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Wenn in Frankenbach die Nacht zum Tag wird

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Zum vierten Mal beschert die Super-Bowl-Party der Gaststätte "zum Reegen" großen Zulauf. Mehr als einhundert Menschen haben vergangene Nacht gemeinsam die größte Sport-Show der Welt zelebriert - der Football zeigte sich von seiner besten Seite.

von Sebastian Kohler

Wenn sich in einer Sonntagnacht mehr als hundert Menschen in einer Gaststätte treffen, muss der Anlass etwas Besonderes sein. Nichts anderes als „das größte Spiel in der ganzen Welt“ hat die vergangene Nacht zum Tag gemacht. So nennt Charlie Brown, Heilbronner US-Veteran aus Texas, den Super Bowl. Das Finale der nordamerikanischen Football-Liga (NFL) sorgte im Frankenbacher „zum Reegen“ für einen späten Massenauflauf und eine überraschende Wende.


„Mit den 115 Gästen kann man allemal zufrieden sein“, stellte Gastgeber Alexander Sodomann fest. Dabei blieb die vierte Auflage des Frankenbacher Public Viewing der kommerziell erfolgreichsten Einzelveranstaltung der Welt zahlenmäßig etwas hinter dem Vorjahr zurück. Der Grund: „Uns fehlt ein bisschen der Mainstream-Zuschauer heute, weil die ganz großen Namen dieses Jahr nicht im Endspiel stehen.“ Gemeint sind die New England Patriots, gleichzeitig Helden und böse Buben der NFL, gewissermaßen der FC Bayern des Football. Unter die Fans haben sich auch Spieler der Heilbronn Salt Miners gemischt. Running Back Rico Schäufele schätzt, dass „die Sympathien ungefähr gleichmäßig verteilt“ sind, „eventuell mit leichten Vorteilen für die San Francisco 49ers.“

Zu deren Anhänger zählen sich auch Axinja Markov und Priscilla Dekorsi. Letztere ist „zum Football-Fan erzogen“, wie sie sagt und drückt den 49ers um den Deutschen Mark Nzeocha die Daumen. Trotzdem beweist sie Fairplay und erkennt an, dass Gegner Kansas City ihrem Team offensiv einiges voraushat. „Natürlich spielen die Chiefs sehr kreativ mit vielen Trickspielzügen, das ist sehr unterhaltsam.“

Die Atmosphäre ist freundschaftlich, relaxed. Vielleicht liegt es daran, dass der Sport in Deutschland erst in jüngerer Zeit gesteigerte Aufmerksamkeit bekommen. Vielleicht aber auch, weil kaum jemand so wirklich zu einem der Teams hält. „Man kann hier Trikots von fast allen der 30 NFL-Teams sehen“, bestätigt Brown den Eindruck, „das zeigt, dass der Sport hierzulande mehr wahrgenommen wird.“ Sichtlich wohl fühlt sich der Amerikaner zwischen zahlreichen USA-Flaggen, klassischem Fastfood und des Amerikaners liebstem Spiel. Dabei geht es international zu. Sodomann, der auch die sportliche Verantwortung bei den Salt Miners trägt, sieht einen Sport, der „keinen Rassismus, keinen Nationalismus und keine Ländergrenzen kennt.“

Beinah wichtiger am Super Bowl als das Kräftemessen auf dem Feld ist das Entertainment. Auf der Bühne in Miami reißen sich bei der berüchtigten Halbzeitshow Shakira und Jennifer Lopez die Klamotten vom Leib, während die Bedienungen in Frankenbach stilecht im Miners-Trikot servieren. Und so feiern nicht nur Football-Fans die größte Show der Welt im tropischen Florida, sondern auch die Gäste in Frankenbach die größte Super-Bowl-Party im Unterland. Am Ende entreißen die Kansas City Chiefs den leicht favorisierten San Francisco 49ers den Titel in den letzten vier Minuten. Dank erhöhter Koffein-Zufuhr wird es gegen Ende auch in Frankenbach noch einmal laut. Priscilla Dekorsi lächelt die Niederlage im Schlussakt nonchalant weg, sie hat schließlich von Anfang an „beiden Teams den Spaß gegönnt.“

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