahre ging es stetig bergauf
Auf diesem Wege ist Milan Hosseini vor mittlerweile elf Monaten in Antalya überraschend EM-Dritter am Boden geworden. "Es freut mich ungemein, dass es in den vergangenen zwei Jahren nur bergauf gegangen ist. Hoffentlich kann ich den Schwung weiterhin mitnehmen. Es ist super zu sehen, dass ich Fortschritte mache", sagt Milan Hosseini und lächelt: "Ich spüre, dass ich noch einiges draufpacken kann."
Das mag er zeigen. In jedem einzelnen Wettkampf, am liebsten allen in der Welt des Turnens.
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